"Das ist kein Sport, das ist Politik": Die serbische Handballmannschaft muss bei der WM in Kroatien mit Pfiffen, Schmähungen und einer Bombendrohung leben.
Zadar - Als die serbische Mannschaft am Samstag um 17.08 Uhr das Spielfeld der Sporthalle zu Zadar betritt, beginnen Tausende Menschen zu pfeifen. Es ist nicht die Art von Pfeifen, mit der Fans einen nicht so beliebten Gegner bedenken, es ist ein Pfeifen voller Wut und Hass. Vermutlich gibt es keinen Ort in Kroatien, an dem es anders wäre bei dieser Handball-WM, nirgends würden die Serben beklatscht oder wenigstens ignoriert. Aber in Zadar, an der Küste Dalmatiens, ist es besonders schlimm, weil es erstens ein Zentrum des kroatischen Nationalismus ist und zweitens Kriegsschauplatz war im Balkankonflikt. Die Ablehnung, die den Serben entgegenschlägt, ist körperlich spürbar.
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Selten können sich die serbischen Handballer in Kroatien uneingeschränkt freuen (im Bild: Mladen Bojinovic bei den Fans nach dem Sieg gegen Norwegen). (© Foto: AFP)
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Die serbische Mannschaft bildet einen Kreis, dann stellt sie sich in einer Reihe auf und winkt ins Publikum, es wirkt höflich, nicht provozierend. Als wenig später beim Einwerfen ein Ball auf die Tribüne fliegt, wirft ihn ein kroatischer Fan zurück, die Serben danken mit erhobenem Daumen, doch dieser Moment bleibt die Ausnahme. Die serbische Hymne wird begleitet von Pfiffen und Schmähungen.
Die Gegner der Serben werden bejubelt und angefeuert, an diesem Samstag sind es die Deutschen. Es ist ein seltsames Handballspiel, beide Seiten begehen Unmengen an Fehlern, es endet 35:35 (16:19). Nach dem Spiel erzählt der Serbe Momir Ilic, der in der Bundesliga beim VfL Gummersbach spielt, wie es ist, als Serbe in Kroatien zu spielen: "Wir stehen durchgehend unter Polizeischutz", sagt er, "zum Training fahren wir immer mit Eskorte, das Hotel verlassen wir sonst gar nicht mehr."
Wobei das Hotel auch nicht direkt ein Hafen der Ruhe ist. "Wir können nachts kaum schlafen, weil meistens Leute da sind und Lärm machen", sagt Ilic. Am Freitagabend ging eine Bombendrohung gegen das Hotel ein, versehen mit dem Hinweis, viele Serben würden sterben. Auch die deutsche Mannschaft wohnt in dem Hotel, sie bekam von der Aufregung nichts mit. "Ich habe so gut geschlafen wie noch nie in diesem Turnier", sagte Bundestrainer Heiner Brand. Dass es überhaupt eine Drohung gab erfuhren die Deutschen zufällig. Christian Schönes Heimtrainer aus Göppingen, Velimir Petkovic, rief seinen Spieler an, um mal zu hören, was es denn mit dieser Bombe auf sich habe.
Fahnen abgehängt
Schon zuvor hatte es einigen Wirbel in Zadar gegeben. Der Bürgermeister der Stadt hatte die Fahnen aller 24 WM-Teilnehmer abhängen lassen, weil eine davon die serbische war. Die serbische Fahne in Zadar wehen zu sehen, das war einigen Kroaten zu viel. In den kroatischen Medien stieß das Abhängen der Fahnen allerdings auf wenig Verständnis. Momir Ilic sagt: "Es ist traurig, was hier passiert, denn das ist kein Sport mehr, das ist Politik." Während der Spiele der Serben ist tatsächlich immer zu sehen und zu hören, dass es auch um Politik geht. Nicht nur wegen der Pfiffe und Schmähungen. Rund 20 serbische Fans haben sich beim Spiel gegen Deutschland in die Halle getraut. Ilic erzählt, ein Bus sei aufgehalten worden und nicht zur Halle durchgekommen. Die 20 Serben, die da sind, haben zwei Hörner mitgebracht, zwei Trompeten, eine Trommel und drei Fahnen. Eingerahmt werden sie von 18 Polizisten eines Sondereinsatzkommandos, die in schwarzen Monturen stecken, dazu gesellen sich noch sechs Ordner in neongelben Westen. Die Serben spielen Musik, zu hören sind sie kaum in der Halle, die 7000 Menschen Platz bietet.
Immer, wenn die Deutschen ein Tor werfen, wird der Name des Schützen über die Lautsprecher in die Halle gerufen. Immer, wenn die Serben ein Tor werfen, herrscht danach Schweigen. Die Tore werden zwar auf der Anzeigetafel gezählt, durchgesagt werden sie nicht. Die Spieler nehmen es hin, es scheint sie sogar zu motivieren. Ilic sagt: "Wir spielen für unsere Landsleute."
Nach der Partie winken die Serben wieder ins Publikum. Die Halle ist vergleichsweise ruhig, Polizisten halten die Ränge im Auge. Sie sehen einen jungen Mann, Mitte 20, sie rufen ihm eine Warnung zu, doch er stellt sich an eine Balustrade und bespuckt die serbischen Spieler, die in die Kabine gehen. Die Spieler tun, als sei nichts, sie gehen einfach weiter.
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(SZ vom 26.01.2009)
Bergkirchweih in Erlangen
"Lieber ablenken als sich damit auseinandersetzen... "...
"Und das serbische Selbstverständnis eigentlich nichts Unrechtes getan zu haben unterstützt den Hass nur"
Alles was die Serben taten bei der WM 2009 - sie spielten Handball. Welch fürchterliches Unrecht da über Kroatien schwappt???
Wenn die Toleranzfähigkeit der Kroaten so schnell gesprengt ist bzw. wird darf man halt keine WM oder sonstwas mehr an die Kroaten vergeben. Fertig. Analoges gälte für Serbien und Bosnien und und und
Alle weiteren Aufrechnungen haben NICHTS mehr zu tun mit dem Eingangsthema "Handball WM".
Und ausschließlich darum ging es mir hier (eingangs).
Alle anderen Exkulpierungsversuche sind der schändliche Versuch wieder einmal Sport und Politik (in diesem Falle eine ideologische Marschrichtung der 40er Jahre) miteinander zu verquicken, was nur den Ultrascharfmachern hilft und jegliche Aussöhnung konterkariert. Ich verachte diese Scharfmacher. Um eine Aussöhnung wird man nicht herumkommen, man fange besser gleich damit an.
Wie bewerten Sie, werter Herr Svirac, das Auspfeifen von Nikola Karabatic, einem FRANZOSEN, im Finale? Da flippt doch gleich die Halle aus wenn ein in Serbien geborener Franzose spielt - also wenn DAS schon so unerträglich ist für die kroatischen Fans dann nein bitte keine Sportevents mehr dort und am besten die französische Flagge auch gleich abhängen!? Gibts es hier auch Millionen Gründe zum Hassen?
Vollstes Verständnis für eine Nation die Hass ausstrahlt habe ich nicht. Allein der Fakt, dass in Serbien derzeit nach dem Krieg andere Nationen zurückkehren und Kroatien ethnisch rein geblieben ist, ist für mich ein Indiz was tatsächlich sich im Krieg abspielte.
Im Juni 1991 töteten slowenische Militärverbände grundlos und kaltblütig Soldaten der Jugoslaw. Volksarmee, die die Grenzen zu Österreich und Italien sicherten, und besetzten Grenzposten, um die vom Westen angepeitschte Sezession der Teilstaaten Slowenien und Kroatien zu starten. Vom Standpunkt der Charta der Vereinten Nationen, vom Standpunkt der allgemeinen Rechtsgrundsätze betrachtet, die von zivilisierten Nationen anerkannt werden, war dies ein klassisches Beispiel eines bewaffneten AUfstandes gegen einen Staat.
In Kroatienen begannen die Verbrechen an den Serben noch früher, noch bevor die Abspaltung erklärt wurde. Die gleichen Methoden in den gleichen Gebieten, in denen 1941 der Völkermord am serbischen Volk durch die Ustasa-Verbände im sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien begann.
Im 20.Jh als ähnliche Dinge getan wurden, leisteten die Serben Widerstand.
Am 18.Juli 1991 gingen die paramili. bewaffneten Verbände in Kroatien zum Frontalangriff über. Serbische Häuser wurden in Brand gesteckt und vereinzelte Verbrechen gingen in Maasenexekutionen über.Man brachte die Menschen auf Polizeireviere, sie wurden von Ihren Arbeitsplätzen entfernt, ihre Häuser in Luft gesprengt.
Somit war es klar der Staat Jugoslawien zerfällt und den Serben wird die Erinnerung aus 1941 wieder vor Augen eingraviert. Es kommt zu einem blutigen Bürgerkrieg, wobei die Rolle Deutschlands und Vatikans, die ich hier nicht beleuchten möchte eine entscheidende Rolle spielte.Die Serben begannen dann auch Gebiete ethnisch zu säubern und es kam zu Unmenschlichkeiten auf beiden Seiten, die zu verurteilen sind.
Ich zeige überhaupt kein Verständnis für eine Nation wie Kroatien, die ihre Nationalfahne "die Schachbrett-Karos" ganz übertrieben, damit meine ich alle Menschen sind von Kopf bis Fuss so angekleidet,zeigen, aber wehe die serbische Flagge hängt irgendwo in der Stadt, und sei es nur aus sportlichen Gründen wegen der Hanball-WM, dann muss diese runter. Das zeigt das Kroatien ein untolerantes und vor allem ein Land, dass nicht in die EU gehört. Respekt gegenüber den serbische Handballspielern, die das Turnier zu Ende spielten, trotz Demütigung(Bespucken der Spieler, bewerfen mit Gegenständen, Bombendrohung im Hotel)
Als eine Gruppe Kroaten(die in MNE leben) von einer Fanreise aus Kroatien zurück gekommen sind, wurden Sie von Montenegriner angegriffen!!! Dies geschah in der Hafenstadt Tivat.
Damit will ich sagen das Montenegriner zu Serbien halten, hat zwar nicht direkt mit dem Beitrag zu tun aber wollte ich nur mal los werden :)
Irgendwo schreibt hier ein Kommentator, dass Kroatien ein mediterraner und zugleich mitteleuropäischer Staat sei; wo hingegen Serbien ein zentralbalkanischer Staat sei. Also Kroatien = West- und Mitteleuropa ; Serbien = Balkan und Osteuropa !
Hierzu möchte ich meine persönliche Meinung sagen:
Diese geographischen Definitionen sind doch wirklich für die Katz, sorry!
Diese Aussage bezüglich Kroatien mag sicherlich auf die Küstenregion zutreffen; wer allerdings nur mal 20 - 30 km ins Landesinnere von Kroatien fährt findet sich auf einmal MITTEN AUF DEM BALKAN wieder !... und ich rede jetzt ausdrücklich nicht von Geographie!
... und wer wie ich Verwandtschaft in Slawonien im Großraum Osijek hat, und alle 2 Jahre zum Besuch dorthin fährt, weiß ganz genau, dass Kroaten ebenfalls wie Serben "Balkanesen" sind !
"haßerfüllten nationalismusdurchtränkten Tiraden ansetzen"
Für den Hass gibt es eine Million gute Gründe, das weiß ich selbst sehr gut. Und das serbische Selbstverständnis eigentlich nichts Unrechtes getan zu haben unterstützt den Hass nur. In Ihrem Kommentar zeigt sich diese Ignoranz überigens ebenfalls:
"und zum Thema "Reparationen" - die Reparationen kann man dann gleich nach Bosnien weitergeben seit "
Lieber ablenken als sich damit auseinandersetzen...
Paging