Handball Revolutionäres Staubwischen

Ungeahnte Reichweiten: Paris mit Nikola Karabatic (Mitte) und der THW Kiel sind zwei potenzielle Kandidaten für die Premier Handball League.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Am Rande der Handball-Europameisterschaft in Polen ist von einer neuen Spitzenliga die Rede, in der sich von 2019 an Europas beste Mannschaften messen sollen. Der Plan findet nicht nur Zustimmung.

Von Joachim Mölter, Breslau

Ein neues Produkt drängt auf den Handball-Markt, es hat schon einen Namen: Premier Handball League, kurz PHL. Es hat auch ein Logo: einen gelben Ball, umfasst von einer weißen Hand. Es hat sowohl eine Postanschrift, in Zürich, als auch eine E-Mail-Adresse, @phl-ag.ch. Es gibt Investoren, die (noch) nicht genannt werden (wollen), und es gibt einen Geschäftsführer, der genannt werden darf, Wolfgang Gütschow, einst Manager des russischen Nationalteams und gut vernetzter Spielerberater. Was das Produkt noch nicht hat, ist ein Inhalt: Mannschaften und Vereine, die mitmachen. Ohne die geht es aber nicht. Ohne die ist alles andere Makulatur. Noch.

Das Fernziel ist eine "weltweite NBA des Handballs"

Die vom Handelsblatt in seiner Montag-Ausgabe verbreitete Nachricht vom geplanten Start der europäischen Spitzen- liga PHL im Jahr 2019 hat in der Szene für mächtig Aufsehen gesorgt. Bei der EM in Polen ist von einer "Revolution" die Rede. Und von einer "Riesenchance". "Alle haben erkannt, dass sich was ändern muss im Handball", sagt Bob Hanning, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund und hauptamtlich Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin: "Die internationalen Verbände sollten sich auch Gedanken machen. Da kucken einige aus dem Fenster und merken nicht, dass die Rollläden zu sind."

Der Weltverband IHF sowie die Europa-Organisation EHF, so der weitverbreitete Tenor, ließen den traditionsreichen Sport vor sich hindämmern. "Handball ist im derzeitigen Format noch nicht einmal mehr in Europa effizient vermarktbar", sagt Wolfgang Gütschow, die treibende Kraft hinter der PHL: "Wir müssen den Handball erst einmal vom Staub des 20. Jahrhunderts befreien und vor allem von den unsinnigen Spielregeln, die sich greise Verbandskommissare immer wieder neu ausdenken."

Das Konzept, mit dem die als Aktiengesellschaft bereits im Züricher Handelsregister eingetragene PHL antritt, klingt bereits sehr konkret: Sie ist als Lizenz- oder Franchise-Unternehmen geplant, ähnlich wie die US-amerikanischen Profiligen; die Saison soll von Februar bis Dezember dauern mit zunächst zwölf Teams, die in Hin- und Rückrunde gegeneinander antreten und danach im Modus "Best of three" Playoffs der besten Acht ausspielen. Fernziel, so Gütschow, sei "eine weltweite NBA des Handballs".

Dafür will die PHL erst einmal Klubs anwerben aus Großstädten wie Barcelona, Paris oder Moskau. Außerdem sollen die nationalen Marktführer dabei sein. Aus Deutschland sind der Rekordmeister THW Kiel sowie der aktuelle Klub-Weltmeister Füchse Berlin im Gespräch. Beide stehen dem Angebot offenkundig aufgeschlossen gegenüber: "Wenn das Ganze so umgesetzt wird wie geplant, sind Reichweiten und Werbetöpfe möglich, an die unser Sport sonst nicht herankommen würde", sagte Kiels Geschäftsführer Thorsten Storm dem Sport-Informations-Dienst (sid). Auch Gerd Butzek, der Geschäftsführer der im Forum Club Handball (FCH) zusammengeschlossenen europäischen Spitzenvereine, glaubt, dass "das finanzielle Ergebnis für die Klubs besser sein" werde als in der von der EHF organisierten Champions League. "Es ist auf jeden Fall ein spannendes Projekt", sagt Butzeck.

Von der EHF war bis zum Montagnachmittag keine Stellungnahme zu bekommen. Es ist aber anzunehmen, dass man dort nicht erfreut über die neue Konkurrenz ist. Zumal die bereits den langjährigen EHF-Marketingchef Peter Vargo abgeworben hat. In der Szene wird das als Indiz gewertet dafür, wie ernsthaft die Pläne sind. Wie zu hören ist, legt es die PHL nicht auf eine Konfrontation mit nationalen Ligen oder internationalen Verbänden an. "Ein Konsens zwischen allen Beteiligten wäre gut", findet Bob Hanning, der als Klub- und Verbandsfunktionär beide Seiten des Geschäfts kennt. Der Spielbetrieb der Bundesliga dürfe jedenfalls nicht beeinträchtigt werden, darin sind sich Hanning und Storm einig. Gütschow hofft, dass man "nicht schon Hürden in den Weg stellt, bevor es überhaupt einen Parcours gibt".

Denn noch gibt es ja nichts Unterschriftsreifes. Die PHL will den interessanten und interessierten Klubs in den nächsten Monaten ihr Konzept erst noch im Detail vorstellen und im Juli dann selbst mit den konkreten Planungen beginnen. "Und bis dahin", sagt Wolfgang Gütschow, "möchten wir den Klubs Zeit geben, unser Geschäftsmodell gewissenhaft zu prüfen und dann zu entscheiden, ob sie als Gesellschafter in die PHL eintreten wollen."