Dank einer grandiosen Abwehrleistung mit einem überragenden Henning Fritz im Tor haben Deutschlands Handballer bei der Heim-WM endgültig ihre Reifeprüfung bestanden und vorzeitig das Viertelfinale erreicht.

Nach dem 29:26 (14:9) gegen Europameister Frankreich in Dortmund darf das Team von Bundestrainer Heiner Brand mehr denn je vom ersten WM-Titel seit 1978 träumen.

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Mit dem vierten Sieg im vierten Hauptrundespiel will die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) am Sonntag in der Westfalenhalle gegen Island (15.30 Uhr/live im ZDF) ihre Ausgangsposition für das Viertelfinale weiter verbessern. Allerdings bangt der Ex-Europameister um den Einsatz von Kapitän Markus Baur (Lemgo), der mit Verdacht auf Muskelfaserriss in der rechten Wade schon früh im Spiel gegen Frankreich ausschied.

In der Runde der letzten Acht tritt der WM-Gastgeber (6:2 Punkte) am Dienstag in der Kölnarena (17.30) an. Mögliche Gegner in der ersten K.o.-Runde sind Olympiaieger Kroatien, Weltmeister Spanien, Ungarn, Dänemark oder Russland.

Vor 12.000 euphorischen Zuschauern im ausverkauften "Hexenkessel" Westfalenhalle besiegelten der groß auftrumpfende Michael Kraus (7 Tore/Göppingen), Holger Glandorf (5/Nordhorn) als beste deutsche Werfer und vor allem Keeper Fritz den 34. Sieg im 63. Duell mit den favorisierten Franzosen. Der Torwart zog den am Ende stark aufkommenden Franzosen mit zwei gehaltenen Siebenmeter in den beiden Schlussminuten endgültig den Zahn. Die mit sechs Bundesliga-Legionären angetretene "Equipe Tricolore" hatte ihren besten Torschützen in Nikola Karabatic (7) vom deutschen Meister THW Kiel.

Von Beginn an präsentierte sich die deutsche Deckung in herausragender Form und ließ den hochgelobten französischen Rückraum kaum zur Entfaltung kommen. Abwehrchef Oliver Roggisch (Magdeburg) konnte trotz einer Rückenverletzung auflaufen, doch das obligatorische Verletzungspech blieb dem Olympia-Zweiten erneut treu.

Bereits nach drei Minuten schied Spielmacher Baur mit einer Wadenblessur aus. Doch ausgerechnet Baurs Vertreter Kraus sprang in die Bresche und stellte die offensive 3:2:1-Abwehr des Europameisters immer wieder vor unlösbare Aufgaben.

Weil zudem der frühere Welthandballer Fritz wie bereits zwei Tage zuvor gegen Tunesien (35:28) seine herausragende Form bestätigte, gelang den Franzosen in der ersten Halbzeit über neun Minuten kein einziger Treffer. Ihrerseits zogen die Brand-Schützlinge angeführt vom quirligen Ersatz-Regisseur Kraus von 4:4 (9.) auf 10:5 (22.) davon.

Der 32-jährige Fritz stellte seinen Kieler Vereinskollegen Thierry Omeyer, der sich in der Halbzeit entnervt auswechseln ließ, im Tor des WM-Dritten klar in den Schatten. Wie bereits bei ihrer bis dato einzigen Turnierniederlage gegen Island (24:32) offenbarte die Equipe von Trainer Claude Onesta Schwächen im Abschluss, gab sich aber zu keiner Zeit geschlagen. Doch weil es im deutschen Team keinen Ausfall gab, erhöhten die Lokalmatadoren bis zur 40. Minute auf 20:13 und sorgten damit für eine Vorentscheidung.

Zeit zur Regeneration bleibt kaum. Mit der Partie gegen die mit acht Bundesliga-Legionären gespickten Isländer, die in der WM-Qualifikation überraschend den viermaligen Weltmeister Schweden ausgeschaltet hatten, wartet bereits am frühen Sonntagnachmittag der nächste Härtetest auf die WM-Lokalmatadoren. Bislang präsentierte sich das Team des Gummersbacher Trainers Alfred Gislason mit zwei unterschiedlichen Gesichtern. Dem fast sensationellen Sieg über Frankreich in der Vorrunde (32:24) folgte die bittere Niederlage gegen Polen (33:35) am zweiten Hauptrundenspieltag.

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(dpa)