Von Christof Kneer

Hannovers Torhüter Robert Enke liebäugelt mit einem Wechsel - und muss feststellen, wie klein der Markt ist.

Bälle fangen kann er schon wieder. Robert Enke hat ein paarmal beherzt zugegriffen beim Trainingsauftakt von Hannover 96, und schon haben ein paar örtliche Berufschronisten verzückt von einem Enke in Topform berichtet. Wer Enke kennt, weiß aber, dass ihm Meldungen über tollkühne Paraden zurzeit gar nicht recht sind.

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Robert Enke könnte im Sommer Hannover verlassen. (© Foto: ddp)

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Sehnen, Bänder und Muskeln müssten "erst wieder auf den alten Stand gebracht werden, um die Hand voll belasten zu können", sagte Enke, als er drei Monate nach seinem Kahnbeinbruch vom Trainingsplatz schritt und den Berichterstattern in die Arme lief. Bälle zu fangen, sei die eine Sache, "die andere ist, im Training auch auf scharfe oder abgefälschte Schüsse reagieren zu können. Das wird noch ein bisschen dauern".

In Enkes Umfeld heißt es, der Torwart habe sich ziemlich gewundert über die Schlagzeilen, die zuletzt mit seinem Namen erschienen. Ein paar verstreute Äußerungen am Rande des Trainingsplatzes seien zu großen Interviews aufgepeppt worden, sagt Enkes Berater Jörg Neblung, was sich zusammen mit einem seitenfüllenden Interview im Kicker zu einer hübschen kleinen Medienoffensive verdichtete.

"Offen, was im Sommer passiert"

Neblung hat kein Problem damit, er weiß ja, dass es nicht karriereschädlich ist, mit tollkühnen Paraden im Gespräch zu sein, die vielleicht gar nicht so tollkühn waren. Aber eines wollen Enke und sein Umfeld unbedingt vermeiden: dass der Eindruck entsteht, hier würde ein Spieler bewusst ins Schaufenster gestellt, mit einem Schleifchen dran und dem kleinen Zusatzschild: Nationaltorwart zu haben! Hat zwar noch Vertrag, ist aber kein Problem! "Robert geht es zunächst darum, dass es mit Hannover wieder aufwärtsgeht", sagt Neblung.

Wer den ehrenwerten Sportsmann Enke kennt, der glaubt ihm das sogar. Dennoch geht die Branche davon aus, dass sie den Gruß aus Hannover richtig verstanden hat. Nämlich so: Hier ist ein 31-jähriger Torwart, der sich vor zwei Jahren überraschend bis 2010 an Hannover band und jetzt merkt, dass ein paar internationale Spiele für seine Karriere in der Nationalelf doch nicht so schlecht wären - zumal sich der Standort Hannover seit der Vertragsverlängerung nicht eben zum Vorteil entwickelt hat. "Fakt ist, dass es Anfragen gibt", sagte Enke dem Kicker, es sei "offen, was im Sommer passiert". Und Berater Neblung ergänzt, "dass Robert einen Wechsel im Sommer nicht ausschließt".

Dass Spieler Vereine verlassen möchten, denen sie sich längerfristig versprochen haben, ist heute nicht mehr sonderlich kurios, aber der Fall Enke bezieht seine Kuriosität aus einer sehr speziellen Konstellation. Die Konstellation ist die, dass ein in der Branche hochgeschätzter Torwart auf dem Markt ist und die Branche trotzdem nicht weiß, ob sie ein passendes Tor für ihn frei hat. Für seine DFB-Ambitionen braucht Enke einen international, am besten in der Champions League beschäftigten Klub, was den Markt extrem begrenzt.

Bayern? Hamburg? Premier League?

Hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach sich der FC Bayern mit der Option Enke befasst, was bei Bayern schon deshalb keiner bestätigen kann, weil sie vollständig damit ausgelastet sind, den aktuellen Torwart Michael Rensing starkzureden. Ein Insider weiß aber zu berichten, dass die Bayern vor einiger Zeit schon mal beim Leverkusener René Adler vorgefühlt haben - und abblitzten, weil Adler sich allenfalls für einen Wechsel nach England erwärmen könnte. "Wir verhandeln aktuell nicht mit Bayern", sagt Neblung, "aber ausschließen können wir zurzeit gar nichts."

Auch nicht einen Wechsel zum Hamburger SV, der als latent interessiert gilt, aber einen Torwart namens Frank Rost besitzt, der bis 2010 unter Vertrag steht (plus Anschlussvertrag im Marketing) und nicht unbedingt einer ist, der freiwillig ein Jahr früher in die Marketingabteilung wechselt. So könnte Enke am Ende sogar gezwungen sein, doch noch einmal das Land zu wechseln. "Robert ist nicht mit der Bundesliga verheiratet", sagt Jörg Neblung, "auch die englische Premier League ist eine interessante Liga für Torhüter."

"Viel Glück, Robert, Du musst jetzt endlich mal an Dich denken", so ähnlich lauten zurzeit viele Einträge in Enkes Internet-Gästebuch. Die Fans haben ihm die Freigabe schon erteilt, jetzt fehlt nur noch die von Hannover 96.

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(SZ vom 07.01.2009)