In einem packenden Handball-Match hat Deutschland einen 16:18-Halbzeit-Rückstand gegen Schweden noch in ein 31:29 umgewandelt. Damit ist das Team von Heiner Brand doch noch ins Halbfinale eingezogen. Allerdings gibt es einen dicken Wermutstropfen.

Die deutschen Handballer lagen sich in den Armen, die Fans stimmten Jubelgesänge an und Bundestrainer Heiner Brand atmete kräftig durch: Der Weltmeister hat sich bei der Europameisterschaft in Norwegen mit einem großen Kämpferherz ins Halbfinale gezittert und darf weiter vom zweiten EM-Trumph nach 2004 träumen.

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Der Olympia-Zweite besiegte im entscheidenden Gruppenspiel Rekord-Europameister Schweden nach einer spannenden aber keineswegs hochklassigen Begegnung 31:29 (16:18) und trifft im Kampf um die Medaillen in der Vorschlussrunde am Samstag (15.30 Uhr/live in der ARD) in Lillehammer auf den WM-Dritten Dänemark.

"Die Dänen haben sich nicht Deutschland gewünscht. Wir müssen jetzt da weitermachen und unsere verletzten Spieler ersetzen", sagte Torhüter Johannes Bitter, der in der hektischen Schlussphase den 36. Sieg im 91. Vergleich mit den Schweden festhielt. Beste Werfer bei der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) waren Holger Glandorf und Pascal Hens mit jeweils sieben Toren.

"Das war die beste Angriffsleistung von uns bei diesem Turnier. Es wäre bitter, wenn wir dieses Spiel verloren hätten", meinte Brand, der aber auch einen Schock verkraften musste. Abwehrstratege Oliver Roggisch schied in der 38. Minute mit Verdacht auf Muskelfaserriss in der Wade aus und wird der Mannschaft in der entscheidenden Turnierphase fehlen.

Im Gegensatz zur Niederlage im hart umkämpften Top-Duell mit Titelverteidiger Frankreich kam der deutsche Angriff vor 2915 Zuschauern in Trondheim zunächst besser ins Spiel. Glandorf und Hens warfen aus dem Rückraum leichte Tore, am Kreis wurde Andrej Klimovets gut eingesetzt. Die Folge war eine 9:7-Führung in der 13. Minute.

In der Abwehr hatte die DHB-Auswahl mit dem variablen Spiel der jungen schwedischen Mannschaft, die an alte Glanzeiten beim Weltmeister von 1999 anknüpfen will, allerdings einige Probleme.

Oliver Roggisch und Co. ließen in einigen Situationen die notwendige Aggressivität vermissen, um den guten schwedischen Rückraum mit dem Kieler Kim Andersson und Martin Boquist in den Griff zu bekommen.

Bundestrainer Heiner Brand, der auf der Spielmacherposition zunächst Routinier Markus Baur im Gegensatz zu Michael Kraus den Vorzug gab, forderte während einer Auszeit lautstark und eindringlich "mehr Bewegung" von der Deckung. Aber auch der Angriff leistete sich ab Mitte der ersten Halbzeit zu viele leichte Ballverluste, sodass die Skandinavier in einer zerfahrenen Begegnung bis zur 22. Minute auf zwei Tore davonzogen (11:13). Zudem hatten die Torhüter Bitter und WM-Held Henning Fritz zunächst nicht ihren besten Tag erwischt.

Die mit vier Bundesliga-Legionären angetretenen Schweden wirkten auch zu Beginn des zweiten Durchgangs entschlossener und hielten ihren knappen Vorsprung (21:19/37.) - Deutschland hatte derweil in Glandorf und Rechtsaußen Florian Kehrmann seine Aktivposten.

Erschwerend hinzu kam beim deutschen Team der Schock über die Verletzung von Roggisch, der ab der 38. Minute auf der Bank Platz nahm. "Ich tippe auf einen Muskelfaserriss in der Wade", meinte Roggisch enttäuscht.

Davon unbeeindruckt kämpfte sich der Weltmeister aber zurück ins Spiel und ging durch Tore von Glandorf und Kehrmann nach langer Zeit wieder in Führung (24:22/42.). Die Abwehr agierte nun konzentrierter, der Angriff nutzte seine Chancen besser. Die Vorentscheidung fiel in der 56. Minute, als sich Deutschland erstmals auf drei Tore absetzte (30:27).

Die deutsche Mannschaft reist nun am Freitagmorgen um 8.30 Uhr mit dem Bus nach Lillehammer, wo am Samstag das Halbfinale ausgetragen wird.

Deutschland - Schweden 31:29 (16:18). - Spieler und Tore für Deutschland: Glandorf (7), Hens (7), Kehrmann (5), Baur (5/4), Klimovets (4), Zeitz (2), Preiß (1), Kraus, Jansen Klein, Roggisch, Fritz, Bitter

Tore für Schweden: Andersson (9), Boquist (6), Lennartsson (4/1), Doder (3), Lundström (2), Källman (1), Arrhenius (1), Ahlm (1), Larholm (1/1), Carlen (1) - Schiedsrichter: Visekruna/Stanojevic (Serbien). - Zeitstrafen: 5-4. - Siebenmeter: 4/5-4/7. - Zuschauer: 2915 in Trondheim.

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(sueddeutsche.de/sid/bosw)