Urteil gegen Hoeneß Strafe muss sein

Zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt: Uli Hoeneß

(Foto: dpa)

Maßvoll hart, aber gerecht: Das Urteil von drei Jahren und sechs Monaten demonstriert, dass das Verbot der Steuerhinterziehung wirklich für jeden gilt - und dass niemand davonkommt, so prominent er auch sein mag.

Von Heribert Prantl

Es gibt schon eine Komödie und einen Roman dieses Titels. Nun gibt es auch noch ein Trauerspiel, das "Der Spieler" heißt. Es wurde soeben im Gerichtssaal aufgeführt. Es folgte den Regeln des Strafgesetzbuchs, der Strafprozessordnung und der Abgabenordnung. Traurig war und ist es deswegen, weil es den selbst verschuldeten Nieder- und Untergang eines Fußballhelden zeigt, der zu lange geglaubt hatte, die Regeln des Strafgesetzbuchs, der Strafprozess- und der Abgabenordnung seien nicht für ihn gemacht. Die Summen, mit denen der Spieler Hoeneß spielte, waren so abenteuerlich hoch, dass er sein Spiel für ein realitätsfernes Abenteuer gehalten haben mag.

Der Schuldspruch holt ihn nun in eine vergitterte Realität. Das Urteil ist maßvoll hart, aber gerecht. Es wäre ungerecht gewesen, Uli Hoeneß aus Respekt vor seiner sonstigen Lebensleistung oder aus Mitleid, Gnade und Barmherzigkeit nur "auf Bewährung" zu verurteilen und ihm so die Schmach der Haft zu ersparen. Schmach ist eine Haftstrafe auch für andere, die nicht so prominent sind.

Hoeneß-Prozess Urteil, Schweigen, Flucht

Drei Jahre, sechs Monate. Still und gefasst nimmt Uli Hoeneß das Urteil gegen sich auf. Richter Heindl sagt, er habe beim Strafmaß zu Hoeneß' Gunsten geurteilt. Ins Gefängnis muss er zwar noch nicht, etwas in ihm gebrochen hat das Verfahren doch.

Hoeneß ist ein braver Mann. Die Kriminalität der Braven ist ein besonderes Kapitel im Strafrecht. Die Kriminalität der Braven handelt meist nicht von Gewalt, nicht von Körperverletzung, nicht von Totschlag und Vergewaltigung. Sie handelt oft von Korruption, Untreue oder, wie bei Hoeneß, von Steuerhinterziehung. Es geht hier um Rechtsgüter, die nicht auf Einzelinteressen, sondern auf gesellschaftlichen Interessen beruhen. Wer sich selbst für "die Gesellschaft" hält, ist daher geneigt, diese Straftaten nicht ernst zu nehmen.

Aber auch die Gesellschaft selbst neigt bisweilen dazu, bei den Straftaten gegen das Gemeinwohl Entschuldigungen zu akzeptieren, die man bei Gewalttätern niemals akzeptieren würde: Was würde man von einem Körperverletzer halten, der darauf hinweist, dass er ein Tierfreund ist und immer die Katze streichelt? Was würde man von einem Einbrecher halten, der sich damit hervortut, dass er jeden Monat eine Fünfzig-Euro-Spende an Amnesty International überweist? Schön und gut, würde man sagen - das ändert aber nichts an der Körperverletzung, das ändert nichts daran, dass der Einbruchsdiebstahl als solcher zu bestrafen ist. Damit zu Uli Hoeneß: Er war und ist ein großzügiger Mann; er hat viel Geld gespendet; er kann auf eine imposante Lebensleistung verweisen. Das ändert nichts daran, dass er - mindestens - 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Das ist die Schuld, um die es geht.

Die Schuld des Täters ist die Grundlage der Strafzumessung. Was ist Schuld? Wie stellt man sie fest? Wie und in welche Strafe verwandelt sie sich? Das sind rechtsphilosophische Fundamentalfragen. Ein Richter muss aber im Strafurteil keine philosophischen Abhandlungen schreiben. Er muss die Strafgesetze anwenden; diese versuchen, die rechtsphilosophischen Fundamentalfragen in den praktikablen Alltag zu übersetzen.