Ganz Deutschland fiebert dem großen Finale entgegen. Doch bevor Deutschland und Polen um Gold kämpfen, standen sich in Köln Frankreich und Dänemark gegenüber. Ein Stimmungsbericht aus der Kölnarena von Thomas Becker
15.18 Uhr: Siebenmeter für La France. Narcisse kommt, es will sonst keiner. Zieht dem Keeper einen Seitenscheitel. "Ein unfeiner Zug", meint die Nachbarin, die sich frech auf den Schiri-Platz gesetzt hat. Dabei ist die Abwehr eigentlich eine meiner Stärken. Aber man muss ja nicht jeden Kampf gewinnen. Von der anderen Seite her schallt es sehr schwäbisch herüber - so ein WM-Finale ist halt kein Zuckerschlecken.
Konnte die Bronzemedaille nur im Sitzen feiern: Der Däne Lars Möller Madsen (© Foto: dpa)
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Noch vier Minuten. 31:26 für Danmark. Die erste Welle geht durch die Halle. Warum bloß? Am Spiel hat's nicht gelegen. Ist wohl eher die Vorfreude. Wenn Franzosen und Dänen hier fertig sind, kommen nur noch Polen und Deutsche bei der dieser Handball-Weltmeisterschaft 2007. Da kann man schon mal kurz aufstehen und mitwellen.
Keeper Kasper Hvidt winkt schon mal ein paar lautstarken Sangesbrüdern zu, die irgendwo Fähnchen schwenkend im Oberrang hängen. Bronze ist sicher: 32:27 in der Schlussminute. Jetzt steht die ganze Halle.
Madsen steht auch, gestützt auf zwei Betreuer. Der muss zur Siegerehrung humpeln. Schluss, 34:27 für die Dänen. Barfuß wird der Riese Madsen in den Jubelkreis geführt, hüpft irgendwie mit. Und die Halle singt: Finale "ohohoho, Finale" ohohoho. Oh ja, das geht gleich los. In genau einer Stunde.
15.10 Uhr: Offene Manndeckung der Franzosen. Da nehmen die Dänen doch gleich mal eine Auszeit. Treffen sogar in Unterzahl. Sechs Tore Vorsprung zehn Minuten vor Schluss. Sieht nach einer rotweißen Party aus. Zumindest bis halbfünf. Was dann kommt? Gar nicht dran denken. Sonst geht das mit der Gänsehaut wieder los.
14.59 Uhr: Der Präsi ist da. Warmer Applaus für Horst Köhler. Unser Staatspräsident hat sich in den vergangenen Tagen als aufrichtiger Handball-Fan geoutet.
Sogar auf dem "Ball des Sports" gab er eine Präferenz für die Werfer und Fänger zu erkennen, obwohl er gerade dort doch der Präsident aller Sportler sein muss. Und so ein ehrliches Bekenntnis fern aller Sportpolitik vergessen ihm die Leute nicht.
Die Franzosen kommen. Karabatic macht wieder mit, hängt sich nochmal voll rein, bejubelt jeden Treffer als wäre es ein Finaltreffer. Und wenn der sich reinhängt, müssen sich alle warm anziehen. Es steht: 26:22. Torschütze: Karabatic.
Madsen, der arme umgeknickte Tropf, hockt nur noch neben der Bank bei den Fernsehkommentatoren, muss mit dickem Knöchel zuschauen. Aber seine Kameraden kommen auch ganz gut ohne ihn zurecht. Zwölf Minuten vor Schluss liegen sie mit fünf Toren vorn.
14.45 Uhr: Weiter geht's. Claudia Roth ist auch schon, telefoniert ohne Punkt und Komma - so kennen wir sie. Ein paar Sitze weiter: Juri Schewzow, russischer Ex-Bundesligaspieler. Direkt nebendran: zwei Plätze für die Ersatz-Schiedsrichter. Sollen um jeden Preis verteidigt werden, bittet ein Offizieller. Schon recht, aber so langsam könnten die Herren mal den Bierstand verlassen und mir die ständige Abwehrarbeit ersparen, zefix.
Jetzt sitzt die dänische Ersatzbank vor meine Nase. Da ist schon mehr los. Trainer Ulrik Wilbek und alle anderen Rotjacken brüllen und gestikulieren in einem fort. Da brennt die Seitenlinie. Projekt Bronze: sieht gut aus. 22:16.
Die Halle ist ruhiger geworden. Nochmal Luft holen vor dem Sturm. Den wird es geben, das ist so sicher wie es keine Wettervorhersage ist. Wieder wurden am Eingang tausende Fähnchen verteilt. Dass er sich damit ein schwarzrotgoldenes Näschen verdienen würde, hätte sich der Hersteller noch vor vier Wochen wohl auch nicht träumen lassen.
14.36 Uhr: Halbzeit. 21:15 für die Dänen. Zeit, mal kurz die Beine zu strecken.
14.25 Uhr: Mittlerweile steht es 17:11. Ein vergleichweise entspanntes Spielchen denkt man an die Halb- und Viertelfinals. Karabatic hat längst auf der Bank Platz genommen. Derweil treffen die Dänen wie sie wollen, vor allem aus dem Rückraum. Folgerichtig geht nun auch Keeper Omeyer raus. Nicht der wunderbare Wuschelkopf Karaboue kommt rein, sondern der eher blasse Yohann Ploquin, und das mit Turnschuhen, die verdächtig nach Plastik aussehen.
Allmählich pirschen sich die Franzosen ran: 14:18. Nach 28 Minuten gibt es die erste Zeitstrafe - so zahm gehen die Mannschaften miteinander um. Ein Fest für Handballfeinschmecker ist es natürlich immer noch.
Au weia, auch nach diesem Spiel werden sich die Franzosen über die Schiedsrichter beschweren, die es in der Tat nicht besonders gut mit ihnen meinen. Könnte natürlich auch eine Trotzreaktion der Unparteiischen sein.
14.18 Uhr: Ein bitterer Moment: Dänemarks linker Rückraum, bislang bester Mann auf dem Feld, knickt ohne Feindeinwirkung um, bleibt liegen, muss raus. Doch die Dänen stürmen weiter: 13:6 - damit hatte niemand gerechnet. Für sie wäre Bronze eine tolle Sache, die Franzosen investieren bislang vergleichsweise wenig Energie. Nun droht gar Zeitspiel. So sieht eine Mannschaft aus, aus der komplett der Siegwille gewichen ist wie die Luft aus einem Ballon. Und wer auf diesem Level nicht mit hundert Prozent bei der Sache ist, der verliert.
Auch Trainer Onesta ist in einer Art Duldungsstarre nicht wiederzuerkennen. Bei der Vorstellung der Teams war er mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert empfangen worden. Aber in der Bezihung gilt er ja als schmerzfrei.
14.10 Uhr: Die Franzosen haben es nicht leicht bei dieser WM. Zwei für sie völlig überraschende Niederlagen gegen Deutschland und jetzt dieses undankbare Spiel um Platz drei - das die Dänen auch noch dominieren. 8:4 steht es nach elf Minuten. Und das Kölner Publikum hat eine eindeutige Präferenz für die Dänen. Kein Wunder, nach all den unschönen Schiebung-Beschuldigungen des französischen Trainers. Aber es ist nicht nur die Schadenfreude: Die Dänen sind wacher, entschlossener. Der Nachbar meint: "Die Franzosen haben keinen Bock." Das Wird man im nächsten Spiel von keinem Team sagen können.
14 Uhr: Sportsfreunde! Der Ball fliegt schon wieder: Frankreich gegen Dänemark, Spiel um Platz drei. sueddeutsche.de ist dabei, wenn auch nicht in Wir-gucken-Mannschaftsstärke, sondern als Einzelkämpfer in Reihe 2, Platz 17. Und was soll man sagen? Auch zweieinhalb Stunden vor der Partie der Deutschen ist jeder der 19.000 Plätze besetzt. Handballfans sind kein Logenpublikum, die Champagnerfraktion ist zuhause geblieben oder sitzt im Fußballstadion - und wird nicht vermisst.
Draußen vor der Halle: Aus dem Kölner Grauhimmel leuchtet es schwarzrotgülden. Die Auto-Fähnchen sind auch wieder da. Aber nicht die vom Sommer, sondern neue: mit einem Gruß aus Köln drauf.
Jede Menge Kartensuchende begegnen schrägen Gestalten, die nervös um sich schauen und irgendetwas Kostbares im Pappkarton versteckt haben. Dreistellige Beträge sind zu erlauschen. Die Karten wären es sicher wert, und man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass der Karton am Ende leer sein wird.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
gehe davon aus, dass die Franzosen bewusst verloren haben um nicht mit den Deutschen auf dem siegertreppchen zu stehen