Sportorthopäde Erdeljac über das richtige Joggen.

(SZ vom 4.6.2003) - Laufen ist zum Modesport geworden. Rund zehn Millionen Jogger traben in Deutschland durch die Parks - eine kleine Volksbewegung und ein gigantischer Markt für die Sporthersteller. Die Sportorthopädie der Technische Universität (TU) München veranstaltet heute einen "Fußkongress" und einen öffentlichen "Aktionstag Sportschuh" (Zentrale Hochschulsportanlage am Olympiazentrum, 14.30 Uhr). Die SZ sprach mit Eduard Erdeljac, einem der Organisatoren von der Sportorthopädie im TU-Klinikum rechts der Isar.

Jogger

(© AP)

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SZ: Ist Laufen so gesund, wie es uns die Sportindustrie verkaufen will?

Erdeljac: Laufen ist ein Sport, der die Gesundheit in zweierlei Hinsicht fördert: Er belastet und trainiert Herz und Kreislauf sowie Muskulatur und Bewegungsapparat.

SZ: Worauf muss man achten, dass das Laufen nicht zu viel wird fürs Herz?

Erdeljac: Es ist ja tatsächlich ein regelrechter Laufboom ausgebrochen, und als Arzt kann man immer nur wieder raten, dass Anfänger mit einem moderaten Training beginnen und sich nicht gleich zu viel zumuten.

SZ: Außer Atem soll man beim Laufen nicht kommen.

Erdeljac: Ja, wie schnell man das Pensum angeht, ist natürlich individuell verschieden - je nach Fitnessgrad. Wer lange nichts gemacht hat, muss auf niedrigerem Niveau einsteigen und sich langsamer steigern als jemand, der viel Sport treibt und schon die entsprechende Belastungsfähigkeit mitbringt.

SZ: Sportmediziner sagen, Jogger in den USA lassen im Vergleich zu Deutschen die Sache ruhiger angehen und laufen im Schnitt langsamer.

Erdeljac: Vielleicht ist dort die Mode, zu laufen, um abzunehmen, stärker ausgeprägt. Der Fettabbau ist am effizientesten auf einem Belastungsniveau, bei dem man tatsächlich nicht außer Atem kommt und der Puls nicht zu hoch geht. Bei einem 30-Jährigen zum Beispiel sollte der Puls bei etwa 120 Schlägen pro Minute bleiben.

SZ: Was kann denn dem Bewegungsapparat beim Laufen passieren?

Erdeljac: Die Verletzung, die wir am häufigsten in der Klinik behandeln, ist das so genannte Umknicktrauma des oberen Sprunggelenkes. Prophylaktisch empfehlen wird darum ein zusätzliches konzentriertes Lauftraining auf unebenem Untergrund.

Hierbei wird die das Sprunggelenk stabilisierende Muskulatur des Unterschenkels vermehrt trainiert. Ein prophylaktisches Taping halten wir für nicht ratsam, weil es die Stützmuskulatur entlastet. Laufen belastet aber auch Knie- und Hüftgelenke und selbst die Wirbelsäule. Es gilt: Langsam anfangen und sich zuvor in Laufstil und Trainingsaufbau beraten lassen.

SZ: Welche Rolle spielen die Schuhe?

Erdeljac: Der Schuh muss beim Laufen die komplette Belastung durch das Körpergewicht übernehmen. Wenn er also nicht an den richtigen Stellen ein gutes Dämpfungssystem hat, ist die Belastung für die Gelenke enorm. Der Schuh darf nur an den Belastungspunkten nachgeben und muss ansonsten eine stabile und sichere Führung des Fußes gewährleisten - ein Balanceakt für die Konstrukteure.

SZ: Selbstvermarkter wie der Gesundheits-Guru Ulrich Strunz propagieren einen Laufstil, bei man nicht mit der Ferse aufkommt. Was ist davon zu halten?

Erdeljac: Man kommt wie ein Sprinter mit dem Fußballen auf und prallt nicht auf die Ferse. Wadenmuskel und Achillessehne übernehmen dabei vollständig die Dämpfung. Das kann aber dazu führen, dass die Achillessehne überlastet wird. Deswegen empfehlen wir das vollständige Abrollen des Fußes in einem gut gedämpften Schuh.

SZ: Manche Sportärzte beklagen, dass moderne Hightech-Schuhe zwar die Knie entlasten, dafür aber die Achillessehne unter Umständen schneller ramponieren. Stimmt das?

Erdeljac: Bei guten, gut passenden Schuhen beobachten wir das so nicht. Generell lässt sich sagen: Wenn die Dämpfung zu weich sein sollte, wie bei einer Matratze, die in allen Richtungen nachgibt, dann wird die Achillessehne übermäßig belastet, weil die Last dann sofort auf den Vorfuß geht.

Interview: Martin Thurau

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