Handball "Wir haben ein Problem"

Die Europameister nutzen ihren Empfang bei Kanzlerin Angela Merkel, um auf ein dringendes Anliegen hinzuweisen.

Von René Hofmann, Berlin/München

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat ihren Concours d'Élégance fortgesetzt. Am Mittwoch wurden die Europameister in der Sky-Lobby des Kanzleramtes von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Die Regierungschefin gratulierte dem Team mit den Worten: "Seien Sie stolz auf das, was Sie erreicht haben! Sie haben große Freude verbreitet und eine Sportart, die sonst nicht ganz so im Mittelpunkt steht, gut vertreten." Vor allem "Teamgeist und Nervenstärke" während des Turniers in Polen hätten sie beeindruckt, sagte die 61-Jährige: "Es war ein unglaublicher Wille da."

Fingerzeig: Einige Spieler der deutschen Handball-Auswahl imitierten beim Gruppenbild die typische Handhaltung der Kanzlerin.

(Foto: Tobias Schwarz/AFP)

Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson genoss den Empfang sichtlich. Kapitän Uwe Gensheimer formte beim Gruppenbild die Merkel-Raute. "Eigentlich wollten wir das alle machen, aber ich wurde von der Mannschaft ein bisschen im Stich gelassen", erklärte der Linksaußen, der den Triumph im Januar verletzungsbedingt verpasst hatte.

Als Geschenk überreichte Andreas Michelmann, seit September 2015 Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), der Kanzlerin ein von allen Spielern signiertes Deutschland-Trikot mit der Nummer eins und dem Schriftzug "Merkel" auf dem Rücken. Der 56-Jährige nutzte den 15-minütigen Auftritt, um ein Anliegen vorzutragen: "Wir haben ein Problem, wo wir wirklich Ihre Hilfe brauchen", richtete er sich an Merkel. Viele Millionen Menschen hätten die EM bei ARD und ZDF verfolgt, die Sportart habe dadurch einen neuen Schub bekommen. Bei der WM der Männer Anfang nächsten Jahres in Frankreich sowie der Frauen Ende 2017 in Deutschland könnte das aber nicht so kommen. "Wir hoffen, dass die Weltmeisterschaft 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wird", so Michelmann: "Falls wir es alleine nicht schaffen können, bitten wir um Hilfe."

Selfie mit Fan: die Handball-Europameister und die Kanzlerin.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nach derzeitigem Stand wird die WM nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein. Wie schon bei der WM 2015 in Katar erlaubt Rechte-Inhaber beIN Sports, eine Tochtergesellschaft von Al Jazeera, keine Übertragung auf unverschlüsselten Satellitensendern. Am Freitag treffen sich die DHB-Funktionäre mit Weltverbandspräsident Hassan Moustafa in Leipzig zu Sondierungsgesprächen, um doch noch eine andere Lösung zu finden.

Merkel äußerte sich zu der Bitte nicht näher. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in diesem Sommer in Rio wünschte sie dem Team "eine glückliche Hand" und merkte an, es könne auch Vorteile haben, nicht als Favorit in ein Turnier zu gehen.

Die Olympia-Vorbereitungen beginnen mit zwei Testspielen gegen den WM-Zweiten Katar, am Freitag in Leipzig (18 Uhr/ARD) und am Sonntag in Berlin (15 Uhr/Sport1). Vier prominente Akteure, die beim EM-Sieg fehlten, werden dann ihr Comeback geben: Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Paul Drux und Silvio Heinevetter. Nach Rio darf Bundestrainer Sigurdsson nur 14 Spieler mitnehmen. "Für mich gibt es bei den Nominierungen nicht die Trennung zwischen Europameistern und anderen", kündigte der Isländer in der Handballwoche an. Deshalb warnt er: "Man soll Siege nicht zu lange feiern."