Hertha festigt Platz 3 Ein halbes Schwein nach dem Sechs-Punkte-Spiel

Der Sieg gegen einen direkten Konkurrenten lässt Berlin weiter von der Champions League träumen. Der Trainer feiert das mit seiner Familie.

Von Javier Cáceres, Berlin

Der Ungar Pal Dardai hat seine eigene Art, Debatten zu beenden, auf die er keine Lust hat. Und der Trainer von Hertha BSC weiß dabei durchaus zu variieren. Er kann sehr direkt werden, nahezu laut. Manchmal aber wählt er einen fast schon schwejk'schem Humor. So auch am Freitagabend nach dem 2:0 (1:0) gegen den FC Schalke 04. Denn natürlich hatte Dardai kommen sehen, dass die Frage nach einer offiziellen Revision der Saisonziele kommen würde. Und er sagte, dass er wisse, was sein unmittelbares Ziel sei, es sei kulinarischer Natur: "Mein Papa und mein Onkel sind hier, sie haben aus Ungarn ein halbes Schwein im Auto und Rotwein mitgebracht. Ich will jetzt erst mal den Abend genießen", erklärte Dardai verschmitzt - und war die Fragen über europäische Ambitionen wieder los.

Dabei hegt er selbst natürlich auch schon kontinentale Ambitionen, die Hertha kämpft ja viel zu lange und viel zu erfolgreich darum, dort zu bleiben, wo sie auch nach dem Ende des 26. Spieltags stehen wird, egal was die Konkurrenz am Wochenende noch fabriziert. Das Duell zwischen dem Dritten und dem bisherigen Vierten war gewissermaßen das Spiel um Platz 3, ein Sechs-Punkte-Spiel, und nach dem Sieg ist der Hertha bei 45 Punkten der dritte Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, am zweiten März-Wochenende des Jahres 2016 nicht zu nehmen.

Ii ihrem vielleicht besten Spiel der Saison gegen einen Gegner aus dem oberen Tabellendrittel holten die Berliner den ersten Sieg nach 14 erfolglosen Versuchen gegen Schalke. Dieser Triumph war, wie auch Gästetrainer André Breitenreiter konzedierte, vollauf verdient. Er hätte sogar höher ausfallen können. Dass es bei den Toren von Vedad Ibisevic (42. Minute) und Niklas Stark (65.) blieb, war den Berlinern letztlich herzlich egal. Ebenso, dass die Schalker ein Spiel auf Augenhöhe gesehen haben wollten.

Auf und davon ist der Berliner Niklas Stark (l.) nach seinem Tor zum 2:0-Sieg gegen Schalke.

(Foto: Jan Huebner/Getty Images)

Die Statistik spricht für Schalke, die Effizienz für die Hertha

Wobei: Das mit der Augenhöhe stimmte in gewisser Weise sogar. Die Spielstatistik, die Schalkes Coach Breitenreiter nach der Partie in Presseraum des Olympiastadions studierte, wies sogar eine höhere Ballbesitzquote für die Schalker aus (45:55 Prozent), sie spielten mehr Pässe (421:511) und hatten nur eine geringfügig niedrigere Laufleistung (122:120 Kilometer). Nur: die größere Effektivität hatten die Berliner bewiesen. Und die war nicht nur auf die Tore beschränkt. Sondern vor allem darauf, dass die Berliner im Mittelfeld, obschon sie von der Grundordnung her zahlenmäßig unterlegen waren, weit überlegter die Räume besetzten.

Sie fanden so den Schlüssel zu einer Partie, in der sie eigentlich nur beim Kopfball von Mittelstürmer Klaas-Jan Huntelaar (21.) Angst haben mussten. Den parierte Herthas Torwart Rune Jarstein jedoch prächtig. "Wir haben guten Fußball gespielt, gut kombiniert, zwei schöne Tore geschossen. Das war eine der besten Saisonleistungen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Das musste man nach Herthas enttäuschendem Auftritt beim 0:2 vom vorangegangenen Wochenende beim Hamburger SV so nicht unbedingt erwarten.

Vor allem Tolga Cigerci stach dabei hervor, er rückte für den defensiveren Mannschaftskapitän Fabian Lustenberger ins Team und sorgte unter anderem dafür, dass Hertha aus der zweiten Reihe weit gefährlicher wirkte als in früheren Spielen. Bei einem direkten Freistoß aus 20 Metern traf er nur das Außennetz, einen Volley aus 20 Metern parierte Schalkes guter Torwart Ralf Fährmann, in der 69. Minute traf er mit einem fulminanten Schuss die Latte.

Schema & Statistik

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Stark feiert seinen ersten Treffer "vor der richtigen Kurve - geil!"

Cigerci war freilich nicht der einzige, der mit höchstem Aufwand aufwartete. Es galt dies wie gewohnt für seine Mittelfeldkollegen Per Skjelbred und Vladimir Darida, aber auch wieder für Stürmer Solomon Kalou, der seinerseits der Ausgangspunkt für das 1:0 war. Seinen präzisen Pass in die Spitze spitzelte Genki Haraguchi im Strafraum zu Ibisevic, der flach und kompromisslos einschoss. Der Bosnier hat nun acht Saisontreffer. Das 2:0 resultierte aus einer Ecke, die Vladmir Darida auf den Kopf von Niklas Stark zirkelte, der frühere Nürnberger erzielte damit in seinem 37. Bundesligaspiel seinen ersten Treffer. "Ein wichtiges Tor und dann noch vor der richtigen Kurve - geil!", sagte Stark mit Blick auf die Tribüne im Osten des Berliner Olympiastadions.

Dort, wo die treuesten Hertha-Fans stehen, wird noch viel intensiver von Europa geträumt als in der Mannschaft selbst, und dass dies trotz der abwiegelnden Bemerkungen der Hertha- Verantwortlichen (Dardai: "Wir träumen nicht, wir arbeiten") längst der Fall ist, verriet Haraguchi. "Der Co-Trainer hat vor dem Spiel gesagt, wenn wir gewinnen, können wir die Champions League erreichen. Das hat uns sehr motiviert." Dass Herthas Trainer Dardai der Mannschaft zur Belohnung erst einmal das Wochenende frei gab, hatte angesichts des überzeugenden Auftritts nachvollziehbare, vielleicht aber auch eigennützige Gründe: So ein halbes Schwein will ja auch erst mal verdaut sein.