HSV gegen 1860 München Tschauners Schattenspiel

Einige Fehler des 1860-Torwarts Philipp Tschauner begünstigen beim 3:1-Pokalsieg des Hamburger SV drei Treffer des künftigen Münchners Ivica Olic.

Es war ein Gegengeschäft, aber keine Win-Win-Situation. Philipp Tschauner, der Torwart des TSV 1860 München, ging nach dem Schlusspfiff zu Piotr Trochowski und ergatterte das weiße Hemd des Hamburger Mittelfeldspielers: "Ich habe ihm gesagt: Ich habe dir das Tor geschenkt, dafür gibst du mir dein Trikot", erzählte Tschauner später im Interview, als er das nur mäßig tröstende Garderobestück des Gegners bereits übergezogen hatte.

Einfach nicht in den Griff zu kriegen, auch nicht von Mathieu Beda (l.): Hamburgs Stürmer Ivica Olic, der im Sommer zum FC Bayern wechseln wird.

(Foto: Foto: Reuters)

Beim 3:0 des Hamburger SV hatte der Löwen-Keeper einen Flatterball Trochowskis nach vorne abklatschen lassen, sehr zur Freude eines künftigen Münchners: Stürmer Ivica Olic, ab Juli Lohnempfänger des FC Bayern, erzielte sein drittes Tor des DFB-Pokal-Achtelfinal-Abends (85.) - und das Bittere für Tschauner war: Er hatte schon bei den ersten beiden Gegentreffern (44./78.) durch fehlerhaftes Torwartverhalten assistiert. Für 1860 traf vor 48.060 Zuschauern in Hamburg nur Kapitän Daniel Bierofka kurz vor Schluss (87.), so verlor der Mittelklasse-Zweitligist beim Oberklasse-Erstligisten standesgemäß 1:3 (0:1).

Ein "perfektes Spiel", hatte 1860-Trainer Marco Kurz in Auftrag gegeben, ohne den kleinsten Fehler, nur so sei die Sensation zu schaffen. Anfangs hielten sich die Löwen in ihrem Außenseiter-Status tadellos an diese Vorgabe - mit dem bewährten Hausrezept für Kleine im Kampf gegen Große: Sie standen defensiv dicht aufgereiht, rannten viel und rackerten aggressiv und nahmen Hamburg damit Spielfreude und Raum.

Drei Zugänge hatte Löwen-Manager Stefan Reuter in der Winterpause als Frischwinderzeuger verpflichtet, zwei davon spielten mit: Sascha Rösler (aus Mönchengladbach) im Sturm, der ein kantiger Leitwolf werden soll im zuletzt oft braven, blassen Löwen-Rudel. Und Stefan Aigner (aus Bielefeld) als dynamische Kraft am rechten Flügel. In der achten Minuten fasste sich jener Aigner ein Herz, tanzte im Strafraum um HSV-Verteidiger Mathijsen herum, schoss aber flach am Tor vorbei. Diese erste dicke Chance blieb - aus Löwen-Sicht - leider bis zum späten Ehrentor die beste.

Der Vorsatz des Fehlervermeidens gelang 44 Minuten. Dann unterlief Tschauner ein großer Patzer - und dem Schiedsrichtergespann ein riesiger. Der Torwart passte einen zu ihm zurückgespielten Ball schlampig kurz zu Verteidiger Gregg Berhalter, Trochowski spitzelte dazwischen und setzte Olic in Szene. Der ließ Tschauner mit einem eleganten Sohlentrick ins Leere hechten und schob den Ball an Verteidiger Mathieu Beda vorbei ins Tor. Olic jedoch stand meterweit im Abseits, offenbar vermutete der Linienrichter, das Zuspiel sei nicht von Trochowski, sondern vom ebenfalls zum Ball grätschenden Verteidiger Berhalter gekommen.

Nach diesem 0:1 zur psychologischen Unzeit passierte in Halbzeit zwei nicht viel. Tschauners beste Parade gegen HSV-Stürmer Petric verhinderte das 2:0 (52.).In der 77.Minute zog dann Olic flach aus spitzem Winkel ab, und Tschauner ließ die auftitschende Kugel unter der linken Hand durchgleiten. Beim 3:0 staubte Olic ab, dank Tschauners unglücklicher kurzer Abwehr gegen Trochowskis windschiefen Schuss aus 25 Metern. Bei diesem Treffer sprach Trainer Kurz Tschauner von der Anklage frei ("Flatterball"), bei den anderen nicht: "Durch solche Spiele muss ein junger Torwart durch. Ich hoffe, das war für Philipp ein Hallo-Wach-Effekt für das Wochenende", sagte Kurz mit Blick auf den Zweitliga-Auftakt der Löwen am Sonntag gegen Freiburg.

Tschauner sagte selbstkritisch: "Heute war mehr Schatten in meinem Spiel als Licht." So siegte letztlich problemlos der schlau spielende, abgeklärte HSV, der nun im zweiten Teil seiner Münchner Woche am Freitag den FC Bayern empfängt und dabei die Bundesliga-Tabellenspitze erklimmen kann. Ivica Olic wird dann wegen seiner Testspiel-Boxerei mit Hoffenheims Carlos Eduardo gesperrt sein. Diesen Frust mussten ausgerechnet die Löwen ausbaden: "Deshalb habe ich heute besonders Gas gegeben", verriet Olic nach seinem Dreierpack, mit dem er den Charaktertest kurz nach Bekanntgabe seines Wechsel zu den Bayern bestand.

1860-Trainer Kurz bilanzierte nüchtern: "Die Qualität des HSV war weitaus höher, dennoch haben wir uns hier teuer verkauft." Den erhofften warmen Geldregen allerdings muss der finanziell notleidende Zweitligist abschreiben. Ein Viertelfinale-Einzug hätte den Löwen laut Manager Reuter "sicherlich einen siebenstelligen Betrag" in die Kasse gespült.