Von Interview: Andreas Burkert

Jan Ullrich über sein Verhältnis zum Rivalen Armstrong, das letzte Duell mit dem Rekordsieger und den Streckenverlauf der 92. Tour.

SZ: Herr Ullrich, wie wird das sein am Samstag, wenn Sie Lance Armstrong wiedersehen? Geben Sie ihm die Hand?

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Ullrich bei der Tour de Suisse: Grillabend mit Lance. (© Foto: dpa)

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Ullrich: Sicher, wie eigentlich immer. Aber ich schau' jetzt nicht die ganze Zeit herum: Wo ist Lance? Wenn wir uns über den Weg laufen, begrüßen wir uns und wechseln ein paar Worte. Und dann beginnen wir die Tour.

SZ: Hat sich das Verhältnis durch die Rivalität der letzten Jahre verändert?

Ullrich: Eigentlich ist es immer dasselbe geblieben. Ich schätze ja seine Leistungen hoch ein, seinen ganzen Lebensweg. Und von seiner Seite ist der Respekt ebenfalls vorhanden, und so verhalten wir uns auch. Aber es ist auch normal, dass wir keine dicken Freunde sind und nicht beim Abendessen zusammen sitzen und quatschen. Denn wir sind wirklich Rivalen. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass, wenn wir beide unsere Karriere beendet haben, mal sowas zustande kommen könnte.

SZ: Ein schöner Grillabend bei Ihnen daheim am Bodensee?

Ullrich: Glaube ich schon, dass er käme. Erstmal hoffe ich, dass ich bei seinem Abschiedsrennen eingeladen bin.

SZ: Sind Sie doch: zur Tour.

Ullrich: Ich denke, dass er noch ein persönliches Abschiedsrennen bekommt.

SZ: Sie haben sich dieses Jahr noch bei keinem Rennen getroffen. Verfolgen Sie aus der Ferne das Leben des Rivalen?

Ullrich: Das Sportliche verfolge ich, den Rest kenn' ich ja von meinem Leben: Wenn sich Ullrich von seiner Partnerin getrennt hat, lach' ich am nächsten Morgen, weil es dann heißt: Armstrong hat sich auch getrennt! Und am übernächsten Tag steht drin: Stimmt gar nicht! Diese Klatschsachen verfolge ich nicht. Aber seine Ergebnisse schaue ich an, und ich lasse mich davon nicht entmutigen.

SZ: Viele halten Armstrong für arrogant. Ist er das?

Ullrich: Wie ich das mitbekomme, ist er ein ganz anderer Typ als der, den er in der Öffentlichkeit aufbaut: viel lockerer, angenehm und sehr großzügig, wie ich höre. Aber ich kenne ihn zu wenig, um das wirklich einschätzen zu können.

SZ: Also ist er ein Schauspieler, der mit der Popsängerin Sheryl Crow liiert ist und zur Oscar-Verleihung geht?

Ullrich: Sicher ist er das, das haben wir bei ihm ja schon öfters erlebt, aber für einen Amerikaner ist das ja wohl kein schlechtes Image. Wie er sein Privatleben steuert, interessiert mich allerdings wenig - mich interessiert nur, ob ich besser bin, wenn wir gegeneinander fahren.

SZ: Sie haben Ihr Privatleben angesprochen. In den vergangenen beiden Jahren haben Sie, ähnlich wie Armstrong, oft über die Kraft gesprochen, die Ihnen Ihr Töchterchen verleihe. Belastet Sie die aktuelle Veränderung nach der Trennung von Ihrer langjährigen Partnerin?

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