Handball-EM Deutsche Handballer drehen packendes Spiel

Germany's goalkeeper Andreas Wolff reacts after the Men's 2016 EHF European Handball Championships match between Sweden and Germany in Centennial Hall in Wroclaw on January 18, 2016. Germany won the match 27 - 26. / AFP / JANEK SKARZYNSKI

(Foto: Kanek Skarzynski/AFP)

Dank des überragenden Torhüters Andreas Wolff siegt die deutsche Handball-Nationalmannschaft im zweiten EM-Gruppenspiel gegen Schweden 27:26. Dabei lag sie vor der Pause noch mit vier Toren hinten.

Von Joachim Mölter, Breslau

Eine Szene, die viel aussagt über die Unerfahrenheit der deutschen Handball-Nationalmannschaft, die gerade bei der EM in Polen antritt: In ihrem Vorrundenspiel gegen Schweden hatte sie nach zähem Beginn gerade zum 10:10 ausgeglichen (18. Minute), war dann aber wegen einer Zeitstrafe in Unterzahl geraten. An der Seitenlinie zog sich der Rückraumspieler Niclas Pieczkowski für den nächsten Angriff ein gelbes Leibchen über, um als Feldspieler den Platz des Torwarts einzunehmen. Aber Pieczkowski rannte dann schon aufs Feld, ehe Andreas Wolff es verlassen hatte - das gab gleich die nächste Zwei-Minuten-Strafe und mündete in einen 10:14-Rückstand.

Es spricht allerdings für Potenzial und Willensstärke der jungen Auswahl von Bundestrainer Dagur Sigurðsson, dass sie nicht einbrach, sich nicht aufgab, sich nicht hängenließ - sondern das Geschehen noch wendete. Mit einem Zwischenspurt glich sie aus (18:18/36.), mit einem 5:0-Lauf setzte sie sich ab (24:20/45.). Die Führung verteidigte die Mannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB) trotz einer weiteren doppelten Unterzahl samt roter Karte für den Rückraumspieler Christian Dissinger in der Schlussphase, in der Jahrhunderthalle von Wrocław, dem ehemaligen Breslau, gewann sie 27:26 (13:17).

Torwart Andreas Wolff war dabei der große Rückhalt mit 13 Paraden bei 31 Würfen, im Angriff sorgten die Flügelspieler Tobias Reichmann (neun) und Rune Dahmke (vier) sowie Kapitän Steffen Weinhold (fünf) in der Mitte für die meisten Tore.

Im abschließenden Gruppenspiel reicht jetzt ein Unentschieden

"Das war ein heißes Spiel. Riesenkompliment an die Jungs. Sie haben großartig gekämpft und Mut gezeigt", sagte Bundestrainer Dagur Sigurðsson und der überragende Torhüter Wolff ergänzte: "Was man in solchen Spielen braucht, sind Emotionen. Ich habe versucht, Signale von hinten zu senden. Die Freude ist jetzt riesengroß." Um in die Hauptrunde der besten Zwölf zu kommen, reicht den deutschen Handballern im abschließenden Gruppenspiel gegen Slowenien am Mittwoch (17.15 Uhr/ZDF) nun sogar ein Unentschieden. Spanien (3:1 Punkte) hat die nächste Runde bereits erreicht, trotz des 24:24 gegen Slowenien (1:3). Deutschland und Schweden haben jeweils 2:2 Zähler.

Was sie gegen den Rekord-Europameister erwarten würde, hatten die deutschen Handballer gewusst: eine kompakte, körperbetonte Abwehr mit einem überragenden Torwart dahinter, dem für die SG Flensburg haltenden Mattias Andersson; dazu ein schnelles Spiel nach vorne. Auf genau diese Mittel hatte die Auswahl von Dagur Sigurðsson vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Katar gebaut und damit einen respektablen siebten Platz erreicht.