Ein Interview von Andreas Burkert

Der Karlsruher Vollblutverteidiger Maik Franz im Gespräch über Gartenmöbel, überkochende Emotionen im Fußball und seinen Ruf als rüpelndes Rauhbein.

SZ: Herr Franz, Sie haben am Dienstagabend nach Ihrem Platzverweis beim 0:3 des KSC gegen Schalke 04 einem eher unschuldigen Plastikstuhl eine Lehne abgetreten. Das war nicht sehr fair, oder?

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Der Moment, als Maik Franz die Sicherungen durchbrannten: Der KSC-Verteidiger tritt leidenschaftlich einen Plastikstuhl zusammen. (© Foto: Reuters)

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Maik Franz: Ja klar, der arme Stuhl, ich weiß gar nicht, wie der dahin kam. Die ganze Aktion tut mir leid, denn das muss wirklich nicht sein. Schließlich hat man ja eine gewisse Vorbildfunktion, und in diesem Fall bin ich der leider überhaupt nicht nachgekommen. Die Situation ist ein bisschen aus dem Ruder gelaufen, das war ein Fehler, auf dem man natürlich jetzt ewig herumhacken kann. Dabei sage ich es nochmal: Ich sehe das ein, und es tut mir leid.

SZ: Das ist erfreulich, und es war ja auch nur eine Plastikstuhllehne.

Franz: Ja klar, der Stuhl stand halt da unglücklich rum. Aber wenn da jemand anderes gestanden wäre, keine Sorge, da wär' nichts passiert, wirklich.

SZ: Ist ja letztlich auch nur Fußball.

Franz: Schon, aber wir haben eben mit dem KSC innerhalb einer Woche dreimal total unglücklich verloren, obwohl Schalke an dem Tag natürlich eindeutig besser war. Und deswegen waren dann letztlich extreme Emotionen in mir drin. Aber das soll keine Ausrede sein, so etwas darf mir nicht passieren.

SZ: Ist nicht sowieso nur Jürgen Klinsmann schuld, der 1997 nach einer Auswechslung ein Loch in eine Werbetonne trat? Nicht alles, was er vormacht, sollte man übernehmen, oder?

Franz: Ich kenne den Vorfall natürlich, er wurde ja damals von Trainer Trapattoni gegen einen Amateur ausgewechselt. Und dann hat er in diese Tonne getreten. Aber in solchen Momenten denkst du dann einfach nicht mehr nach. Mir ist aber völlig klar, dass es jetzt Leute gibt, die sagen: Was ist denn da mit dem los, mit dem Franz, der dreht ja komplett durch!?

SZ: Was sagt denn Ihre Mutter, ist sie erschüttert gewesen wegen des Stuhls?

Franz: Wir haben telefoniert und darüber gesprochen. Aber auch sie ist jetzt natürlich KSC-Fan und leidet - der Stuhl ist uns dann letztlich doch Schnuppe. Und überbewerten muss man die Sache ja auch wieder nicht. Wenn man sich die Saison anschaut, sieht man doch, dass das jetzt ein Einzelfall bei mir war. Aber ich habe eben ein Image, und das habe ich nun leider Gottes doch mal wieder bedient. Vergangenes Jahr gab es ja mal eine Phase, bei der mein Zwist mit Mario Gomez im Mittelpunkt stand ...

SZ: ... der Sie nach dem Derby gegen den VfB als unfair bezeichnete und mit einem Kraftausdruck bedachte...

Franz: ... ja, seitdem bin ich halt in dieser Schublade, aus der ich wohl auch nicht mehr rauskommen werde. Wenn ich mal gefoult werde, wird mir das ja sogar mittlerweile als Theatralik ausgelegt. Dabei beschwere ich mich nie und sage stattdessen: Selbst was einstecken, das gehört im Fußball dazu.

SZ: Sie gelten ohnehin als recht umgänglicher Mensch, der sich aber auf dem Rasen in einen anderen Menschen verwandelt.

Franz: Das mit den zwei Gesichtern kann man vielleicht sogar wirklich über mich sagen. Aber wenn ich aufs Feld gehe, will ich gewinnen. Und gegen Schalke hatte ich halt die nächste Niederlage vor Augen, da wollte ich mich wehren. Ich bin kein Diego, ich bin kein Ribéry - ich habe eine andere Spielweise, da mache ich auch keinen Hehl draus. Bei mir sind es unter anderem die Emotionen, die sind stark.

SZ: Haben Sie schon früher auf dem Spielplatz den Rabauken gegeben?

Franz: Schon, ich war immer einer, der seinen Spaß haben wollte und dabei das eine oder andere Mal angeeckt ist. Aber das war wirklich nie negativ. Ich war damals schon positiv verrückt.

SZ: Und nun werden Sie auch als Profi nur auf diese Emotionen limitiert.

Franz: Ja, und das nervt mich schon ein bisschen. Denn ich bin ja nicht der totale Antifußballer, der nur grätscht und keinen Ball annehmen kann. Wenn das der Fall wäre, könnte ich doch gar nicht in der Bundesliga überleben. Und ich wäre dann auch nicht Kapitän beim Karlsruher SC.

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(SZ vom 31.10.2008/jbe)