Hamburger SV Der erste Spieler meckert schon

Sauer auf den neuen Trainer: Kyriakos Papadopoulos (Archivbild).

(Foto: dpa)
Von Jörg Marwedel, Hamburg

Wie so oft nach den inzwischen 14 sieglosen Spielen nacheinander haben die HSV-Profis die Journalisten nach dem Spiel wortlos passiert. Nur einer wollte nach der 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC gar nicht mehr aufhören zu reden. Es war einer, der in den 90 Minuten zuvor gar nicht auf dem Platz gewesen war. Kyriakos Papadopoulos, bislang eine Art Abwehrchef, wollte seinen Unmut über den neuen Trainer Christian Titz herauslassen. Spieler, die in der vergangenen Rückrunde noch für den Klassenverbleib gesorgt hatten, seien nun außen vor, beklagte er.

"Erfahrene Leute wie Mavraj und Diekmeier sind wichtig für die Mannschaft", führte er aus und meinte damit natürlich auch sich selbst: "Ich bin nicht so schlecht, dass ich nicht spielen kann." Der neue Trainer habe gar nicht mit ihm über die Degradierung geredet. Zudem sei es "nicht immer das Beste, immer etwas Neues" zu probieren.

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Die gute Leistung währt nur 45 Minuten

Womöglich stimmt es, dass der neue Übungsleiter Titz ein wenig übertrieben hat bei der Restaurierung des HSV-Teams, das er auf fünf Positionen geändert hatte gegenüber dem 0:6 beim FC Bayern. Er ließ nicht nur Papadopoulos, Mergim Mavraj und Dennis Diekmeier draußen, sondern auch André Hahn und Sven Schipplock, allesamt Profis, die bei seinem Vorvorgänger Markus Gisdol zur Grundausstattung gehörten. Auch für den von Vorgänger Bernd Hollerbach geschätzten brasilianischen Sechser Walace hatte Titz keinen Platz im Kader.

Wahr ist auch, dass Papadopoulos zumindest in Sachen Kampfkraft meist ein Vorbild in dieser verunsicherten Elf war, dennoch hat Titz mit seinen Änderungen wenigstens 45 Minuten lang dafür gesorgt, dass der HSV mit einem offensiveren Ansatz und neuem Mut aufspielte. Aber die Worte des beleidigten Griechen zeigen auch, dass der Restaurateur Titz es schwer haben wird, mit den Etablierten weiter harmonisch zusammenzuarbeiten. Der vorerst letzte verbliebene HSV-Vorstand Frank Wettstein drohte am Sonntag bereits Konsequenzen an. Papadopoulos habe "sich und uns keinen Gefallen" getan, man werde das "nicht tolerieren".

Die Hoffnung, dass es für den HSV und seinen neuen Trainer doch noch einen Ausweg aus der Abstiegsfalle gebe, währte am Ende doch nur 45 Minuten. Das war jene Periode, in welcher der HSV durch einen Treffer von Douglas Santos in der 25. Minute 1:0 in Führung lag, während der Relegationsplatz-Konkurrent Mainz 05 in Frankfurt früh 0:3 in Rückstand geraten war. Hätte bedeutet: nur noch vier Punkte und fünf Tore Rückstand auf Mainz. Doch in der Halbzeit wandelte sich alles.

Hertha-Trainer Pal Dardai hatte es seinen Profis vorhergesagt wie ein Seher: "Männer, der Gegner bekommt jetzt Angst. Sie haben Druck, führen 1:0 und werden darüber nachdenken, wie sie das Ergebnis über die Zeit bekommen." Und tatsächlich: In der 56. Minute patzte Hamburgs 19 Jahre alter Innenverteidiger Rick van Drongelen, als würde er genau über Dardais Gedankenspiele nachdenken. Herthas Valentino Lazaro war zu flink für Santos, es stand 1:1. Es war das erste Hertha-Tor nach 448 Minuten und so, wie sich das Spiel nun entwickelte, war es wohl das endgültige Ende aller HSV-Hoffnungen.