Der Sänger und HSV-Stadionsprecher Lotto King Karl über die Rivalität mit Bremen, Tim Wieses Provokationen und Diegos Musikgeschmack.
Lotto King Karl, 42, im wirklichen Leben Gerrit Heesemann, füllt als Sänger nicht nur große Hallen, er ist auch Stadionsprecher des Hamburger SV und führt vor jedem Heimspiel mit dem Kollegen Carsten Pape "Hamburg, meine Perle" auf, das europaweit auf Rang eins der Stadion-Hymnen gewählt wurde. Ein Gespräch über Rivalitäten im Fußball, besonders die zwischen dem HSV und Werder Bremen.
Die Fans des Hamburger SV beim Spiel gegen Hannover. (© Foto: dpa)
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SZ: Was fällt Ihnen zu Bremen ein?
Lotto King Karl: Ich habe mit meiner Band oft in Bremen gespielt, da waren viele Fans in Werder-Jacke dabei. Als ich kürzlich beim AC/DC-Konzert in Bremen war, gab es ein großes Hallo. Hätte ich mit jedem, der mir ein Bier ausgeben wollte, eins getrunken, wäre ich heute noch da.
SZ: Das klingt ja nach einer richtigen Fan-Freundschaft.
Lotto King Karl: So kann man das nicht sagen. Über 90 Minuten kann man nicht einer Meinung sein. Aber man muss Respekt vor dem Anderen haben.
SZ: Der HSV-Faneinpeitscher Johannes Liebnau, der unlängst sogar in den Aufsichtsrat einziehen wollte, hat beim letzten Derby Parolen wie "Tod und Hass dem SVW" angestimmt.
Lotto King Karl: Das sind Formulierungen, die gehen über Grenzen hinaus.
SZ: Auch Sie sind als Stadionsprecher schon aufgefallen. Als aus dem HSV-Fanblock einmal eine Jägermeister-Flasche auf Werder-Torwart Tim Wiese geworfen wurde, haben Sie gesagt: "Bitte keine Getränke mehr an Herrn Wiese zu verabreichen." War das angemessen?
Lotto King Karl: Die Fans haben aufgehört, etwas zu werfen. Leute vom DFB haben mir hinter vorgehaltener Hand bestätigt, dass ich damit anscheinend den richtigen Ton getroffen habe. So eine humorvolle Durchsage zieht vielleicht mehr als eine trockene offizielle Ansage.
SZ: "Herr Wiese" ist seit seinem Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic 2007 das Feindbild der HSV-Anhänger und hat die nun anstehenden vier Spiele zwischen den beiden Klubs gerade wieder angeheizt: Man müsse dem HSV "gleich einen auf den Sack geben".
Lotto King Karl: Das ist die alte Torwart-Schule des Oliver Kahn. Als der sich mal im Vorraum in unserem Stadion aufgewärmt hat, wehte plötzlich ein so kalter Wind. Es gibt eben diese Profis, die spielen nur als Arschlöcher gut. Tim Wiese lebt offenbar gern mit diesen Provokationen. Auch unser Frank Rost ist ja ein Spieler, der sehr aggressiv ist. Einen Robert Enke dagegen mag jeder.
SZ: Wieso gibt es eigentlich zu Hannover 96 eine Fanfreundschaft, die darin gipfelt, dass die Stadionsprecher im anderen Stadion die Aufstellungen ihres Teams ansagen dürfen und sogar die Hymne des anderen Klubs gespielt wird?
Lotto King Karl: Bremens Erfolge sind natürlich ein fruchtbarer Boden für eine richtige Rivalität. Mit Hannover gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum Duelle, bei denen es um die Wurst ging. Und beide Vereine nennen sich ja HSV, 96 ist eben der kleine HSV.
SZ: Was würde passieren, wenn Sie im Weserstadion ansagen dürften und Werder-Kollege Arnd Zeigler in Hamburg?
Lotto King Karl: Damit würden wir uns keinen Gefallen tun. Sich von 40 000 oder 50 000 auspfeifen zu lassen, bringt keinen Spaß. Arnd ist ein sehr sympathischer Typ, und seine Sendung "Wunderbare Welt des Fußballs" ist klasse. Aber er ist leider Werder-Fan.
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Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Er ist HSV-Stadionsprecher und hier in HH eine Berühmtheit.
Wer ist denn Lotto King Karl und warum wird er nach seiner Meinung gefragt, wenn es um so ein interessantes Spiel geht?