Heribert Bruchhagen im Interview "Kein Manager in der Bundesliga ist überarbeitet"

"1992 lagen 45 Prozent zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt, heute sind es 550 Prozent": Heribert Bruchhagen, seit Dezember 2003 Vorstandschef der Eintracht

(Foto: dpa)

Heribert Bruchhagen hatte im deutschen Fußball schon jede Funktion, im Sommer geht der Eintracht-Chef in Rente. Im Interview spricht er über seinen größten Fehler und den Mythos des gestressten Managers.

Von Philipp Selldorf

Heribert Bruchhagen redet gerne über Bier. Nicht über Weißbier, Dunkles oder Pils, sondern über das Bier, das man früher als Fußballspieler noch nach dem Training trinken konnte, ohne das es irgendjemanden gestört hätte. "Ich käme nicht auf die Idee, dass wir damals besser waren. Der Fußball ist ja viel besser geworden, und für die Spieler heute ist es in jeder Hinsicht viel schwerer - außer, wenn es ums Geldverdienen geht", sagt Bruchhagen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe).

Bruchhagen hat im deutschen Fußball eigentlich schon alles mitgemacht. Er war Spieler, Trainer, Funktionär. Nun hört der 67-Jährige im Sommer auf. Im Interview blickt er zurück, sagt, was früher besser und was früher einfach nur anders war. Und was passierte, als sein Spieler Ansgar Brinkmann in Gütersloh eines Nachts tanzend über geparkte Autos sprang.

"Uns wird das Image der Gestressten angedichtet"

Über den Job des Bundesliga-Managers sagt er: "Kein Manager in der Bundesliga ist überarbeitet. Es ist nichts Akademisches, man ist kein Jurist oder Architekt, es ist wie - Journalist. Bloß dass uns das Image der Gestressten angedichtet wird." Seit zwölf Jahren ist er bei Eintracht Frankfurt Vorstandvorsitzender, seinen Abgang im Sommer bezeichnet er trotzdem nicht als Zäsur. Seine berühmte These, wonach die Bundesliga-Tabelle zementiert sei und sich nach den Spieleretats richte, hat ihn berühmt gemacht. Seine Kritiker warfen ihm immer wieder Visionslosigkeit vor, er habe nichts riskiert, keine Investitionen getätigt. "Das kann man alles machen - aber ich habe es nicht gemacht. Und ich bin meistens gut damit gefahren", sagt er dazu.

Die Differenz zwischen Traditions- und Konzernklubs sieht der 67-Jährige kritisch. "Demnächst kommt wahrscheinlich auch noch RB Leipzig nach oben, dann werden die meisten Traditionsklubs der Liga sich auf Jahre hinaus auf Platz sieben bis 17 drängeln." Auch der immer größer werdende Abstand von Bayern München zum Rest der Liga sei zu groß. "Dass heutzutage der Wettbewerb gefährdet ist, das ist ja offensichtlich." Er habe mal prognostiziert, dass Bayern in zehn Jahren achtmal Meister würde - am Ende wurden sie es siebenmal.

Bruchhagen zieht Bilanz seiner Zeit, spricht über seinen größten Fehler, seinen schönsten Moment und warum er sich nicht für das Amt des DFB-Präsidenten beworben hat.

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