Urteil gegen Hoeneß Der Schaden, den Hoeneß hat, macht nicht froh

Gewiss: Auch Geldstrafe ist Strafe. Das Gericht hätte - theoretisch - eine Haftstrafe auf Bewährung mit der Zahlung von viel, von sehr viel Geld kombinieren können, mit einer hohen Millionensumme also. Eine Demonstration der Unverbrüchlichkeit der Rechtsordnung wäre das nicht gewesen. Im Gegenteil. Es hätte geheißen: Da darf sich ein Millionär freikaufen. Es wäre, in Abwandlung eines alten Spruchs, gesagt worden: "Wenn das Geld im Kasten klingt, der Hoeneß aus der Zelle springt." Das wäre nicht eine Verteidigung der Rechtsordnung, sondern deren Infragestellung gewesen. Ohne Verteidigung funktioniert eine Fußballmannschaft nicht. Der Rechtsstaat auch nicht.

Der Schaden, den Hoeneß hat, macht einen nicht froh. Vom Thron des Fußball-Präsidenten ins Gefängnis - das ist ein Höllensturz. Nicht das Recht hat ihm das angetan, vielmehr Hoeneß sich selbst. Das macht beklommen, weil es zeigt, wie dünn das Eis des Alltags sein kann.

Alles, was für Hoeneß spricht, aber das Strafmaß nicht weiter mildern konnte, all das kann im Rahmen des Strafvollzugs berücksichtigt werden: Bei außergewöhnlichen Umständen kann die Haft schon bei Halbzeit, also nach 21 Monaten, zur Bewährung ausgesetzt werden. Und in den offenen Vollzug könnte der Häftling Hoeneß schon alsbald verlegt werden. Offener Vollzug heißt nicht unbedingt, dass einer beliebig aus und ein gehen darf; er kann sich aber innerhalb der Anstalt frei bewegen.

Aus und ein gehen kann er als "Freigänger". Der Freigang ist eine ganz besondere Form des gelockerten Vollzugs: Da kann der Häftling auch ohne Aufsicht tagsüber einer "Außenbeschäftigung" nachgehen - "wenn nicht zu befürchten ist, dass der Gefangene sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Lockerungen des Vollzugs zu Straftaten missbrauchen" werde, sagt das Gesetz. Besondere Fristen, etwa zum Eingewöhnen oder zum Kennenlernen anderer Gefangener, sind nicht vorgeschrieben.

"Freigänger", so sagt es der von Johannes Feest herausgegebene Kommentar zum Strafvollzugsgesetz, kann ein Häftling "vom ersten Tag an" sein. Nur zum Schlafen muss er ins Gefängnis. Das bedeutet: Hoeneß könnte theoretisch vom ersten Hafttag an seinen Geschäften beim FC Bayern nachgehen - welche immer das auch sein werden. Wenn Bayern das so praktiziert wie andere Bundesländer auch.