Von Christian Zaschke

Die Kieler Justiz ermittelt "unter Hochdruck", ob an den Bestechungsvorwürfen gegen den THW Kiel etwas dran ist. Die Vorwürfe stehen weiter im Raum.

Möglich wäre es gewesen am Montagabend in Wien: Bei der Auslosung zum Viertelfinale der Handball-Champions-League hätte es zur Neuauflage des Finales von 2007 kommen können: Kiel gegen Flensburg. Das wäre - da sich der THW Vorwürfen ausgesetzt sieht, das Finale von 2007 verschoben zu haben - eine brisante Ansetzung gewesen. Die Kieler hätten auch auf die Mannheimer Rhein-Neckar Löwen treffen können. Ebenfalls brisant, da die Manipulationsvorwürfe auf einem Protokoll einer Gesellschaftersitzung der Mannheimer beruhen.

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Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten." Jesper Nielsen, Gesellschafter der Rhein Neckar Löwen. (© Foto: Getty)

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Er ergaben sich allerdings andere Partien, die Flensburger treffen auf den HSV Hamburg, Kiel tritt gegen Zagreb an, die Löwen müssen sich mit Medwedi Moskau auseinandersetzen. Gespielt wird März/April, und derzeit steht nicht zu erwarten, dass die Angelegenheit bis dahin vollständig geklärt ist.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt "unter Hochdruck", wie der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick sagt. Derzeit wird in der Behörde gesichtet, was bei mehreren Durchsuchungen am Wochenende beschlagnahmt wurde. Zudem wurden erste Zeugen vernommen, Andreas Rudolph zum Beispiel, der Präsident des HSV Hamburg, hat sich geäußert. "Die Staatsanwaltschaft hat mich angerufen. Ich habe eine schriftliche Aussage getätigt und sie der Behörde per Mail zukommen lassen. Diese Aussage würde ich beeiden", sagte Rudolph der Hamburger Morgenpost.

Bei einem Treffen auf Rudolphs mallorquinischer Finca soll THW-Manager Uwe Schwenker laut Spiegel-Bericht vor Zeugen Bestechung beim Champions-League-Finale zugegeben haben. Rudolph hatte dies nicht bestätigt und gesagt, er werde sich zur Sache äußern, wenn er von offizieller Stelle befragt werde.

Flensburg klagt nicht

Der dänische Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat seine Vorwürfe wiederholt. "Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten", sagte er dem Mannheimer Morgen. Diese Papiere hätten auch Löwen-Manager Thorsten Storm sowie ein Anwalt des Klubs gesehen. Auch wiederholte Nielsen, dass Schwenker ihm gegenüber Manipulation zugegeben habe.

Die SG Flensburg-Handewitt als potentiell Geschädigte einer möglichen Bestechung, sieht einstweilen von einer Klage ab. "Es gibt derzeit keinen konkreten Beweis und deshalb für uns keinen Grund, mehr Öl ins Feuer zu gießen", sagte SG-Manager Fynn Holpert der SZ. "Wir hoffen, dass herauskommt, dass an den Vorwürfen nichts dran ist", führte er aus, "aber wird sind auch froh, dass die Sache jetzt von unabhängiger Seite untersucht wird."

Zudem sei er froh, dass auch die Gesellschafter des THW Kiel die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ausdrücklich begrüßen. "Es muss alles restlos aufgeklärt werden", sagte Holpert, "und wenn sich dann herausstellt, dass an der Sache nichts dran ist, dann ist das nicht nur für den Handball das beste, sondern auch für die SG."

Sollte sich allerdings herausstellen, dass der THW Kiel beim Finale von 2007 tatsächlich die Schiedsrichter bestochen habe, will die SG Regressforderungen wegen entgangener Prämien stellen, die von Sponsoren oder dem Europäischen Handballverband (EHF) geflossen wären. "Es wäre unsere Pflicht zu reagieren", sagte Holpert, "unseren Gesellschaftern, unseren Sponsoren und unseren Fans gegenüber."

Er geht zudem davon aus, dass in diesem Fall der Titel von 2007 automatisch an die SG falle. Vorstellen kann sich Holpert nicht, dass die Kieler tatsächlich bestochen haben, "nein, immer noch nicht. Ich bin schockiert über die Vorwürfe", sagte er.

Bei der für den Fall zuständigen EHF, die bisher nichts unternahm, hat man sich nun überlegt, zunächst die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen abzuwarten.

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