Hansi Flick im SZ-Interview Flick fordert von den Bundesliga-Trainern mehr Mut

Hoffenheims Geschäftsführer Hansi Flick.

(Foto: dpa)

Wie hoch ist das Niveau der Bundesliga? Hoffenheims Geschäftsführer Hansi Flick rät den Trainern im Interview zu einer offensiveren Spielweise. Und er verrät, dass er Mehmet Scholl einst den Job als U-21-Trainer beim DFB anbot.

Von Christof Kneer

"Trainer, traut euch! Lasst mehr nach vorne spielen": Der ehemalige DFB-Sportdirektor und heutige Geschäftsführer der TSG Hoffenheim, Hansi Flick, hat sich in die Debatte um die Qualität des deutschen Fußballs eingeschaltet. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung nimmt Flick sowohl die aktuellen Bundesligatrainer als auch die Verantwortlichen in den Nachwuchsleistungszentren in die Pflicht.

"Mehr Mut" empfiehlt er den Ligatrainern und nennt als Beispiel den eigenen Klubtrainer Julian Nagelsmann, der die TSG Hoffenheim vor zwei Jahren mit offensivem Fußball vor dem Abstieg bewahrt hatte. Er habe in der Vorrunde leider "einige Spiele gesehen, in denen viel taktiert wurde, in denen Mannschaften nur hinten drin gestanden sind", sagt Flick, 52, der von 2006 bis 2014 als Assistent von Joachim Löw amtierte. Flick missfällt der aktuelle Ligatrend, wonach immer mehr Mannschaften "diese Dreierketten bauen, die in Wahrheit Fünferketten sind".

Julian Nagelsmann? "Wird mindestens bis 2019 bei uns bleiben"

Flick nimmt auch Stellung zur scharfen Kritik von Ex-Profi Mehmet Scholl, die vor Weihnachten für große Aufregung in der Branche gesorgt hatte. Über die Art und Weise der Kritik dürfe man "geteilter Meinung sein", sagt Flick, "aber was die sachliche Kritik an der Ausbildung betrifft, hat Mehmet in Teilen sicher Recht". Es müsse darum gehen, "dass Fußballer ausgebildet werden und keine Positionen". Damit verbindet Flick auch einen Appell an die Nachwuchsleistungszentren: "Dass man die Rohdiamanten und kleinen Genies bitte nicht in ein Schema presst. Denn das sind genau die Talente, die später mal mit ihrer Individualität die Spiele entscheiden werden".

Außerdem verrät Flick in dem Interview, dass er Mehmet Scholl einmal angeboten habe, die U21 des DFB zu trainieren - was dieser ablehnte. Und zur Zukunft von Trainer Julian Nagelsmann äußerst sich Flick in seiner Eigenschaft als höchster Hoffenheimer Sportfunktionär klar und deutlich: "Er hat einen Vertrag bei uns und wird mindestens bis 2019 bei uns bleiben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

"Trainer, traut euch!"

Der frühere DFB-Direktor, heute Sportchef in Hoffenheim, fordert die Liga zu mehr Mut auf - und appelliert an die Jugendausbilder, Genies nicht in ein Schema zu pressen. Interview von Christof Kneer mehr...