Kaum ein Thema wurde heftiger diskutiert als die Entscheidung einiger Trainer, am letzten Spieltag eine B-Elf aufs Feld zu schicken. Dabei spielte die genauso stark wie die Stammelf. Das hätte bei der deutschen Mannschaft anders ausgesehen.
Wer das Training der spanischen Mannschaft am Dienstag Abend im Salzburger Stadion verfolgte, dem bot sich ein interessantes Bild. Die so genannte A-Mannschaft spielte gegen die so genannte B-Elf - nur trugen nicht die Stars die Leibchen, sondern die anderen Spieler. "Vielleicht werde ich fast das gesamte Team austauschen. Ich möchte den Spielern, die bisher nicht zum Zuge gekommen sind, Spielpraxis verschaffen", sagte Trainer Luis Aragonés zuvor. "Jeder hat sich die Chance verdient, sich hier zu beweisen." Er tut es damit den Trainern anderer Mannschaften, die bereits vor dem letzten Spieltag als Gruppensieger feststanden, gleich und schont seine Stammspieler.
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Hollands Trainer Marco van Basten ließ gegen Rumänien seine B-Elf auflaufen. (© Foto: dpa)
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Diese Praxis brachte einen ZDF-Reporter auf die Palme. "Das ist unfair und eine bodenlose Respektlosigkeit gegenüber Frankreich und Italien", sagte der zu Beginn des Spiels Holland gegen Rumänien. Trainer Marco van Basten hatte sein Team auf neun Positionen verändert. "Das riecht nach Schiebung", wetterte eine französische Zeitung. "Das ist Betrug", schrieb eine italienische.
"Die anderen Mannschaften sind mir egal"
Man muss nun nicht mehr über das Uefa-Reglement diskutieren, das wurde in den vergangenen Tagen ausreichend getan. Viel interessanter sind die Ergebnisse, die diese B-Mannschaften erzielten, obwohl es für sie um nichts und für den Gegner um den Einzug ins Viertelfinale ging. Kroatien gewann eine überlegen geführte Partie gegen Polen mit 1:0, Holland besiegte Rumänien verdient mit 2:0. Diese Erfolge haben weniger mit Fairness und Respekt anderen Teams gegenüber zu tun, wie Slaven Bilic klarstellte: "Die anderen Mannschaften sind mir egal. Ich schaue nur auf uns." Es lohnt vielmehr, die Zusammenstellung der Kader dieser Mannschaften zu betrachten.
"Wir haben 23 gleichwertige Spieler, ich kann ohne Bedenken jeden aufs Feld schicken", sagte Marco van Basten nach dem Sieg seiner Mannschaft. In der Startelf des B-Teams standen etwa Boulahrouz, Heitinga, van Persie, Robben und Huntelaar. Das sind Spieler, die bei den meisten Teilnehmern einen Platz in der A-Elf sicher hätten. Der holländische Kader ist so ausgeglichen besetzt, dass van Basten - wie eine niederländische Zeitung ein wenig martialisch schrieb - "nicht auswechseln muss, sondern nachladen kann." Verletzte und angeschlagene Spieler bereiten dem Coach keine Sorgen, er kann sie ohne weiteres ersetzen.
Auch die kroatische Mannschaft hat diesen Luxus - wenn auch auf niedrigerem Niveau. "A-Team, B-Team, das ist alles Quatsch. Wir sind ein Team", sagte Kapitän Niko Kovac nach dem Spiel, bei dem Rakitic, Petric und Klasnis auf dem Platz standen und eine überzeugende Leistung brachten. "Einige dieser Spieler werden wir auch im Viertelfinale sehen", kündigte Slaven Bilic an.
Schweinsteiger? Rolfes? Odonkor?
Die ausgeglichene Besetzung dieser Kader führt direkt zum deutschen Team. Dort werden Verletzungen von Torsten Frings und Marcell Jansen beklagt, auch Podolskis Einsatz ist fraglich. Wer soll sie ersetzen? Schweinsteiger? Ist außer Form und frustriert. Rolfes? Hat kaum Spielpraxis. Odonkor? Ist Odonkor. Joachim Löw kann also nicht einfach tauschen wie seine Kollegen van Basten und Bilic.
Um Löws Dilemma vor dem Spiel gegen Portugal zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle die Startformation einer B-Elf genannt, die er gegen Österreichs hätte aufs Feld schicken können, wäre die deutsche Mannschaft bereits qualifiziert gewesen.
Im Tor: Enke Innenverteidigung: Friedrich, Westermann Außenverteidiger: Odonkor, Hitzlsperger Mittelfeld: Borowski, Trochowski, Schweinsteiger, Rolfes Angriff: Kuranyi, Neuville
Plötzlich ist man irgendwie froh, dass die deutsche Mannschaft beim Spiel gegen Österreich unter Druck stand und mit der A-Elf antreten musste. Und man hofft, dass Frings und Podolski rechtzeitig genesen, um gegen Portugal spielen zu dürfen. Dem Kader, den Joachim Löw zusammengestellt hat, fehlt einfach die Ausgeglichenheit.
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- EM 2008 Der Versuchung widerstanden 17.06.2008
(sueddeutsche.de/dop/mb)
Berliner Zeitung
"Die ausgeglichene Besetzung dieser Kader führt direkt zum deutschen Team. Dort werden Verletzungen von Torsten Frings und Marcell Jansen beklagt, auch Podolskis Einsatz ist fraglich. Wer soll sie ersetzen? Schweinsteiger? Ist außer Form und frustriert. Rolfes? Hat kaum Spielpraxis."
Hinterher tut man sich immer leicht mit Kritik. Aber vielleicht könnten wir alle wirklich mal etwas weniger kurzfristig denken und anerkennen, das wir eine gute Mannschaft haben, die schönen Fussball spielen kann (auch wenn die Tagesform mal schlechter sein kann).
Was ich in der SZ nicht mehr lesen will, sind diese ganzen "Rumpelfussballer"-Artikel, die nach einem schlechten Spiel immer haufenweise auf der Webseite auftauchen. Kritik ist wichtig und richtig, wenn angebracht. Aber diese Weltuntergangsberichte ("Rückfall in die Zeit vor Klinsmann") zeugen einfach von mangelndem Fussballsachverstand.
Zitat: "ich weiß auch nicht was mit dem Moderator heute los ist...."
Schön wär´s, wenn´s nur heute so wär...
genau dasselbe ist mir vorhin auch passiert! ich weiß auch nicht was mit dem Moderator heute los ist.... da kommt noch nicht einmal eine Antwort auf eine Nachfrage!!
klar hab ich auch gesehen, dass odonkor verteidiger spielen musste. Dies ist aber nicht seine Position, und er hat sie nur deshalb eingenommen, weil ein weiterer Stürmer (Kuranyi) für Fritz ins Spiel kam. Eine schlechte Idee. Niemand käme auf die Idee Odonkor von Beginn an als rechten Verteidiger aufzubieten.
ich kann luke2 und anderen nur beipflichten:
Ein vollkommen sinnloser Artikel!
Beleidigende, unanständige Kommentare gehören gelöscht.
Das Löschen von anständigen, aber eben (sachliche) Kritik an SZ-Autoren enthaltenden Kommentaren, haben (mit Verlaub) meiner Meinung nach mit Meinungsfreiheit nichts zu tun.
Liebe SZ, ich glaube kaum jemand, könnte er meinen gelöschten Kommentar lesen, würde darin einen Verstoß gegen die Nettikette erkennen. Der Kommentar enthielt eine leicht abwertende, aber deutlich erkennbar humorvoll gemeinte Äußerung zum Autor.
Ich würde mir einfach wünschen, dass etwas souveräner und selbstbewusster mit Kritik umgegangen wird und "Zensur" nicht nach dem Kriterium pro oder contra Redaktion, sondern anständig oder nicht anständig durchgeführt wird.
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