Von Javier Cáceres

Bei Real Madrid dampft die Gerüchteküche: Nur die Verpflichtung des Dortmunders Metzelder scheint festzustehen

Zuletzt hatte Fabio Capello, Real Madrids in Not geratener Trainer, beeindruckend gute Laune vorgeschützt, und auch am Samstag, nach der Niederlage seiner Mannschaft bei Racing Santander, lag ein Lächeln auf seinen Lippen: Es war jedoch ein Lächeln von hysterischer Natur.

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Resolut war der Italiener nach der 1:2-Niederlage auf Schiedsrichter Turienzo zugestoben; nicht nur, dass der Referee gleich zwei Strafstöße verhängt hatte, die Santanders Verteidiger Garay nach dem Führungstreffer von Raúl zum 2:1-Sieg verwandelte: Beide Elfmeter waren umstritten, der zweite wurde in der vorletzten Minute dekretiert, und in letzter Minute folgte noch die zweite rote Karte gegen die Madrilenen, nach Helguera musste auch Mejía vorzeitig vom Platz. "Lautstarke Proteste'' Capellos notierte Turienzo im Spielbericht, in der Pressekonferenz hatte der Italiener seine Fassung wiedererlangt. "Hier passieren seltsame Dinge'', sagte er, nicht mehr, nicht weniger.

Das Erstaunliche daran war, dass Capello die Fähigkeit zur Verwunderung noch nicht abhanden gekommen ist. Seit Monaten schon treibt er in einem tosenden Maremagnum aus Gerüchten und Kritik an dem in der Tat unerträglichen Spiel seiner hochkarätig besetzten Elf.

Nominell läuft der Vertrag des Italieners bis 2009, aber dass er ihn erfüllt, gilt als ausgeschlossen. Der Titel ist zwar noch drin, aber ebenso die Möglichkeit, dass es doch nur der Uefa-Cup wird. Daher auch Capellos neuester Humor: Galgenhumor.

"Was fragt Ihr mich?'', fragte Capello zurück, als er die wichtigste strategische Branchennachricht der Woche bewerten sollte, die Vertragsverlängerung von Cristiano Ronaldo bei ManU; auch Real war ja, zwecks Aufbau der Neogalaxie, am portugiesischen Stürmer interessiert. "Ich bin doch im kommenden Jahr nicht mehr Trainer! Ihr habt mich doch längst entlassen! Das geht mich doch nichts an!''

Zu den wenigen Dingen, die an diesem gerüchtereichen Wochenende fast den Aggregatzustand eines Faktes erlangten, zählte die sich abzeichnende Verpflichtung des Dortmunder Verteidigers Christoph Metzelder. Dieser sagte der Westfälischen Rundschau, er werde wohl nach Madrid wechseln, um damit in die Fußstapfen von Netzer, Breitner, Stielike, Schuster und zuletzt Illgner zu treten. "Es läuft wohl darauf hinaus'', sagte Metzelder, "jetzt kann ich allmählich beginnen, Spanisch zu lernen.''

Gleichzeitig ließ der Nationalverteidiger durchblicken, dass Bernd Schuster wohl doch nicht Trainer bei Real werde. Woher er das weiß, sagte er zwar nicht - aber immerhin hatte er damit das nächste Thema angeschnitten, das Madrid zurzeit beschäftigt: Wer wird Nachfolger von Capello, der sich selbst ja im Grunde als entlassen betrachtet?

Bernd Schuster trainiert zurzeit in Getafe, einem stolzen Vorort der Hauptstadt, und er bewies am Wochenende ebenfalls einen Hang zur Ironie, als er im Pressesaal mit einem Stoß weißer Blätter im DIN-A-4-Format wedelte: "Mein Vorvertrag'', witzelte er.

Das war eine Anspielung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa, die unter Berufung auf Präsidiumskreise von Real Madrid versicherte, Schuster habe einen Vorvertrag unterzeichnet. Inhalt: Entweder Schuster ist ab Juli Trainer bei Real, oder er streicht eine Entschädigung in Höhe von einer Million Euro ein. "Unsinn'', zischte Schuster.

Jedoch: Dass Schuster und Real schon vor geraumer Zeit eine Übereinkunft über eine - wohlgemerkt: mögliche - Zusammenarbeit erzielten, bezweifelt in Madrid niemand. Und dass Schuster seine Seele gegen eine etwaige neue Enttäuschung mit Geld hat panzern wollen, wäre zumindest nachvollziehbar. Er hat ja schon einmal erlebt, wie rasch in Madrid Vereinbarungen in sich zusammenfallen.

Vor einem Jahr hatte er bereits das "sí'' von Reals Präsident Ramón Calderón, dann zauberte Manager Mijatovic aber Capello hervor - dass dies eine Desillusion am Rande der Regresspflicht gewesen sein muss, gestand Schuster in einem Radiointerview offen ein. "Im Sommer habe ich daheim Real-Trainer gespielt'', sagte er.

Was er wohl diesen Sommer spielen wird? Eine gute Frage, zumal ein weiterer namhafter Konkurrent aufgetaucht ist: José Mourinho, der aber auch als englischer Nationalcoach gehandelt wird. "José wird die Schlacht gewinnen'', sagte Schuster mysteriös zum Kampf um den Trainerposten bei Real, ebenfalls ohne Angabe von Gründen oder Nennung von Quellen.

Abstrus ist diese Vorstellung aber nicht, denn sollte Real die Champions League verpassen, wird Präsident Calderón nach den gescheiterten Verpflichtungen von Kakà und Cristiano Ronaldo schon eines Effektschlages bedürfen, der über die Verpflichtung des zwar verehrten, aber als Trainer noch titellosen Schuster hinausgeht. Was dann wiederum aus Schuster würde? Noch ist auch er in Getafe mit einem Vertrag ausgestattet. Dem jüngsten Gerücht zufolge könnte er aber auch Trainer in Valencia werden.

(SZ vom 16.04.2007)

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