Initiative von DFB und DGB Katar soll Ausbeutung stoppen

44 Arbeiter sind auf den WM-Baustellen in Katar bereits ums Leben gekommen. Nun fordern Gewerkschaftsbund und DFB die Fifa auf, menschenwürdige Bedingungen durchzusetzen - andernfalls soll das Emirat die Fußball-WM abgeben.

Von Johannes Aumüller und Detlef Esslinger

Der Weltfußballverband Fifa soll auf Katar einwirken, damit das Emirat Diskriminierung und menschenunwürdige Arbeit abstellt sowie Gewerkschaften zulässt. Andernfalls müsse dem Emirat die Weltmeisterschaft 2022 wieder genommen werden. Das fordern der Deutsche Fußballbund (DFB) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer gemeinsamen Aktion. DGB-Chef Michael Sommer sagte der Süddeutschen Zeitung, auf den WM-Baustellen für 2022 werde weiterhin "gequält und gestorben".

Sommer und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wollen nun die 25 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees mobilisieren. Sommer schreibt dazu die Gewerkschaftschefs in jenen Ländern an, aus denen die 25 Fifa-Funktionäre stammen; Niersbach wiederum wendet sich direkt an die Funktionäre. "In maximal sechs Wochen" wollen die beiden nach Sommers Darstellung die Ergebnisse ihrer Aktion sichten. "Dann gehen wir auf die Fifa los", sagte der Gewerkschafter. Der Weltverband müsse dafür sorgen, dass in Katar künftig die Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gelten.

Sommer ist zugleich Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), eines Zusammenschlusses von 325 Gewerkschaften aus 156 Ländern. In dieser Eigenschaft hatte er, wie er der SZ sagte, den Kontakt mit Fifa-Präsident Joseph Blatter gesucht. Er sei aber "noch nicht an ihn rangekommen". Deshalb wolle er nun auf einem anderen Weg "Mehrheiten finden, um Druck auszuüben".

"Belastung für den Fußball"

Der mögliche Effekt dieser Initiative ist unklar. Einerseits reagiert Blatter auf politische Einmischungen oft allergisch. Andererseits könnte er einen großen, international vernetzten Druck nur schwer ignorieren. Dazu kommt, dass der Fifa-Chef bei der Vergabe ohnehin kein Befürworter von Katar war.

Die Verantwortlichen des deutschen Fußballs hatten sich mit Äußerungen über Katar lange zurückgehalten. Erst auf dem DFB-Bundestag in Nürnberg am vergangenen Freitag hatte Niersbach klarere Worte gefunden. Mit Blick auf die Probleme rund um die Katar-WM sprach er von einer "Belastung für den Fußball". Neben der Verletzung der Menschenrechte geht es auch um mutmaßliche Unstimmigkeiten bei der Vergabe des Turniers sowie die Frage, welche Folgen eine Verschiebung in die Wintermonate hätte. Der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Reinhard Rauball, sagte sogar: "Es ist klar, eine WM darf nicht auf einem System aufbauen, das sklavenähnlich ist."

Die britische Zeitung The Guardian hatte vor wenigen Wochen enthüllt, dass allein von Anfang Juni bis Anfang August insgesamt 44 Gastarbeiter aus Nepal auf den WM-Baustellen ums Leben gekommen waren. Der IGB hatte hochgerechnet, dass es unter den jetzigen Bedingungen bis zu 4000 tote Arbeiter in Katar geben könne. Fifa-Präsident Blatter hatte darauf mit der Bemerkung reagiert, "in jedem Land der Welt" könne es passieren, dass es Todesfälle auf Baustellen gebe, "insbesondere auf WM-Baustellen".