Henrikh Mkhitaryan zum BVB Der verwegenste Transfer

Drei Oligarchen, ein rabiater Berater und eine Mutter mit Einfluss: Um den Armenier Henrikh Mkhitaryan für etwa 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund zu holen, müssen die Vertreter des Vereins mit zwielichtigen Figuren verhandeln. Für den Spieler könnte der Wechsel ein Akt der Befreiung sein.

Von Freddie Röckenhaus

Als am Freitagabend um Viertel nach zehn Borussia Dortmunds Manager Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc am Flughafen in Paderborn landeten, war in der Heimat bereits Vollzug gemeldet: Dortmunds Chefs, so waren sich mehrere Zeitungen und die Nachrichtenagentur dpa einig, hätten von ihrem spontanen Trip nach Donezk/Ukraine eine Vereinbarung mitgebracht: Henrikh Mkhitaryan, umworbener armenischer Mittelfeld- Regisseur von Schachtjor Donezk, wechsle für 25 Millionen Euro Ablösesumme zum BVB. Seither aber schweigen Watzke und Zorc, denn bei einem der verwegensten Transfers der Bundesliga-Geschichte spielen mindestens drei milliardenschwere Oligarchen mit, zudem der nach herrschender Meinung rabiateste Spielerberater der Welt - und die Mutter des Spielers.

Immerhin soll die nackte Meldung stimmen, Watzke und Zorc hätten sich mit Donezk auf eine Transfersumme von 25 Millionen Euro geeinigt. Schachtjor-Geschäftsführer Sergej Palkin soll allerdings schon am Samstag einem russischen Onlinedienst gesagt haben, es sei noch nichts vereinbart. Überraschend ist das nicht angesichts der letzten Tage vor dem Donezk-Trip der beiden Dortmunder.

Palkin, der die Geschäfte für den mächtigen Schachtjor-Eigentümer Rinat Achmetow führt, hatte in der vergangenen Woche merkwürdige Details ausgebreitet: Dortmund habe 23 Millionen Euro oder auch 30 Millionen US-Dollar geboten, Donezk fordere aber 30 Millionen - und zwar Euro. Allerdings, ließ Palkin kryptisch wissen, habe Mkhitaryan zwar keine reguläre Ausstiegsklausel aus seinem bis 2015 laufenden Kontrakt, er könne aber seinen "Vertrag einseitig brechen", gegen eine Konventionalstrafe in Höhe von 30 Millionen US-Dollar.

Wem das alles seltsam vorkommt, der muss ein paar Hintergründe mehr kennen. Schon Ende Juni hatte Ruben Hayrapetyan, Multi-Milliardär und Lenker eines Firmen-Imperiums, bis letztes Jahr Parlamentsabgeordneter und nebenbei Präsident des armenischen Fußballverbands, in einem Interview mit dem armenischen Dienst Armsport erklärt, dass die Transferrechte an Mkhitaryan nur zur Hälfte bei Schachtjor Donezk lägen, zu je einem Viertel jedoch bei dessen vorherigen Klubs, Metalurg Donezk und Pyunik Eriwan. Eigentümer des FC Pyunik ist: Hayrapetyan selbst. In Armenien ist Hayrapetyan im vorigen Jahr übrigens unter anderem dadurch in die Schlagzeilen gekommen, weil einer seiner Leibwächter einen bekannten Oppositionellen in einem öffentlichen Restaurant totgeschlagen hat und deshalb demnächst vor Gericht steht.

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Im Hintergrund hatte sich in Armenien das Gezerre um die lockenden Ablöse-Millionen aus dem sich anbahnenden Transfer Mkhitaryans schon länger aufgebaut. Der 24-Jährige hatte sich deshalb im Juni nach Wien abgesetzt und seinem Klub Schachtjor bereits angekündigt, dass er nicht mehr zurückkehren werde und in jedem Fall in den "Westen" wechseln werde. Offenbar hatten Schachtjor-Chef Rinat Achmetow (dessen Privatvermögen von Forbes auf 16,5 Milliarden Euro geschätzt wird), Metalurg-Chef Sergej Taruta (ebenfalls Eigentümer eines post-sowjetischen Industrie-Konglomerats) und der Armenier Hayrapetyan einen Wechsel zum ebenfalls Oligarchen-geführten russischen Klub Anschi Machatschkala bevorzugt. Anschi soll bereits im Mai 35 Millionen Euro für Mkhitaryan geboten haben.

Doch um sich den teils mafiaähnlichen Strukturen der ukrainischen, russischen und armenischen Klubs zu entziehen, soll sich Mkhitaryan - sozusagen als schärfste Waffe - im Mai 2013 die Dienste des schillernden italienischen Spielerberaters Mino Raiola gesichert haben. Wenn einem in der Beraterbranche nachgesagt wird, dass er mit allen Wassern gewaschen ist, dann ist das Raiola. Derzeit betreut Raiola, der in Holland aufwuchs und jetzt in Monte Carlo residiert, unter anderem Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli.