Kampffußball statt Zauberfußball: In einer hektischen Partie mit zwei Platzverweisen zeigt sich Hoffenheim von einer neuen Seite - und gewinnt 3:1 gegen Köln.
Die Hoffenheimer haben in dieser Saison schon viele Fußball-Herzen erobert. Weil sie immer so offensiv spielten, so schnell kombinierten und so herausragend schönen Fußball boten, vom Hoffenheimer Fußball-Zauber war gar die Rede. Dabei war neben der individuellen Klasse der Akteure und dem gesamtharmonischen Mannschaftsgefüge ein wesentlicher Grund für das überzeugende Auftreten, dass die Elf von Ralf Rangnick bisher weitestgehend von Personalsorgen verschont blieb.
Bild vergrößern
Die Hoffenheimer Ibisevic (links) und Ba trafen gegen Köln drei Mal. (© Foto: dpa)
Anzeige
Insofern war es spannend zu sehen, wie diese Hoffenheimer gegen Köln den Ausfall von gleich drei Elfteln ihres Fußball-Zaubers verkraften würden. Denn mit den beiden Außenverteidigern Andreas Beck (gesperrt) und Andreas Ibertsberger (verletzt) sowie dem Angreifer Chinedu Obasi fehlten Rangnick gleich drei wichtige Spieler. Nach dem 3:1-Sieg gegen Köln ist der Fußball-Beobachter nicht viel schlauer. Denn die Antwort kann sowohl lauten "Nein, sie können solche Ausfälle nicht verkraften" als auch "Ja, sie können diese Ausfälle verkraften".
Zur ersten Antwortmöglichkeit: Trotz des Sieges war das Köln-Spiel sicherlich einer der schwächeren Hoffenheimer Auftritte in dieser Saison. Offensiv war von Zauberei nichts zu sehen, was auch damit zu tun hatte, dass Obasis Ausfall eine Auflösung des gewohnten 4-3-3-Systems hin zu einem 4-4-2 zur Folge hatte, in dem die TSG nicht so zielstrebig agierte wie in dem gewohnten Modell. Die Elf wirkte, verständlicherweise, nicht so eingespielt und harmonisch wie in Bestbesetzung. Und die für Beck und Ibertsberger gekommenen Christoph Janker und Zsolt Löw agierten nicht so überzeugend wie die nominellen Außenverteidiger.
Andererseits aber, und damit zu Antwortmöglichkeit Nummer zwei, muss es die Bundesliga-Konkurrenz ängstigen, dass diese Hoffenheimer nun auch schon Spiele gewinnen, in denen sie nicht zaubern und offensiv nicht überzeugen. Sondern deshalb drei Punkte mit nach Hause nehmen, weil sie in bester Bayern-München-Tradition hinten ziemlich solide stehen, sich enorm zweikampfstark präsentieren und vorne bei ihren wenigen Torchancen kaltschnäuzig agieren.
"Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Spiel und dem Ergebnis. Für mich gibt es auch keinen Zweifel, wer heute als verdienter Sieger den Platz verlassen hat" , sagte TSG-Trainer Rangnick nach der Partie.
Viele Gedächtnispreise
Seine Hoffenheimer begannen gut. Schon nach vier Minuten kam Abwehrspieler Matthias Jaissle zu einer ersten Kopfballchance. Danach war die Rangnick-Elf über weite Strecken der ersten Hälfte optisch überlegen, wie es immer so schön heißt, aber die besseren Chancen hatten in Form von zwei Fernschüssen die Platzherren.
In einer hektischen und von vielen Fouls geprägten Partie empfahl sich Kölns Nemanja Vucicevic in der 26. Minute mit Nachdruck für den Frank-Mill-Gedächtnispreis. Nach einem Schuss von Novakovic prallte der Ball vom Pfosten zurück zu dem völlig frei vor dem leeren Tor stehenden Vucecevic - der aber wohl gar nicht mehr damit gerechnet hatte, den Ball zu bekommen, und übers Tor drosch. Doch bevor er sich in ein paar Jahrzehnten vor seinen Enkeln zu sehr schämen muss, wenn diese eine Aufzeichnung des Fehlschusses sehen sollten, sei ihm wenigstens eine kleine Ausrede an die Hand gelegt: Es wäre ohnehin Abseits gewesen.
Nur vier Minuten später erinnerte dann Hoffenheims Luiz Gustavo daran, dass er im Rennen um den Tomasz-Hajto-Gedächtnispreis ganz vorne liegt. Nach seinem dritten Foul in der Partie sah der Brasilianer im TSG-Mittelfeld die gelbe Karte - schon seine siebte in der aktuellen Spielzeit, und das schon am 14. Spieltag. Hochgerechnet wären das 17 Verwarnungen, so viele kassierte selbst Hajto zu Glanzzeiten nicht.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundesliga RSS
- FC Bayern gegen Cottbus Sogar Demichelis trifft 22.11.2008
- Fußball-Bundesliga KSC kickt sich in die Krise 21.11.2008
- FC Bayern Zum Zuschauen gezwungen 21.11.2008
- FC Bayern: Franck Ribéry Der Wellenbrecher 17.05.2010
- Bundesliga: 1. FC Nürnberg Sieger auf Euro-Suche 17.05.2010
- Bundesliga: Relegation Jungbrunnen für Franken 16.05.2010
- FC Augsburg: Einzelkritik Wütende Bolzer 14.05.2010
Kosovo-Konflikt