SZ: Und was ist mit den Fans?
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Kind: Die Fans machen die Stimmung, sind für die Emotionen im Fußball wichtig. Sie haben eine hohe Bindung an den Verein. Es sind eben keine Kunden. Deshalb haben wir sieben Jahre lang unsere Preise in der Nordkurve nicht erhöht, als Signal der Anerkennung. Aber für die wirtschaftlichen Entscheidungen sind sie eher sekundär. Da ist der Kunde, der bei uns eher auf der Ost-, West- und Südtribüne sitzt, wichtiger.
SZ: Was können Geldgeber denn außer Werbung erwarten von einem Investment in einen Bundesligaklub?
Kind: Beim Fußball kann der Renditegesichtspunkt nur eine untergeordnete Rolle spielen. Erst ab einem Etat von 80 Millionen könnte man über Verzinsung und Ausschüttung nachdenken.
SZ: DFL-Präsident Reinhard Rauball sagt, wenn man Investoren ins Boot hole, verlasse man die Solidargemeinschaft.
Kind: Es gibt doch schon zwei Ausnahmen mit Wolfsburg und Leverkusen, dazu Hoffenheim. Daran sieht man, dass Investoren eine erfolgreiche Entwicklung einleiten können. Wolfsburg ist Meister geworden. Super. Hätten sie ohne VW nicht geschafft. Borussia Dortmund wiederum hat trotz der 50+1-Regel 150 Millionen Euro an der Börse eingesammelt. Sind das keine Wettbewerbsverzerrungen? Im übrigen: Die Zentralvermarktung kann ja bleiben.
SZ: In England sieht man, wie neue Besitzer die Vereine verändern. Oligarchentum und Leute, die einen Klub eine Zeitlang als Spielzeug nehmen, können ja auch nicht in Ihrem Sinne sein.
Kind: Es ist ein bisschen unappetitlich, dass man immer die englischen Beispiele missbraucht. Wir sollten uns am deutschen Markt orientieren. Die Engländer haben viel früher eine Unternehmenskultur im Fußball entwickelt. Deshalb ist das für die auch normal, dass Klubs ge- und verkauft werden.
SZ: In England haben Fans den FC United of Manchester gegründet, aus Protest gegen einen US-Investor bei United...
Kind: Aber der FC Chelsea, wo Herr Abramowitsch eingestiegen ist, spielt heute Champions League, hat ein neues Stadion. Vorher war Chelsea eine graue Maus, mit Abramowitsch hat es sich zu einer internationalen Marke entwickelt.
SZ: Mit einer Schuldenlast von mehr als 700 Millionen Pfund.
Kind: Abramowitsch kann natürlich sagen: Die Finanzierungskosten lege ich auf diese Gesellschaft. VW würde die Finanzierungskosten bestimmt nicht auf den VfL Wolfsburg legen.
SZ: Ist die Bundesliga so gesund, wie sie sich im internationalen Vergleich gerne macht?
Kind: Die Bundesliga lügt sich in die Tasche. Wir haben viele Vereine, die wie 96 immer am Limit zur Unvernunft agieren. Die Schulden sind natürlich auch viel höher als gesagt. Wer, wie 96, ein Stadion gebaut hat, lagert die Verbindlichkeiten in eine Gesellschaft aus. Diese Zahlen tauchen in den zur Lizenzierung eingereichten Unterlagen gar nicht auf.
SZ: Bei einer Ablehnung Ihrer Vorschläge steht als letzter Schritt der Gang vor das EU-Gericht an?
Kind: Alle juristischen Gutachten, die ich kenne - mit Ausnahme von Auftragsgutachten - bestätigen, dass wir gute Chancen haben, dass unsere Sichtweise dort bestätigt wird. Wie bei Bosman. Allerdings: Wenn wir vor Gericht gewinnen, sind alle Verlierer. Der DFB, die DFL und sogar wir. Ich will ja eigentlich gar kein Urteil, an das man sich dann konkret halten muss. Ich empfehle, die Zukunft lieber gemeinsam zu gestalten.
SZ: Was passiert, wenn die Investoren auch in Deutschland machen dürfen, was sie wollen?
Kind: Sie können die Strukturen aufbrechen. Bisher haben wir eine Dreiklassengesellschaft. Sechs Vereine, die auf Grund ihrer Umsätze gut aufgestellt sind. Dann Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim. Das untere Drittel hat ohne Investoren niemals eine Chance, in das obere Drittel zu kommen. Das ist fast festgezurrt. Dabei zeigt Hoffenheim: Die Zuschauer honorieren Leistung und Erfolg.
SZ: Letztes Jahr haben Sie gesagt, sie wollten mit Hannover 96 den nächsten Schritt Richtung Europa machen.
Kind: Das ist bei der derzeitigen Lage offenbar unrealistisch. Ich will keine Lex 96, aber wir würden, wenn die 50+1-Regel fällt, hier eine regionale Lösung finden mit hoher Identifikation, eine Art kleines Hoffenheim. Fällt die Regel nicht, kann ich aufhören. Mein Antrieb ist, 96 in die oberen Ränge zu bringen. Aber das geht ohne Investoren nicht.
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(SZ vom 1.8.2009)
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