Heute beginnt in Dortmund der Supercup - und die öffentlich-rechtlichen Sender sind live dabei. Das ist beileibe nicht die Regel. Der Titelgewinn Anfang Februar hat so einiges angestellt mit Handball-Deutschland.
Der Supercup der Handballer: "Eines der größten Turniere weltweit", sagt Heiner Brand, der Bundestrainer. Neben Weltmeister Deutschland sind dabei: Rekord-Olympiasieger Russland, Rekord-Europameister Schweden, der WM-Zweite Polen und die starken Tschechen und Serben. Bessere Handballmannschaften gibt es kaum. Seit vielen Jahren schon treffen sie sich in Dortmund zum herbstlichen Kräftemessen - ein Fest für Handball-Fans.
Martin Heuberger, Jugendnationaltrainer und Assistent von Heiner Brand (© Foto: DHB)
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Doch wer keine Eintrittskarte für die Westfalenhalle ergattern konnte, sah davon meist: nichts. Handball in ARD und ZDF war bis zum 4. Februar 2007 eher Glückssache: alle Jubeljahre mal ein paar Minuten in der Sportreportage oder der Sportschau; auch das Aktuelle Sportstudio konnte sich selten aufraffen, und wäre in den vergangenen zehn Jahren da nicht dieser über und über tätowierte Linksaußen mit seiner Freundin Franzi van Almsick gewesen, man hätte noch weniger von diesem Sport mitbekommen.
Wenn heute um 17.25 Uhr mit Deutschland - Russland das erste Spiel des Supercups angepfiffen wird, ist alles anders. ARD und ZDF übertragen bis Sonntag alle Spiele der deutschen Mannschaft: live. Der Titelgewinn Anfang Februar hat so einiges angestellt mit Handball-Deutschland. Konkrete Zahlen zur Mitgliederbewegung liegen bislang noch nicht vor, doch egal mit wem man spricht: Alle reden von Zulauf, Zulauf, Zulauf.
Deutlich sichtbar ist die Veränderung auf dem Bildschirm. Eurosport berichtet von der Champions League und verzeichnet damit Zuwächse von bis zu 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. DSF überträgt seit Jahren während der Woche Bundesligaspiele. WDR und NDR haben sich zur neuen Saison zusammengetan und senden jeden Samstag zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr eine Art Handball-Sportschau: Berichte von drei Bundesliga-Spielen. Axel Balkausky, neuer Sportchef beim NDR, freut sich über eine halbe Million Zuschauer und Quoten von bis zu zehn Prozent.
Mit dem WDR-Kollegen Steffen Simon ist eine Kooperation für zwei Jahren verabredet. Bislang ist man sehr zufrieden. "Wenn wir irgendwann mal eine neue Sportart neben dem Fußball aufbauen wollen, dann jetzt", sagt Balkausky. Im Nachhinein muss man der Kölner Musikanten-Combo Höhner angesichts ihres WM-Songs prophetische Gaben attestieren. Sie sangen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"
Niemand ahnte, dass das Frühjahr 2007 mit so vielen deutschen Titeln enden würde. Zuerst der überraschende WM-Gewinn, dann der Dreifach-Triumph im Europapokal. Am 29. April gewannen deutsche Klubs sämtliche europäischen Wettbewerbe: der SC Magdeburg den EHF-Pokal, der THW Kiel die Champions League und der HSV Hamburg den Europapokal der Pokalsieger - mehr geht nicht. Der größte Handballverband der Welt (827.000 Mitglieder in 5500 Vereinen mit etwa 33.000 Mannschaften, Zahlen von 2006) ist obenauf.
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