Von Christian Zaschke

Der THW Kiel erreicht das Halbfinale der Champions League - doch für Schlagzeilen sorgt ein weiterer Zeuge, der Manager Schwenker in der Bestechungsaffäre belastet .

Durch 1000 Seiten haben sich die Anwälte des THW Kiel in der vergangenen Woche gearbeitet, 1000 Seiten, die die Kieler Staatsanwaltschaft in ihrem Ermittlungsverfahren bisher zusammengestellt hat. An diesem Montag wollen Beirat und Gesellschafter des Klubs zusammenkommen, dann wird über die umfangreichen Akten gesprochen, und es könnte auch konkret um die Zukunft des Managers Uwe Schwenker gehen. Es wird wohl eine spannende Sitzung, denn der Beirat, in dem Vertreter von Großsponsoren sitzen, ist nicht zufrieden mit den Gesellschaftern.

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Starker Block: Henrik Lundström (links) hindert Ivano Balic vom RK Zagreb am Wurf. Die Kieler gewannen die Champions-League-Partie mit 31:27. (© Foto: dpa)

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Die Informationspolitik halten die Beiräte für ungenügend, zudem wollen sie neue Strukturen schaffen, wegen des Verdachts von Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Das Klima wird rauer beim deutschen Handball-Meister, und das, obwohl die Mannschaft von Erfolg zu Erfolg eilt. Am Samstag hat sie durch ein 31:27 (17:11) gegen RK Croatia Zagreb das Halbfinale der Champions League erreicht. Champions League, das Höchste - und doch hören die Kieler Verantwortlichen diese Wörter derzeit nicht immer gern.

Das liegt daran, dass der Verdacht besteht, dass der THW Kiel in der Vergangenheit einige Champions-League-Spiele verschoben habe, und es liegt an den 1000 Seiten der Staatsanwaltschaft. Die ermittelt gegen Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den ehemaligen Trainer Noka Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. In Kroatien und in Polen hat sie um Hilfe gebeten, es sind weitreichende Recherchen, und laut Ermittlern ist mittlerweile nicht mehr die Frage, ob Geld geflossen ist, sondern wohin. Schwenker und Serdarusic bestreiten alle Vorwürfe.

Dubiose Geldtransfers

Von angeblich über 90000 Euro, die allein fürs Champions-League-Finale 2007 geflossen seien, war bisher stets die Rede. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich besonders für zwei Überweisungen an den kroatischen Geschäftsmann Nenad Volarevic, der in zwei Tranchen 92000 Euro von THW erhalten hat, teils, wie er sagt, für Spieler, die er dem Klub in Zukunft empfehlen werde, teils für die Empfehlung des Spielers Igor Anic, der 2007 aus Montpellier nach Kiel kam. Laut dem Magazin Spiegel hat Anic allerdings ausgesagt, dass Volarevic bei seinem Transfer keine Rolle gespielt habe.

Bei der Vernehmung war auch Anic' Vater zugeschaltet. Dieser sagte aus, er sei Anfang März angerufen worden, als der Bestechungsverdacht gegen den THW öffentlich geworden war: Bei Fragen solle er bestätigen, dass er 36000 Euro für den Transfer seines Sohns nach Kiel erhalten habe. Das habe er abgelehnt. Zudem berichtet das Magazin von einem weiteren Zeugen eines bereits länger bekannten Geständnisses von Schwenker: Im Juli 2007 soll er auf der Finca des HSV-Präsidenten Andreas Rudolph gesagt haben, dass man die Champions League nur durch Schiedsrichter-Bestechung gewinnen könne. Das hatte Rudolph in der vergangenen Woche erstmals öffentlich erzählt.

Ein weiterer Gast soll bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben haben, Schwenker habe ausgeführt, dass der THW insgesamt 120000 Euro für Schiedsrichterbestechung ausgegeben habe. Zu den Äußerungen Rudolphs hat Schwenker vergangene Woche gesagt: "Aus meiner Sicht ist es nicht so gefallen." Wie relevant die Äußerungen auf der Finca sind, ist allerdings zweifelhaft: Anwesende berichten, es sei an diesem Tag sehr, sehr viel Alkohol getrunken worden, insbesondere von Schwenker.

Dennoch gerät der THW-Manager zunehmend unter Druck. Im Klub wird nach Informationen der Kieler Nachrichten überlegt, Schwenker einen kaufmännischen Leiter zur Seite zu stellen, der verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinne solle. Das wäre ein deutliches Zeichen des Misstrauens seitens des Klubs.

Kein Ende der Diskussionen

der Es ist einiges los derzeit im Handball, das ist nicht zuletzt daran zu merken, dass stets und überall Sitzungen stattfinden, die sich mit den immer neuen Manipulationsvorwürfen beschäftigen, die weit über die Kieler Affäre hinausweisen. Kommenden Dienstag tagt der Deutsche Handball-Bund, diesen Montag tagen die Kieler, und am gestrigen Sonntag haben sich Präsidium und Aufsichtsrat der Handball-Bundesliga fünf Stunden lang am Frankfurter Flughafen zusammengesetzt. Beschlossen wurde, dass ein Ausschuss eingesetzt werden soll, "der konkrete Maßnahmen für die Risikoverminderung der Manipulation erarbeitet", wie es hieß. Dazu gehöre die Einrichtung eines Kontrollausschusses sowie die Erarbeitung von Ethik- und Verhaltensrichtlinien und die Installierung eines neutralen Ansprechpartners, der die Einhaltung dieser Richtlinien überwache.

In der Kieler Ostseehalle feierten am Samstag 10250 Menschen, dass der Klub zum dritten Mal hintereinander im Halbfinale der Champions League steht. Der Sieg im Jahr 2007 ist ins Blickfeld geraten. Fürs Jahr 2008 interessiert sich die Staatsanwaltschaft für zwei unbelegte Bargeldabhebungen über 20000 und 40000 Euro. Immerhin: 2009 stehen die Schiedsrichter unter Beobachtung wie noch nie.

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(SZ vom 06.04.2009/jbe)