Hannover verliert auch mit Schaaf Neuer Trainer, alte Muster

Im ersten Spiel mit dem neuen Coach, der in Hugo Almeida eigens einen alten Weggefährten verpflichtet hat, unterliegt 96 dem SV Darmstadt 1:2 - und ist jetzt Letzter.

Von Filippo Cataldo, Hannover/München

Wenn ein Fußballspiel nur zehn, fünfzehn oder maximal 30 Minuten dauern würde, dann wäre die Ballade von Thomas Schaaf, Hugo Almeida und Hannover 96 als die romantischste Geschichte des 18. Bundesligaspieltages durchgegangen.

Keine zehn Minuten waren in der Partie gegen Darmstadt gespielt, als Hugo Almeida es für eine gute Idee hielt, ungefähr zehn Meter vor dem Tor einen auf ihn zufliegenden Ball mit seinem linken Fuß volley aufs Tor zu hämmern. Ein Schuss wie ein Peitschenhieb. Nicht unbedingt platziert, aber ungemein schmerzhaft für das Opfer. Hannover führte 1:0 und wirkte wie eine echte Schaaf-Mannschaft: spielfreudig, mutig, aktiv, im 4-4-2 mit Mittelfeldraute bedingungslos nach vorne spielend - und vorne traf Almeida.

Nachdem der ewige Bremer und Kurzzeit-Frankfurter Schaaf kurz vor dem Jahreswechsel die 96er auf Platz 17 übernahm, hatte er Almeida angerufen. Der Stürmer, Typ schneller, schussgewaltiger und schnauzbärtiger Sturm-Bulle, hatte von 2006 bis 2010 in Bremen Schaafs Idee vom schnellen und kompromisslosen Angriffsfußball aufgesogen und es dem Trainer mit 41 Toren in 117 Spielen gedankt.

Wo war eigentlich Ailton?

Die letzten 18 Monate verbrachte Almeida, der mittlerweile Vollbart zum Mini-Samurai-Zöpfchen trägt, vor allem auf den Bänken und Tribünen italienischer und russischer Stadien. Natürlich kam er gerne nach Hannover und zu seinem Lieblingstrainer, den er öffentlich beim Vornamen nennt. Bei seiner Vorstellung überraschte Almeida dann aber mit der Aussage, dass sein Fitnesszustand vielleicht bei "50 oder 60 Prozent" des Optimalen liegen würde.

Hier rettet Hannovers André Hoffmann vor der Linie, am Ende muss 96 sich trotzdem 1:2 gegen Darmstadt geschlagen geben.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty)

Doch von einem etwaigen Fitnessrückstand Almeidas war dann am Samstag im Stadion zunächst ebenso wenig zu sehen wie von der gewissen hasenfüßigen Art der Hannoveraner, die ihre Spiele über weite Strecken der Hinrunde geprägt hatte. Nach dem Führungstreffer erhöhte Hannover noch den Druck. Die Darmstädter, die von sich selbst behaupten, wie Straßenköter zu spielen, wussten nicht, wie ihnen geschah. Zu diesem Zeitpunkt hätte es wohl niemanden überrascht, wenn die alten Schlachtenfreunde Schaaf und Almeida nach 90 Minuten mit versonnenem Blick in der Abenddämmerung verschwunden wären - und irgendwo noch Ailton aufgetaucht und applaudiert hätte.

Ein paar Fragezeichen zu viel

"Wir haben sehr aktiv begonnen, sind in Führung gegangen und haben es insgesamt in der ersten Halbzeit ganz gut gemacht", analysierte Schaaf später. Wer spätestens jetzt ein "aber" erwartet, liegt richtig. Hannover 96 gab das Spiel aus unerfindlichen Gründen nach einer halben Stunde komplett aus der Hand. Die Darmstädter waren plötzlich so bissig, wie es Straßenköter sein sollten, vor allem die Ex-Hannoveraner Jan Rosenthal und Konstantin Rausch ließen ihre Gegner immer wieder ins Leere laufen, Rosenthal bereitete zudem beide Tore von Stürmer Sandro Wagner (31., 47.) vor.

Trifft, küsst, trifft noch mal: Darmstadts Sandro Wagner (links) bejubelt seinen Treffer zum 1:1 gegen Hannover 96 mit Marcel Heller.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Am Ende stand Schaaf im Stadion, schnäuzte sich ausgiebig die Nase und schüttelte dabei den Kopf. Seine neue Mannschaft ist nach dem verdienten und sogar glücklichen 1:2, der vierten Niederlage hintereinander für Hannover, auf Platz 18 zurückgefallen. "Wir sind in alte Muster zurückgefallen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns das Leben schwer gemacht. Wir dürfen den Gegner nicht so ins Spiel kommen lassen und müssen ihn mehr bedrängen", begann Schaaf in gewohnter Nüchternheit seine Analyse, die in der Selbstverständlichkeit mündete, dass seine Mannschaft nun schnellstmöglich Punkte sammeln müsse.

"Dass die Aufgabe einfach ist, das hat keiner gesagt", sagte Schaaf noch, ehe er fast philosophisch wurde: "Wir haben viele Situationen gut bewältigt, viele Fragen gut beantwortet. Aber manchmal war da auch ein Fragezeichen zu viel für uns", seine Spieler hätten nach dem Gegentreffer nach dem Motto agiert: "Mach' du mal, ich hab noch nicht die Traute." Ein Almeida allein reicht da auch nicht.

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