Hoeneß-Anwalt Werner Leitner Faible für spektakuläre Aufgaben

Werner Leitner ist Anhänger des FCB. In diesen Wochen setzt der Klub auf ihn wie nie zuvor: Mit Uli Hoeneß steht der Advokat vor seinem bewegendsten und wohl auch schwierigsten Fall. Der Niederbayer gilt als herausragender Jurist, arbeitet akribisch und ist erfahren in Diplomatie.

Von Christopher Keil

In der Kanzlei des Münchner Anwalts Werner Leitner sind die üblichen Gesetzestexte und gebundenen Kommentare aufgereiht, doch vor allem ein Stehpult zieht die Blicke der Besucher an. Obenauf liegt eine Chronik des FC Bayern München. Auch Deutschlands erfolgreichster Fußball-Verein zählt seit 2004 zu den Klienten des Advokaten. Zum Champions-League-Halbfinale reiste er vergangene Woche wie selbstverständlich mit nach Barcelona. Leitner ist Anhänger des FCB. In diesen Wochen setzt der Klub auf ihn wie nie zuvor.

Seit März ist Leitner, 53, der wichtigste Transfer im Leben des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Der hatte dem Finanzamt hinterzogene Steuern in Höhe von 3,2 Millionen Euro gemeldet und kämpft nun darum, dass seine Selbstanzeige anerkannt wird. Sollte die Staatsanwaltschaft Hoeneß, 61, aber wegen Steuerhinterziehung anklagen, hätte er in Leitner einen erfahrenen Profi an seiner Seite. Der promovierte Wirtschaftsstrafrechtler sorgte bereits dafür, dass ein Haftbefehl gegen Hoeneß durch Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt wurde.

FC Bayern München Aufsichtsrat stützt Uli Hoeneß

Nie zuvor hat eine Aufsichtsratssitzung der FC Bayern München AG einen solchen Rummel ausgelöst. Das Ergebnis war so nicht erwartet worden: Einvernehmlich lehnt das Gremium das Angebot seines Vorsitzenden Uli Hoeneß ab, das Amt ruhen zu lassen - trotz der Steueraffäre. Die sportlichen Ziele sollen nicht gefährdet werden.

Unter Strafverteidigern gibt es so viele unterschiedliche Typen wie auf dem Fußballplatz auch. Die einen gehen in die Offensive, andere bleiben defensiv. So hat jeder seine Taktik, die außer von der Sache selbst auch vom Gerichtsstandort und dem persönlichen Netzwerk bestimmt wird. Leitner, aus dem niederbayerischen Pfarrkirchen stammend, hat in München den Ruf, ein herausragender Jurist zu sein. Er tritt ohne Eifer auf, arbeitet akribisch. Rechtspolitisch engagiert er sich als Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht des Deutschen Anwaltvereins, zudem unterrichtet er an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg. Im Umgang mit der Öffentlichkeit ist er erfahren, aber zurückhaltend. Er ist, wenn man so will, ein Vertreter der kontrollierten Offensive.

Nach dem Studium in München und Chicago war Leitner zunächst Attaché im Auswärtigen Amt (AA). Den diplomatischen Dienst beendete er, als sich 1989 die Gelegenheit bot, ins Team des damals bekanntesten deutschen Strafverteidigers, Rolf Bossi, einzutreten. Die Diskretion, die er im AA erlernte, hat Leitner in den Anwaltsberuf mitgenommen. Spektakuläre Aufgaben reizten und reizen ihn. Er vertrat Klaus Kuron, der im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz als Abteilungsleiter für Spionageabwehr zuständig war und gleichzeitig für die DDR spionierte.

Reaktionen auf Aufsichtsrat-Entscheidung "Uli Hoeneß gehört zum Verein"

Spieler und Funktionäre des FC Bayern begrüßen die Entscheidung des Aufsichtsrats, dass Uli Hoeneß im Amt bleiben soll. Kritik übt dagegen SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Und das ziemlich heftig.

Er verteidigte einen der Angeklagten im Münchner Plutoniumschmuggel-Prozess. Inzwischen hat er sich auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert und vertritt Finanzvorstände in der Bankenkrise. Jüngst hat ihn ein Richter am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, mit einem Mandat betraut, um sich als Nebenkläger in einem Strafverfahren vor dem Landgericht Passau vertreten zu lassen.

Jetzt also Hoeneß. Leitner steht vor seinem bislang bewegendsten und wohl auch schwierigsten Fall.