Hoffenheims Mittelfeldspieler Sejad Salihovic über wilde Zeiten in Berlin, den Kulturschock in der Provinz und ein Angebot des FC Bayern.
Als Sejad Salihovic sieben Jahre alt war, musste er auf einem Lastwagen mit seiner Familie die Heimat in Bosnien-Herzegowina verlassen. Über Österreich kam er nach Berlin, wo bald sein Fußballtalent entdeckt wurde. Doch wie einige andere aus der Jugend von Hertha BSC galt Salihovic zwar als talentiert, aber disziplinlos, trainings- und lauffaul. 2006 wechselte er zum Regionalligisten TSG Hoffenheim. Heute ist der 24-Jährige Bundesliga-Tabellenführer und bosnischer Nationalspieler.
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Sejad Salihovic: 22 Bundesliga-Spiele für Hertha BSC Berlin und die TSG Hoffenheim, neun Länderspiele für Bosnien-Herzegowina. (© Foto: AP)
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sueddeutsche.de: Die Vorbereitung der TSG Hoffenheim verlief nicht gerade gut. Viele glauben, die Mannschaft stürzt in der Tabelle bald ab.
Sejad Salihovic: Auch wir haben schon befürchtet, dass es nicht mehr so läuft wie in der Hinrunde. Deshalb waren die Punkte gegen Cottbus sehr wichtig.
sueddeutsche.de: Was haben Sie gedacht, als Sie vom Kreuzbandriss von Vedad Ibisevic gehört haben?
Salihovic: Für mich war das ein Schock, ich habe zwei Tage gebraucht, um das zu verarbeiten. Er ist ein sehr enger Freund von mir und hatte in der Vorrunde einen so guten Lauf. Es tut mir sehr leid für ihn. Aber auch für uns.
sueddeutsche.de: Kommt jetzt manchmal der Gedanke: Hoffentlich passiert mir so etwas nicht?
Salihovic: In den ersten Tagen danach schon. Aber es wäre falsch, sein Spiel zu verändern. So eine Verletzung passiert eben, das kann man nicht kontrollieren. Man macht eine schlechte Bewegung oder bleibt im Rasen hängen. Für Vedo ist das traurig, aber ich denke, er ist stark genug. Auch er hat schon Rückschläge erlebt in seinem Leben (auch Vedad Ibisevic musste als Kind aus Bosnien flüchten, Anm. d. Red.). Ich denke, er wird es wieder schaffen. Wir werden ihm helfen.
sueddeutsche.de: Auch Ihnen wurde in Hoffenheim schon geholfen. 2006 wollte Sie Hertha BSC Berlin nicht mehr haben, Sie galten als gescheitertes Talent. Sie haben sich dann zum Wechsel nach Hoffenheim entschieden, obwohl Trainer Ralf Rangnick meinte, bei keinem seien die Verhandlungen so zäh gewesen, wie bei Ihnen.
Salihovic: Es war eine sehr schwierige Entscheidung für mich. Aber ich wollte damals einfach raus aus Berlin.
sueddeutsche.de: Von der Millionenstadt ausgerechnet ins Dorf Hoffenheim?
Salihovic: Am Anfang war es ein Kulturschock für mich.
sueddeutsche.de: Was war das größte Problem?
Salihovic: Erst einmal überhaupt aus Berlin wegzugehen, das ist eine großartige Stadt. Und dann ins kleine Hoffenheim, mit der ländlichen Umgebung...
sueddeutsche.de: Jetzt wohnen Sie nicht einmal im studentischen Heidelberg, sondern in Bad Rappenau, im Landkreis Heilbronn.
Salihovic: Ja, eine schöne Gegend. Neubaugebiet. Ist ruhig.
sueddeutsche.de: Haben Sie sich daran gewöhnt?
Salihovic: Da hat man seine Ruhe. Es ist jetzt gut so.
sueddeutsche.de: In Berlin haben Sie es eine Zeit lang weniger ruhig angehen lassen. Es hieß, Sie und gleichaltrige Mitspieler wie Kevin-Prince Boateng oder Ashkan Dejagah hätten nicht unbedingt sportlich gelebt, Sie galten als trainings- und lauffaul.
Salihovic: Naja, wir haben uns nicht richtig auf die Trainingseinheiten vorbereitet. Wenn wir fit sein sollten, waren wir nicht fit. Statt uns auszuruhen, sind wir nach einem langen Training in die Stadt gegangen und danach direkt wieder zum Training. Ich habe es damals nicht genug zu schätzen gewusst, was man am Beruf des Profifußballers hat und habe viele Fehler gemacht. Zum Glück haben meine Eltern mir sehr geholfen, und auch Trainer Rangnick.
sueddeutsche.de: Was haben Sie nicht genug geschätzt am Fußballerleben?
Salihovic: Ich komme aus armen Verhältnissen. Mein Bruder muss für 1000 Euro im Monat auf der Baustelle arbeiten. Ich dagegen spiele ein bisschen Fußball und kann damit viel Geld verdienen. Ich habe Spaß dabei, es ist wirklich ein Traumberuf. Jetzt lebe ich dafür.
sueddeutsche.de: War der Kulturschock in der Provinz da vielleicht wichtig?
Salihovic: Der hat anscheinend gutgetan.
sueddeutsche.de: Haben Sie Kontakt mit Kevin-Prince Boateng, der nach eineinhalb Jahren bei Tottenham Hotspur nun nach Dortmund in die Bundesliga zurückgekehrt ist?
Salihovic: In letzter Zeit haben wir nicht so viel gesprochen, aber als er in England war, haben wir schon telefoniert.
sueddeutsche.de: Wieso hat er es nicht geschafft bei Tottenham?
Salihovic: Ich weiß, dass er ein sehr guter Fußballer ist. Bei Tottenham gab es auch Probleme in der Mannschaft. Ich freue mich, dass er wieder hier ist, er hat ja lange nicht gespielt. Ich hoffe wirklich, er hat es verstanden. Jetzt habe ich gehört, dass er sich in Dortmund anstrengt. Er ist ein so guter Fußballer und es wäre schade, wenn aus seiner Karriere nichts wird in den nächsten Jahren.
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Na was soll das denn? Ist der Mann etwa selbstbewusst? So etwas geht als Profi-Fußballer natürlich garnicht. Immer schön bescheiden bleiben und dem Trainer bzw. den Eltern danken, dass man Fußball spielen DARF. Ich erwarte von einem Profi, dass er in Interviews sein Licht unter den Scheffel stellt, aber in Spielen gegen den FCB muss er natürlich weltklasse sein. Eh klar, oder?
hate the game, not the player
Stimmt, grabovski! Wirkt schon ganz schön arrogant der Typ, wie seine Spielweise.
"Und wenn einer wie ich auf der Bank sitzt, dann sieht man, wie viel Qualität in der Mannschaft steckt. "
Immer auf dem Teppich bleiben, lieber Herr Salihovic. Und keine Angst, mit Beckham vergleicht Sie meines Wissens niemand... ;)