Von Ulrich Kaiser

Wieder ist ein Jahr vorüber, und nur die Freunde haben ihr Golf verbessert. Hilft Demut oder Selbstvertrauen? Die Hoffnung jedenfalls lebt weiter.

Es war wohl wieder mal nichts. Das Jahr ist gleich vorüber, Freundinnen und Freunde berichten in abenteuerlichsten Geschichten, wie sie ihre achtzehnlöcherige Welt in die Knie zwangen, und zwar auf Grund eines fest gefügten Charakters. Mir ist nichts dergleichen geschehen - ich habe niemand in die Knie gezwungen, wahrscheinlich habe ich auch keinen fest gefügten Charakter. Da fällt mir ein: Kann man eine Wiese, in der sich 18 Löcher befinden, überhaupt in die Knie zwingen? Oder ist das wieder eins von jenen schiefen Bildern, die logischerweise als Folge eines dahinschwindenden Jahres auftreten. Einer der erschreckenden Tatbestände liegt bei einem Teil jener Freundinnen und Freunde, von denen gerade die Rede war. Es begab sich nämlich im frühesten Frühjahr, dass unsereiner eine Reihe von Freundinnen und Freunden zu diesem Spiel überredete: "Du musst die Kosten als eine Erweiterung deines häuslichen Vorgartens betrachten - die Leute, die du triffst, sind meistens ganz ordentlich erzogen - es ist in jedem Fall spannender als ein simpler Spaziergang".

(© Foto: photodisc)

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Die erwähnten Leute konnten der Versuchung und meiner Überredungskunst nicht widerstehen, kauften sich teure Gerätschaften, zahlten ihre Gebühren und buchten über viele Wochen hinweg unzählige Stunden den Übungsleiter, den man hier als Pro bezeichnet. Als man jetzt eines dieser herbstlichen Turniere veranstaltete, stellte sich heraus, dass die Freundinnen und Freunde in einer Ergebnisliste alle weiter vorne standen. Und als ich ihnen sagte, dass ich wohl eine Schlangenbrut an meinem Busen genährt hätte, nahmen sie das als Witz und Ausdruck griechischer Fabeln zur Kenntnis.

Demut oder Selbstbewusstsein?

Ob die hohen Verwalter der löcherigen Wiesen in diesem Land überhaupt wissen, wem sie den Ansturm neuer Freundinnen und Freunde zu verdanken haben? Mit Sicherheit ist noch nie jemand einem Club beigetreten, weil dieser Club einen so netten Präsidenten oder stellvertretenden Kassenprüfer hat - es war immer irgendjemand, der eine Freundin oder einen Freund überredete, das doch auch einmal zu versuchen.

Wenn unsereiner über ein stärker entwickeltes Selbstbewusstsein verfügen würde, könnte man den hohen Verwaltern einer oberen Golfbehörde das zu erklären versuchen. Der bekannte Spieler Bernhard L. sprach einst von der Demut als Voraussetzung für gute Ergebnisse zwischen den löcherigen Wiesen, was eigentlich eine einfache Übung ist. Ich habe mich so demütig verhalten wie ich konnte - es nutzte nichts. Vielleicht habe ich auch kein Talent zur Demut. Der amerikanische Kandidat, von dem gerade so viel die Rede ist, hat das Volk zum Selbstbewusstsein verpflichtet - er sagte: "Yes, we can!" Ja, ich kann! Das ist wahrscheinlich das Gegenteil von Demut - und es hat nur zu der Erkenntnis geführt, dass sowohl Demut wie auch Selbstbewusstsein wahrscheinlich mit diesem Spiel nichts zu tun haben.

Es war wohl nichts in dem vergangenen Sommer, aber das bedeutet noch längst nicht, dass es eine verlorene Zeit war. Ich habe den Karnickeln im Bunker zugeschaut, wie sie das machten, was sie immer machen, wenn sie kleine Karnickel haben wollen. Der Fasanenhahn am zweiten Loch ist ein elender Angeber. Das wird sich im kommenden Jahr nicht ändern. Das Geheimnis dieses Spiels liegt darin, dass selbst dem rührenden Eleven irgendwann ein Schlag gelingt, den auch der erwähnte Bernhard L. nicht besser vollzieht - und der Eleve glaubt dann an eine ständige Wiederholbarkeit dieses Schlages. Es ist das Prinzip der ewigen Hoffnung, die niemals schwindet.

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