Handball Deutsche Handballer preschen Richtung Zukunft

Steffen Weinhold führt das junge deutsche Team an.

(Foto: Getty Images)
  • Bundestrainer Sigurðsson hat aus einer Ansammlung von Talenten eine widerspenstige Einheit geformt.
  • Mit dem 25:21 im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien hat sie sogar weiter Olympia-Chancen.
Von Joachim Mölter, Breslau

Man konnte geradezu sehen, wie die Anspannung in den Körpern der deutschen Handballer nachließ, wie sich die Muskeln entspannten, wie der Druck wich, der auf ihnen gelastet hatte in ihrem letzten Vorrundenspiel bei dieser Europameisterschaft in Polen. Sieg oder Niederlage, Weiterkommen in die Hauptrunde oder nach Hause fahren - darum war es in der Partie gegen Slowenien gegangen. Erleichtert fielen sich die deutschen Männer in die Arme und klopften sich gegenseitig auf Schultern und Rücken, als sie den Sieg errungen hatten. 25:21 (12:10) lautete das Ergebnis, die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bleibt nun in Wrocław, dem früheren Breslau, wo schon am Freitag die nächste Runde beginnt. Gegner sind dann Dänemark, Russland und Ungarn. Aus der Vorrunde nehmen die Deutschen die beiden Punkte aus dem 27:26-Erfolg gegen Schweden mit; die Zähler gegen die ausgeschiedenen Slowenen werden aus der Wertung gestrichen. "Wir freuen uns tierisch auf die Hauptrunde", sagte der Rückraumspieler Steffen Fäth, "dort wollen wir so viel wie möglich rausholen."

Mit dem Einzug in die Runde der zwölf besten europäischen Teams hat die DHB-Auswahl freilich schon ihr EM-Ziel erreicht. Mehr war vor Turnierbeginn nicht zu erwarten von einer Mannschaft, die von etlichen Verletzungen erfahrener Spieler gebeutelt war und notgedrungen mit 14 EM-Neulingen angereist war. Dafür hat sie viel erreicht, wie auch Sloweniens Trainer Veselin Vujovic anerkannte: "Das ist eine junge Mannschaft mit einer großen Zukunft, sehr gut gecoacht", lobte der ehemalige Welthandballer.

Erstmals hielt auch die Abwehr stand - eine Basis für die nächsten schweren Spiele

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Dass die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurðsson steigerungsfähig ist, hat sie bereits im Verlauf des Turniers bewiesen. In der Partie gegen Slowenien hielt erstmals auch die Abwehr stand, "das war der Grundstein", sagte der Kieler Linksaußen Rune Dahmke.

Das DHB-Team kam am Mittwoch-Nachmittag in der Jahrhunderthalle von Wrocław auch besser ins Spiel als zuvor beim 29:32 gegen den WM-Vierten Spanien (nach 11:18-Rückstand) und dem 27:26 gegen den Rekord-Europameister Schweden (nach 10:14-Rückstand). "Ein guter Start ins Spiel würde einiges einfacher machen und die Nerven schonen", hatte Deutschlands bislang bester Torschütze Tobias Reichmann (insgesamt 19 Treffer, elf per Siebenmeter) gehofft. So ganz ohne Anfangsprobleme ging es aber nicht.

Rückraumspieler Christian Dissinger durfte nach seiner roten Karte in der Schlussphase des Schweden-Spiels zwar wieder mitmachen; sein von den Schiedsrichtern mit einer direkten Disqualifikation geahndetes Foul wurde von der Disziplinarkommission der EHF als nicht so schwerwiegend angesehen, dass es eine weitere Sperre nach sich ziehen müsste.