Handball Viele Fehlwürfe

Ein neues Gesicht mit zwei Gesichtern: Christian Dissinger warf am Samstag gegen Island acht Tore - am Sonntag gelang ihm nur eines.

(Foto: Sascha Klahn/Getty)

Die deutschen Handballer verabschieden sich mit einer 24:27-Niederlage gegen Spanien zur EM in Polen. Viele Spieler wirken fahrig und ausgelaugt.

Generalprobe verpatzt: Die deutschen Handballer reisen mit einigen Problemen zur EM nach Polen. 24 Stunden nach dem hart erkämpften 26:25-Erfolg gegen Island verlor die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson gegen die Skandinavier am Sonntag in Hannover verdient mit 24:27 (12:15) und kassierte ausgerechnet im letzten Härtetest sechs Tage vor dem EM-Auftaktspiel gegen Mitfavorit Spanien ihre erste Testspiel-Niederlage.

Nach dem couragierten Auftritt am Vortag offenbarte die neu formierte Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Sonntag in Angriff wie Abwehr einige Baustellen. Anstatt sich mit einem Erfolg nach Breslau zu verabschieden, beendete der WM-Siebte, der am vorigen Dienstag noch Tunesien (37:30) bezwungen hatte, seine EM-Vorbereitung mit der Bilanz von zwei Siegen in drei Spielen.

Am Sonntag rieben sich viele der 10 050 Zuschauer in der ausverkauften Arena in Hannover verwundert die Augen. Die deutschen Spieler wirkten überraschend ausgelaugt und uninspiriert. Vorne agierte das Team um Kapitän Steffen Weinhold (fünf Tore) vom THW Kiel zu fahrig und warf deutlich zu viele Fahrkarten, hinten fehlte es an der nötigen Aggressivität.

Im ersten Abschnitt war es einzig der Treffsicherheit des Kieler Linksaußen Rune Dahmke (insgesamt fünf Tore) zu verdanken, dass die Isländer nicht noch weiter enteilten. Doch schon kurz nach dem Seitenwechsel schienen die Fronten beim 12:18 (33.) geklärt zu sein.

Noch am Samstag hatte vor allem der Rückraum um Christian Dissinger (Kiel) und Steffen Fäth (Wetzlar) überzeugt. Dissinger, schon beim Test-Auftakt gegen Tunesien bester Werfer, avancierte mit acht Treffern zum Matchwinner und wies den Weg beim Handball-Krimi von Kassel, den Rechtsaußen Johannes Sellin mit seinem Tor 75 Sekunden vor Abpfiff besiegelte.

"So eine Erfahrung ist für uns im Hinblick auf die EM Gold wert", hatte Torhüter Carsten Lichtlein am Samstag gesagt: "Die Abwehr war deutlich stabilisiert, jetzt müssen wir nur noch die technischen Fehler im Angriff abstellen." Dies gelang am Sonntag nicht - war allerdings wohl auch dem Kräfteverschleiß in der Testphase geschuldet.

Die Spiele gegen Island waren für das deutsche Team der letzte Gradmesser vor der EM. Nach den verletzungsbedingten Absagen von vier Stammspielern - unter ihnen auch der langjährige Kapitän Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen - schickt Sigurdsson ein international weitgehend unerfahrenes Team ins Rennen.

In Breslau/Polen trifft das deutsche Team am 16. Januar (18.30 Uhr/ZDF) zunächst auf Ex-Weltmeister Spanien. Weitere Vorrundengegner in der Gruppe C sind Schweden (18. Januar/20.30/ARD) und Slowenien (20. Januar/17.15/ZDF).