Zur heute beginnenden EM-Qualifikation beruft Handball-Bundestrainer Heiner Brand nur sieben Spieler aus dem Weltmeister-Kader von 2007.
Kürzlich hat der Deutsche Handball-Bund eine bunte Broschüre herausgegeben, in der viele Zahlen untermauern sollen, wie beliebt Handball mittlerweile in Deutschland ist. Unter anderem gibt es eine Liste der bekanntesten Akteure, die selbstverständlich der Bundestrainer anführt, Heiner Brand. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Henning Fritz, Florian Kehrmann und Markus Baur. Nun hat Brand sein Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele berufen, an diesem Mittwoch geht es gegen Bulgarien, am Sonntag steht die Partie in Slowenien an. Es fehlen: Henning Fritz, Florian Kehrmann und Markus Baur, der seine Karriere beendet hat.
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Zivilist: Wenn die Nationalmannschaft spielt, wird man Weltmeister Henning Fritz künftig nicht mehr im Sportdress sehen. (© Foto: Getty)
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Am Fehlen der bekanntesten Namen lässt sich am besten ablesen, was gerade im deutschen Handball passiert: Brand hat einen radikalen Umbruch eingeleitet. Anfang 2007 ist das Team Weltmeister geworden, doch von diesem Glanz ist nicht mehr viel übrig. "Die Weltmeisterschaft ist jetzt endgültig abgehakt", sagt Brand. Er hat Fritz und Kehrmann nicht für sein Aufgebot nominiert, obwohl sie fit und bereit waren - "vorerst" heißt es nun, aber das Zeichen ist klar: Nichts soll bleiben, wie es ist. Wie im Fußball sind die sogenannten verdienten Nationalspieler darüber nicht besonders glücklich. Laut Spiegel Online ließ Kehrmann verlauten, dass die bevorstehende WM im Januar in Kroatien nicht die höchste Motivation für einen Handballer darstelle. Zu fragen wäre: Wenn nicht die WM - was dann?
Dass Kehrmann zurückkommt, ist derzeit immerhin vorstellbar, anders ist es bei Christian Zeitz. Immer wieder gab es Diskussionen um seine Auftritte im Nationaltrikot, mittlerweile tut sich der Kieler das nicht mehr an. Er ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten und konzentriert sich auf seinem Klub.
Aus der Mannschaft, die 2007 die WM gewann, stehen lediglich sieben Spieler im aktuellen Kader. Brand zieht damit die Konsequenzen aus den Leistungen des Jahres 2008. Bei der EM zu Jahresbeginn wurde das Team zwar immerhin Vierter, es konnte jedoch spielerisch nicht überzeugen und verabschiedete sich mit einer demütigenden Niederlage gegen Frankreich vom Turnier. In der Folge gönnte Brand einigen Spielern eine Denkpause. Bei den Olympischen Spielen scheiterte der Weltmeister in der Vorrunde, was bedeutete, dass einige Debatten begannen. Es folgte mal wieder die Diskussion um eine Quotenregelung, die dafür sorgen soll, dass mehr deutsche Spieler in der Bundesliga zum Einsatz kommen. Das ist ein ewiges Thema im deutschen Handball, und eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Klubs haben kein Interesse an einer solchen Regelung.
Zuletzt hat Brand angeregt, es sollten nur die jeweiligen Landesmeister in der Champions League antreten; er will auf diese Weise dafür sorgen, dass die Profis weniger Spiele absolvieren müssen. Auch das wird mit den Klubs nicht zu machen sein - zumal viele Champions-League-Partien live im Fernsehen übertragen werden, die jetzt anstehenden Länderspiele hingegen nicht oder lediglich in Ausschnitten. Am Terminwahnsinn im Handball wird sich also einstweilen nichts ändern, im Gegenteil: Die nun anstehende EM-Qualifikation ist zusätzlich in den Kalender gekommen.
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