Interview: Christian Zaschke

Handball-Nationalspieler Dominik Klein vor der WM über Kieler Selbstvertrauen, lehrreiche Fehlwürfe und die WM-Chancen der jungen Deutschen.

Dominik Klein, 25, Linksaußen, ist der einzige Spieler der deutschen Handball-Nationalmannschaft, der beim THW Kiel Stammspieler ist, dem derzeit wohl besten Klub der Welt. In der Nationalmannschaft hat er den Hamburger Torsten Jansen vor sich. Das hat ihn Demut gelehrt, ebenso wie seine Fehlversuche beim olympischen Turnier 2008, bei dem die deutsche Mannschaft als Weltmeister in der Vorrunde scheiterte. Vor der an diesem Freitag beginnenden WM in Kroatien spricht Klein über den Unterschied zwischen der Weltauswahl beim THW Kiel und der nationalen Auswahl des Bundestrainers Heiner Brand, über herbe Niederlagen und über den Sieg der Gewalt über die Kunst - zumindest im Handball, manchmal.

Dominik Klein

Dominik Klein (links) bei seinem Verein THW Kiel: "Urlaub ist ein Fremdwort für uns." (© Foto: dpa)

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SZ: Herr Klein, es steht nach EM und Olympia das dritte große Turnier innerhalb von zwölf Monaten an, eine WM. Wann haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?

Klein: Das ist ein Fremdwort für uns. Aber die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich als Urlaub empfunden, weil man da nicht so fremdgesteuert ist.

SZ: Sonst sind Sie das?

Klein: Man ist tagtäglich zwei Mal in der Trainingshalle oder im Fitnessraum, und nach Spielen sagt der Trainer vielleicht, dass wir am nächsten Tag doch morgens und nicht abends trainieren, was heißt, dass man seine Tage kaum im Voraus planen kann. Du nickst mit dem Kopf und bist da und trainierst und spielst. Aber das freie Denken, also zu entscheiden, wann man gerne was tun würde - das gibt es als Handballer kaum.

SZ: Bei Ihnen mit dem Ergebnis, dass Ihr Klub, der THW Kiel, in dieser Saison erst einen Punkt abgegeben hat, im ersten Spiel gegen Dormagen.

Klein: Das war sogar gut, dass wir da direkt einen Punkt verloren haben. In Hamburg hat die Bild-Zeitung geschrieben: Der HSV hat jetzt schon mal einen Punkt Vorsprung. Jetzt haben sie acht Punkte Rückstand.

SZ: Der THW beherrscht die Bundesliga, obwohl die Mannschaft noch recht jung ist. Eine eher erschreckende Aussicht für die Konkurrenz.

Klein: Bevor ich nach Kiel kam, stand auf meiner Autogrammkarte unter "Größte Erfolge": Teilnahme an der Junioren-WM in Brasilien. Ich hätte auch noch Vize-Hessenmeister draufschreiben können, als B-Jugendlicher. Nach einem Jahr in Kiel war ich deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger, Supercup-Sieger, Klub-EM-Sieger und natürlich Weltmeister. Aber es ist schwierig, das alles zu genießen. Nach dem WM-Finale 2007 ging's ein paar Tage später in der Bundesliga weiter, es kommt immer gleich das nächste Spiel, auf das man sich konzentrieren muss. Nach der WM 2007 war das nicht so schön, weil die ja ein Erfolg war, aber nach dem verkorksten Olympiaturnier 2008 war es genau richtig, weil man das Negative schnell abhaken konnte.

SZ: Da ist Kiel der geeignete Ort.

Klein: Aber nicht nur, weil man so oft gewinnt, sondern auch, weil man von diesen Spielern dauernd dazulernt. Mit einem wie Stefan Lövgren zu spielen - da lernt man wirklich jeden Tag. Das gesamte Umfeld ist optimal, um sich als Handballer zu entwickeln.

SZ: Schade, dass kaum deutsche Handballer in diesem Umfeld reifen können.

Klein: Für mich hätte es nie einen Grund gegeben, nicht nach Kiel zu gehen. Es gab aber schon mehrere deutsche Nationalspieler, die gefragt worden sind und sich anders entschieden haben.

SZ: Ist es nicht erstaunlich oder gar seltsam, wenn Sie vom THW Kiel - wo jede Position mit Weltklassespielern besetzt ist - zur Nationalmannschaft kommen, die sich im Umbruch befindet und der es an Erfahrung fehlt?

Klein: Gerade das macht das Ganze so interessant, und dadurch entwickele ich auch ein Verantwortungsdenken, so dass ich den Jungen sage: Kommt, wir reißen hier jetzt richtig was bei der WM. Es ist eine Chance, die wir als Mannschaft bekommen, und die in Erfolg umzusetzen liegt allein an uns. Wenn man vom THW Kiel kommt, mit dem täglichen Training mit Weltstars, dann bringt man auch das nötige Selbstbewusstsein mit. Mir ist es wichtig, ein wichtiger Baustein der Nationalmannschaft zu sein. Ich stehe hier ja nicht so sehr in der Verantwortung, weil Torsten Jansen die klare Nummer eins auf Linksaußen ist, aber ich bin seit der EM 2006 dabei und traue mir zu, die Jüngeren auch ein bisschen zu führen. Das klingt immer so blöd, und ich bin ja auch erst 25, aber beim Fußball, wenn wir Jung gegen Alt spielen, war ich letztes Mal bei den Alten. Es macht mit dieser jungen Truppe unwahrscheinlich viel Spaß. Das soll nicht heißen, dass das vorher nicht so war, aber seit Olympia ist diese junge Mannschaft richtig heiß.

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