Hollands Stürmer Ruud van Nistelrooy ließ sich im Strafraum nicht fallen - und da sah sich selbst der zurückhaltende Fußballgott zu einer Belohnung genötigt.
Den Fußballgott muss man sich - auch wenn das schwer vorstellbar ist - ungefähr vorstellen wie eine Mischung aus Franz Beckenbauer, Luca Toni und dem Weihnachtsmann: Stark mit dem Kopf, gütig und mit einer unglaublichen Übersicht für das Fußballspiel ausgestattet.
Strauchelte, fiel aber nicht: Ruud van Nistelrooy. (© Foto: dpa)
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Er schickt Lichtgestalten unter die Sterblichen, inszeniert Sommermärchen und lässt England in der Qualifikation stolpern. Er ist höchstes Gericht und stellt Balance her. Am Montag sah er sich beim Spiel zwischen Italien und den Niederlanden zum Eingreifen genötigt.
Da geriet in der 18. Minute nämlich erst einmal Ruud van Nistelrooy aus der Balance, als er Italiens Torhüter Gianluigi Buffon umkurven wollte - und dann passierte ein kleines Fußballwunder: Nistelrooy fiel nicht. In Deutschland wurde die "Schwalbe light", also der blitzschnelle Bodenkontakt bei mimimaler Fremdeinwirkung im Strafraum, früher in der Jugend gelehrt ("Beim nächsten Mal, Junge, lass dich fallen!"), weil dem Schiedsrichter dann gar nichts anderes übrigbliebe, als Elfmeter zu pfeifen.
Aber van Nistelrooy stolperte weiter, als wolle er einen Rekord im Dauertaumeln aufstellen. Der Schiedsrichter pfiff nicht, was den Verdacht nährt, als würde das Regelwerk nur die weniger Standfesten belohnen. Und van Nistelrooy erreichte nach seinem Straucheln den Ball noch im Strafraum, konnte aber damit nicht mehr viel anfangen.
An jedem anderen Tag hätte der Fußballgott über so viel untypische Fairness seine Augenbrauen gehoben, in die Chipstüte gegriffen und dann sanft geseufzt: "Ach, die Holländer." Aber hier sah er das Gleichgewicht seines Sports in Gefahr, dachte an all die Skandale und Skandälchen des italienischen Fußballs und an 2006, als der Italiener Marco Materazzi im Finale Zinedine Zidane mit Beschimpfungen bis zum Kopfstoß provoziert hatte. Dann sagte er sich: Dieses Mal nicht, meine lieben Italiener.
Er benötigte acht Minuten Denkzeit für ein Meisterwerk: Eine italienische Abwehr auszuhebeln, ohne dass es allzu plump wirkte. Irgendwie prallte Christian Panucci - hatte da jemand sanft geschubst? - mit dem Torhüter Buffon zusammen und rollte hinter die Torlinie. Gemäß Regelwerk zählte er dort als Verteidiger liegend aber zum Spiel mit und hob damit van Nistelrooys vermeintliche Abseitsstellung auf. Der Niederländer traf, und daraufhin spielte seine Mannschaft, wie sonst nur Italien spielt. Abwartend, intelligent. Wesley Sneijder und Giovanni van Bronckhorst (31./79.) beförderten die Niederlande zum Turnierfavoriten.
Was passiert wäre, wenn van Nistelrooy gefallen wäre? Wahrscheinlich hätte er den Elfmeter selbst geschossen, allen vom Fußballgott verfassten ungeschriebenen Fußballgesetzen zum Trotz - und dann wäre dieser Schuss weit über das Tor geflogen. Anschließend hätte Italien wie Italien gespielt. Aber wer weiß das schon genau?
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(sueddeutsche.de/jja)
Berliner Zeitung
LOL, welch Milchmädchenrechnung: "Hätte Italien ein Tor geschossen, wäre es so oder so ausgegangen", "Hätte", "wenn" und "würde" ... IST ES ABER NICHT! Italien hat einfach versagt, vorne wie hinten.
Überhaupt: Seit wann war Panucci verletzt? Der ist nach einem Kopfball-Versuch einfach auf und hinter die Grundlinie gekullert und einfach nicht rechtzeitig aufgestanden. Pech gehabt. :-D
Also das 1:0 war ein Witz. auch wenn es regelkonform war. Es ist bestimmt nicht im Sinne des Fußballs das hinter der Grundlinie verletzt liegende Spieler das Abseits aufheben. Da erwartet man ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter und der Uefa.
Das zweite Tor war einfach nur geil.
Aber alles in allem finde ich hatte man von den Holländern eine starke Hälfte gesehen. Die zweite Halbzeit ging klar an Italien. Da war nicht mehr viel Holland. Und hätten die Italiener ein, zwei ihrer vielen wirklich guten Möglichkeiten genutzt, hätte es auch locker 2:2 oder anders ausgehen können.
Demnach war das 3:0 ein wenig zu hoch aber verdient weil Tore schießen gehört nunmal dazu.
"Die latente Gehässigkeit gegenüber den Italiienern (im Vereinsfussball wie bei den Nationalmannschaft) ist schon recht eigenartig"
Was denn jetzt??? Minderwertigkeitskomplex oder latente Gehässigkeit?
Und: schöner und besser bedeutet im Fußball leider nicht immer erfogreicher!
Und warum darf man den italienischen Fußball, ob auf Vereins- oder auf Nationalmannschaftsebene, nicht unattraktiv finden!
Warum muss man dann direkt auf einer unsachlichen Ebene diskutieren?
In Deutschland wurde bis 2004 auch Rumpelfußball gespielt, mittlerweile hat sich das aber zum Glück geändert.
Ich sehe halt lieber attraktiven, schnellen modernen Fußball, will ich rein taktische Fußballspiele sehen, hole ich mir ne DVD vom DFB Trainerlehrgang.
"Ein Spieler, der nicht am Spiel teilnimmt, kann aber auch nicht in eine Abseitsentscheidung mit einbezogen werden"
Sie wissen, dass das falsch ist, weil sie ja die Regel kennen. Dass sie etwas unglücklich erscheint ist erst mit der passiven Abseits Regel so gekommen.
Denn ein Abwehrspieler hinter der Linie hebt das Abseits auf (wie gesehen), ein Stürmer hinter der Linie, der nicht ins Spiel eingreift, steht jedoch nur passiv im Abseits.
Genau das ist der Unfug der passiven Abseits Regel, jedoch ist sie so.
Nochmal zu ihrem Zitat, wenn ein Angriff über die rechte Seite kommt, kann schließlich auch der Abwehrspieler auf der anderen Seite eine vermeintliche Abseitsstellung aufheben, auch wenn er nicht am Spiel teilnimmt weil er sich die Schuhe bindet oder so.
Am einfachsten wäre es wohl gewesen, wenn Buffon seinen Abwehrspiel nicht abgeräumt hätte, oder zumindest den Ball mit ihm ins aus befördert hätte.
Regel 3 kenne ich natürlich und habe die Regel auch gelesen:
"Überschreitet ein Spieler zufällig eine Begrenzungslinie des Spielfelds, gilt dies
nicht als Regelübertretung. Das kurzfristige Verlassen des Spielfelds kann als
Teil der Spielbewegung betrachtet werden."
Nun hat Panucci die Begrenzungslinie des Spielfelds nicht "zufällig" überschritten und das Spielfeld auch nicht verlassen - er ist über die Torlinie geschubst worden. De facto war Panucci also im Spiel - nahm aber nicht am Spiel teil. Ein Spieler, der nicht am Spiel teilnimmt, kann aber auch nicht in eine Abseitsentscheidung mit einbezogen werden.
Das klassische Gegenargument: Natürlich nahm Panucci am Spiel teil, schließlich hat er sich beim Schiedsrichter nicht abgemeldet. Jetzt muss ich lachen. Wie bitteschön hätte sich Panucci abmelden sollen? Wie schreibt die FAZ so schön: "Hätte er hingegen im Hinausfallen ordnungsgemäß gerufen: Schiri Fröjdfeldt, melde mich hiermit ab sofort wärs Abseits gewesen. Immerhin eines ist klar: Die Möglichkeit zur nachträglichen Abmeldung sieht das Verfahren nicht vor. Also kein Abseits."
Meine These: Selbst wenn er sich innerhalb des Spielfeldes aufgehalten hätte, wäre das Tor nicht zu geben, denn wie kann ein am Boden umgerannter und umgestoßener Spieler ein Abseits aufheben? Das widerspräche doch sehr dem Sinn dem Sinn der Abseitsregel.
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