Hannover 96 "Es kotzt mich alles an"

Horst Heldt ist unzufrieden mit der Handhabung des Videobeweises vonseiten des DFB.

(Foto: Selim Sudheimer/Getty Images)

So negativ wie nie: Manager Heldt nervt auch beim 0:1 gegen Mönchengladbach die Stimmung im Stadion. Trainer Breitenreiter stimmt ihm zu.

Ein Besuch im Fußballstadion in Hannover lohnt sich. Zum einen, weil dort in dieser Saison ein durchaus erfolgreicher Bundesligist spielt: Hannover 96 hat bereits 32 Punkte gesammelt, die Europapokalränge sind noch in Reichweite, und das als Aufsteiger. Doch vor allem können unvoreingenommene Beobachter in Hannover dieser Tage an jedem zweiten Wochenende eine zunehmend skurrile, in Deutschland einzigartige Stimmung erleben. Die Stimmung ist zwar miserabel. Doch interessant ist sie allemal.

Die Fans des heimischen Bundesligisten, so weit ist es inzwischen gekommen, beschimpfen sich untereinander, der Manager Horst Heldt poltert zurück - und erweckt bei manchen den Eindruck, mit dem Gemecker seinen Abgang vorzubereiten. Heldt, über den in dieser Saison schon behauptet wurde, er würde am liebsten mit dem Fahrrad von Hannover nach Köln fahren, um dort für seinen Lieblingsklub zu arbeiten, wählte nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach drastische Worte. Während des Spiels war der Hannoversche Fan-Streit eskaliert.

Die Fans beschimpfen sich nun auch untereinander

Der Konflikt eines Teils der Fans mit der Klub-Führung um den Vorsitzenden Martin Kind hat sich zu einer Auseinandersetzung innerhalb der Anhängerschaft gewandelt. Zwei Tage nach der Absage einer Podiumsdiskussion durch den Verein schrien am Samstag Fans in der Nordkurve - anders als in den Monaten zuvor - immer wieder lauthals "Kind muss weg!" Andere 96-Anhänger reagierten darauf mit Pfiffen. Sie konterten lautstark mit "Ultras raus!" Der Protest gegen Kinds Versuch, die Mehrheit an der Profifußball-Abteilung vom Stammverein zu übernehmen, spaltet die Fans und führt inzwischen auch zu ausgesprochenem Ärger bei der sportlichen Führung. Heldt äußerte sich unmittelbar nach dem Abpfiff vor der Kamera, aber auch später mit etwas Abstand zum Geschehen. "Es kotzt mich alles an, das macht keinen Spaß", schimpfte er. "Wir beschäftigen uns mit allem anderen, nur nicht mit Fußball. Wir können uns überhaupt nicht auf Fußball konzentrieren."

Dass Hannover eine solide bis enttäuschende Partie ablieferte und ein Distanzschuss von Christoph Kramer das Spiel entschied? "Es ist anscheinend völlig uninteressant, was auf dem Platz abgeht. Es ist vollkommen wurst, ob einer verletzt, gesperrt oder sonst irgendwas ist", sagte Heldt. "Menschen singen gegeneinander, und die Mannschaft ist total verunsichert."

Auch der Trainer klagte. "Die Atmosphäre auf den Rängen war so negativ wie noch nie, das hat die Jungs berührt", sagte André Breitenreiter und gab erstmals zu, dass die Auseinandersetzung außerhalb des Rasens auch Auswirkungen auf die Leistung der Spieler hat. "Wir waren gehemmt, wie eigentlich lange nicht. So etwas zieht einen schon runter. Wir haben das in der Halbzeitpause thematisiert, dass wir das nicht an uns ran kommen lassen wollen." Ein Ende des Streits und der vergifteten Stimmung ist aber nicht absehbar. Das hat auch Heldt inzwischen gemerkt, der sich als Vermittler und Moderator angeboten hatte. Es erscheint gerade durchaus unsicher, ob sich der bereits bei anderen Klubs gehandelte Manager das Schauspiel noch lange antut.