Hannover 96 in der Europa League "Wir haben einen Job zu erledigen!"

Atletico Madrid hat seine letzten sieben Heimspiele in der Europa League gewonnen und könnte heute Abend im Viertelfinal-Hinspiel gegen Hannover 96 ein feines Jubiläum feiern. Das Team von Mirko Slomka wiederum reist nicht allein zum Gratulieren an - sondern mit 3000 Fans und einer großen Hoffnung.

Diese Saison hat den Fans von Hannover 96 schon einige Reiseziele aufgeboten, die den Begriff vom Abenteuer Europa verständlich machen. Schon in der Gruppenphase konnten sie "Poltawa" ins Navigationsgerät eingeben und sich auf den knapp 2000 Kilometer langen Weg in die Ukraine machen. Wer den Routenplaner nach der Dauer einer möglichen Autofahrt dahin befragte, bekam die Antwort: "ein Tag, null Stunden".

Die Hannoveraner Mohammed Abdellaoue (li.) und Mame Diouf beim Training - schaffen die Niedersachsen in Spanien eine Überraschung?

(Foto: dpa)

Noch ein paar Kilometer weiter sind es bis nach Madrid, aber dass auch diese Reise zum Viertelfinal-Hinspiel für 3000 Anhänger zum Abenteuer werden konnte, ist den Mitarbeitern des öffentlichen Personennahverkehrs zu verdanken. Spanien steckt in einem Generalstreik, Zehntausende protestieren und der Stadtverkehr von Madrid wird heute Abend ein bisschen dichter sein als jener in Poltawa.

Generalstreik heißt natürlich nicht, dass jetzt alle die Füße hochlegen. Es ist damit zu rechnen, dass Atletico Madrid mit elf arbeitswilligen Profifußballern in dieses Spiel gehen wird und es spricht doch ein wenig mehr für diese Mannschaft als gegen sie.

Falcao will die 400 vollmachen

Atletico ist neunfacher spanischer Meister und auch die internationalen Arbeitsproben sind beeindruckend. Erst zwei Jahre ist es her, dass die Rojiblancos den Wettbewerb gewannen, in dem sie heute gegen Hannover antreten: In Hamburg gewann Madrid das Endspiel gegen Fulham mit 2:1 nach Verlängerung und damit die Europa League.

Mirko Slomka hat sich trotzdem ein paar Spiele angesehen, könnte ja sein, dass sich bei Atletico in letzter Zeit ein paar Defizite aufgetan haben. Dann aber saß der Cheftrainer von Hannover gestern auf der Pressekonferenz und sagte: "Ich muss gestehen: Es gibt nicht besonders viele Defizite, die man erkennen kann."

Atletico hat die letzten sieben Heimspiele im Europapokal gewonnen, die letzte Niederlage datiert auf die Gruppenphase der Europa League der vergangenen Saison: ein 2:3 gegen Aris Thessaloniki FC. Das nächste Tor im Wettbewerb wäre Atleticos 400. Treffer im Europapokal und Stürmer Radamel Falcao García Zárate steht von allen am meisten unter Verdacht, den Verein heute zum Jubilar machen zu wollen.

Damit zur möglichen Feier des Tages auch ein paar Gäste kommen, hat Atletico die Tickets teils stark rabattiert. Hannover ist ein eher schwacher Zuschauermagnet, weil selbst ja seltener Gast im internationalen Geschäft. Es ist erst die zweite Europapopkal-Teilnahme des Vereins, das erste Mal überhaupt steht er in einem Viertelfinale. Das letzte und erste Mal liegt auch schon wieder gut zehn Jahre zurück - 1992 flog Hannover im Pokal der Pokalsieger gegen Werder Bremen in der ersten Runde raus.

Aber ist es nicht auch so, dass Madrid in der Liga derzeit nur den achten Platz belegt und erst am Wochenende wieder 0:1 verloren hat, in Zaragoza? Ja, so ist es, und auch wenn hier stolze Madrilenen den Nobody Hannover empfangen, so merkte Sportdirektor Jörg Schmadtke nicht zu Unrecht an: "Dieses Duell wird auf dem Platz entschieden, auch wenn auf dem Papier vieles für Atletico spricht."

Das sollte so viel heißen wie: Geht's raus und spielt's Fußball, und nichts anderes haben die 96er vor. Sie sind glücklich über das schon Erreichte, und offen für mehr. Manuel Schmiedebach sagte, er wolle aus dem 13. Europa League-Spiel seines Vereins in dieser Saison "mindestens einen Punkt mitnehmen". Und Steven Cherundolo ließ sich in seiner Hoffnung dann nicht einmal mehr vom Generalstreik beirren: "Wir haben einen Job zu erledigen." Sollen die anderen ruhig die Arbeit niederlegen.