Handball-EM "Keine Botschaften"

Der europäische Handball-Verband verteidigt sein Last-Minute-Verbot für das Tragen einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde beim Turnier.

Von Joachim Mölter, Wroclaw

In dem Moment, in dem Schwedens Handballer am Samstag zu ihrem EM-Auftaktspiel gegen Slowenien antraten, war klar, dass die Regenbogenbinde kein Thema mehr ist. Ihr Kapitän Tobias Karlsson führte die Schweden mit einem blauen Armband zum 23:21-Erfolg. Ursprünglich wollte Karlsson mit einer bunten, sechsfarbig gestreiften Binde auflaufen, um für Toleranz gegenüber Homosexuellen zu werben. Die Geste war indes auch als Affront gegen die neue, erzkonservative Regierung im EM-Gastgeberland Polen interpretiert und vom europäischen Handballverband EHF untersagt worden - mit Verweis auf die Regularien zu einer einheitlichen, farblich passenden Spielkleidung. Nicht nur im schwedischen Team wurde das Verbot enttäuscht zur Kenntnis genommen. "Das ist eine Entscheidung der EHF", sagte sein Torwart Mattias Andersson, "die muss das jetzt erklären."

Was der EHF-Präsident Jean Brihault aus Frankreich am Wochenende fleißig tat. In Wroclaw ließ er durchblicken, dass er persönlich durchaus Sympathien für das Anliegen der Schweden hege, es aber als Verbandschef nicht durchgehen lassen könne. "In den EHF-Statuten ist festgelegt, dass wir keine politischen Erklärungen abgeben. Wenn wir das erlauben, dann kommt einer mit der Forderung nach offenen Grenzen, ein anderer mit der nach geschlossenen Grenzen. Wenn jemand mit den Regenbogenfarben kommt, kommt ein anderer mit einem Anti-Schwulen- Slogan", sagte Brihault der SZ. Eine Einflussnahme der polnischen Behörden, die vielfach vermutet worden war, habe es nicht gegeben, versicherte er: "Es ist kein einziges Wort darüber gewechselt worden. Das ist zu 100 Prozent eine Entscheidung der EHF."

Brihault wehrte sich zudem gegen den Eindruck, dass sein Verband die Meinungsfreiheit von Aktiven unterbinden wolle: "Ich erwarte nicht, dass die Athleten zu gesellschaftlichen Themen schweigen. Ich begrüße es, wenn sie aktiv sind - aber nicht auf dem Spielfeld." Auch eine Diskriminierung von Homosexuellen bestritt er: "Das kümmert uns nicht, damit haben wir kein Problem." Das hat offenbar eher der Weltverband IHF; dem wird vorgeworfen, bei der jüngsten WM im Dezember zwei weibliche Funktionäre wegen ihrer sexuellen Orientierung bei der Auswahl der technischen Delegierten übergangen zu haben.

In der schwedischen Delegation sind sie einstweilen zufrieden, das Thema überhaupt ins Gespräch gebracht zu haben. Weitere Aktionen sind während der EM nicht geplant, versicherte Trainer Ola Lindgren: "Es gibt ja schon Geldstrafen, wenn man die falschen Wasserflaschen dabei hat." In der Tat sanktionierte die EHF bereits die Teams aus Frankreich und Mazedonien, weil deren Spieler keine einheitlichen Socken getragen hatten. Das macht ja auch keinen guten Eindruck.