Bei der Attacke von Uli Hoeneß gegen die Fifa geht es um die Frage, wer künftig die Macht im Fußball hat: die Verbände oder die großen Klubs.
Nicht auszudenken, wenn die Bayern Wesley Snejider verpflichtet hätten. Dann hätte Uli Hoeneß vor einer Woche einen Anruf erhalten, der im Tegernseer Land ein mittleres Erdbeben ausgelöst hätte. Wer am Samstag sah, wie sich Hoeneß über die Verletzungen der HSV-Profis Paolo Guerrero und Collin Benjamin echauffierte, der möchte sich lieber nicht vorstellen, wie Hoeneß auf die Länderspiel-Blessur eines Bayern-Profis reagiert hätte. Snejider hatte sich vor einer Woche eine schwere Knöchelverletzung zugezogen, und für Hoeneß sind Länderspiel-Verletzungen grundsätzlich schlimmer als Vereins-Verletzungen. Noch schlimmer als Länderspiel-Verletzungen sind Testländerspiel-Verletzungen; und am allerschlimmsten sind Verletzungen aus Testländerspielen gegen den FC Tegernsee - eine Hoeneß-Chiffre für Nationalteams von Weltranglistenplatz zehn abwärts. Snejider verletzte sich gegen Japan, den 40. der Weltrangliste.
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Wünscht sich Solidarität unter den Klubs: Uli Hoeneß. (© Foto: ddp)
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Snejider kuriert die Verletzung nun im Dienste Inter Mailands aus, Hoeneß dagegen hat all seine Robbens, Ribérys und Lahms gesund zurückbekommen. Auf dieses Detail wollte er am Samstag aber keine Rücksicht nehmen, er nahm stellvertretend übel. "Wenn ich in der Hamburger Situation wäre, würde ich gegen die Wand springen", zürnte Hoeneß. Den HSV-Profis Guerrero und Benjamin waren im Heimatdienst die Kreuzbänder gerissen, wobei Benjamins Blessur laut Hoeneß' Definition den Super-GAU darstellt. Er erlitt sie im Testspiel - "gegen Swasiland!" Swasiland liegt in der Weltrangliste auf Rang 156, kurz vor dem FC Tegernsee.
Es ist keine neue Debatte, die Hoeneß entfacht, man kann sich darauf verlassen, dass sie in jeder Länderspielpause wiederkehrt. "Diese Länderspiele gegen Aserbaidschan und Südafrika, das ist langsam Kokolores", polterte er und fügte spitz an, der FC Tegernsee sei "nicht viel schlechter als Aserbaidschan". Gegen Aserbaidschan, sagte er zu Journalisten, "da schießen Sie auch ein Tor". Die Klubs müssten sich "alle miteinander dagegen wehren, dass die Bundesliga zum 98. Mal unterbrochen wird wegen dieser Länderspiele. Da muss sich was ändern, sonst geht die Bundesliga kaputt." Die Klubs hätten wieder "den Dreck auszubaden".
Poltern mit Kalkül
Uli Hoeneß sitzt ja auf der Tribüne neuerdings, und man kann schon verstehen, dass einen dort oben noch mehr die Ohnmacht packt als drunten am Rasenrand. Hoeneß hat etwa 75 Millionen für neue Spieler ausgegeben; im Preis inbegriffen waren allerlei fußballerische Extras, aber eben auch verletzliche Kreuzbänder. So müssen Manager ständig eine umfassende Kapitalvernichtung befürchten, was den Managern schon deshalb nicht gefällt, weil es sich um ein einseitiges Risiko handelt. "Wenn sich die Klubs endlich mal solidarisieren können, dann müssen sie den Verbänden mal die Stirn zeigen und ihnen sagen, was das Wichtigste ist: der Vereins-Fußball. Der bezahlt die ganze Sache", schimpfte Hoeneß.
Im Grunde geht es in dieser folkloristisch klingenden Debatte um nichts weniger als um alles - nämlich wieder mal um die Frage, wer künftig die Macht im Fußball für sich reklamieren darf: die Verbände oder die großen Klubs. Die spannende Frage ist demnach, wieviel Bauchgefühl hinter Hoeneß' Gepolter steckt und wieviel Kalkül. Im Januar 2008 haben die Klubs den Verbänden ja schon umfassende Zugeständnisse abgerungen; so wurde verabredet, dass Uefa und Fifa als Ausgleich für die Abstellung von Nationalspielern üppige Summen an die Klubs ausschütten.
Die Uefa zahlt für die EM-Turniere 2008/2012 etwa 100 Millionen Euro, die Fifa für 2010/2014 etwa 110 Millionen. Sollten Europas Topklubs Hoeneß' Attacke zur neuerlichen Verschärfung der Debatte nutzen, so hätten sie neben der üblichen Forderung nach einer WM-Vorqualifikation eine weitere Waffe parat, welche die Fifa fürchtet: Vor Jahren haben die Klubs schon prüfen lassen, auf welcher Rechtsgrundlage die Fifa operiert, wenn sie die Klubs verpflichtet, ihre Profis für Turniere abzustellen. Sollten die Großklubs diesen Abstellungs-Passus erneut ins Visier nehmen, könnte es für die Fifa wieder teuer werden.
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(SZ vom 14.09.2009/dop)
Der Flügelflitzer
menschen, die sich in ihrem job ständig am leistungslimit bewegen müssen, neigen dazu, ausschließlich ihre belange zu sehen und nicht mehr die interessen anderer
vielleicht lägen die dinge beim fcb besser, wenn er einen manager hätte, der etwas gelassener und vor allem souveräner - auch in der öffentlichkeit - agieren sich nicht ständig am limit seiner nervlichen belastung bewegen würde
Nachdem hier ausreichend dargelegt wurde, welchen Sinn die Nationalmannschaften haben, welchen Profit Nationalspieler einem Verein bringen, und dass keineswegs die Länderspiele zahlenmäßig "inflationär zugenommen" haben, sondern die CL/EL-Spiele,
bleibt noch die Frage: Was hat sich Herr Hoeneß dabei gedacht ?
Alle Entscheider wissen, dass seine Worte nicht zutreffen, er selber weiss es auch, und die Fans werden wohl kaum eine Abschaffung der Nationalmannschaften fordern ... wozu also der Ausbruch ? Prolog einer Forderung nach mehr Geld für die Abstellung von Profis ?
Und was würde ein Ribery machen, wenn der Verein ihn (vorbehaltlich der rechlichen Klärung) daran hinderte, für sein Land aufzulaufen ? Ich verstehe das mal wieder nicht.
dww
verletzt sich ein spieler bei einem amateurklub im dfb-pokal, würde hoeneß am liebsten diesen wettbewerb abschaffen oder modifizieren
verletzt sich ein nationalspieler in einem freundschaftsspiel gegen einen unbedeutenden gegner, argumentiert er gegen diese spiele an sich
wird einer seiner spieler gegen einen überharten unterdurchschnittlichen bundesligaspieler gefoult, würde er diesen am liebsten gesondert bestraft sehen
doch wie argumentiert er, wenn sich einer seiner spieler in den wohl von ihm arrangierten benefizspielen des fcb verletzt oder bei den gelegentlichen abstechern nach fernost?
hoeneß ist ein opprtunist wie er im buche steht, viele seiner argumentationen sind folge einer für den fcb unpassenden situation und folge seines streng materialistischen denkens
man glaubt kaum, daß er mal selbst einmal fußballspieler war und überdies seine größten erfolge im dress der nationalmannschaft hatte... scheuklappen ohne ende und nur den fcb im blick, wer will ihm da folgen?
dabei ist sein argument durchaus berechtigt, nämlich daß der club die spieler bezahlt und natürlich daran interessiert sein muß, daß sie ihm vollständig zur verfügung stehen
mit derart einseitigen und polemischen auffassungen erweist er sich letztlich selbst keinen dienst, weil sie immer häufiger nur als "heiße luft" wahrgenommen werden
ein alternativer spielmodus mit gruppen à 4 teams würde derzeit bedeuten, daß es 12 oder 13 gruppen gäbe, in denen ein team der ersten kategorie gesetzt ist (also england, spanien, niederlande etc.), dazu ein team der zweiten kategorie wie schweiz, dänemark, norwegen etc., der dritten wie albanien, wales etc. und schließlich ein fußballzwerg... ich denke, das wäre spannend genug, wenn denn nur der erste sich qualifizieren würde
Viele Gruppen à vier Mannschaften wäre sicherlich auch eine Möglichkeit. Dann wär's für uns Fußballfans nicht nur erträglich, sondern auch interessant, wenn eines dieser Teams ein sogenannter Fußballzwerg ist. Aber - unabhängig mal von sportpolitischen Interessen und Managersichtweisen: gleich drei bis vier Fußballzwerge in einer Gruppe: DEN Fußballfan möcht' ich sehen, den das vom Hocker reißt. Zusätzlich werden dann noch - wiederum aus sportpolitischen Erwägungen - Freundschaftsspiele gegen Kleine vereinbart, anstatt - wenn schon Freundschaftsspiele - öfter mal gegen England, Spanien oder Brasilien zu spielen.
----"...das geschrei im deutschen lager möchte ich hören, wenn man gezwungen wäre, sich in einer gruppe z.b. mit england, kroatien und türkei durchzusetzen..."----
Würde mir gefallen. Denn dann wäre richtige WM -Stimmung schon während der laufenden Saison zu spüren. Wie einst 1972, als Deutschland mitten im Ligabetrieb zum EM- Viertelfinalhinspiel in Wembley ran musste. Ich könnte mich auf packende und spannende Spiele freuen anstatt zu jammern: Nein, nicht schon wieder eine Länderspielpause. Und: Am Ende gewinnen sowieso die Deutschen ;-)
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