Handball-Champions-League HSV Hamburg überrollt den THW Kiel

Was für ein Coup im Halbfinale der Handball-Champions-League: In einem unglaublichen Spiel besiegt der HSV Hamburg den THW Kiel 39:33 und trifft im Finale auf den FC Barcelona. Der Titelverteidiger aus Kiel verpasst damit das Triple.

Der HSV Hamburg hat den Triple-Traum des THW Kiel zerstört und steht erstmals im Endspiel der Champions League. Die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb besiegte im Halbfinale des Final-Four-Turniers in Köln den favorisierten Titelverteidiger überraschend deutlich mit 39:33 (19:16) und steht vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Gegner im Finale am Sonntag (18.00 Uhr) ist der siebenmalige Champions-League-Sieger FC Barcelona. Der spanische Meister hatte sich im ersten Halbfinale gegen den polnischen Champion KS Vive Targi Kielce mit 28:23 (13:10) durchgesetzt.

Rekordmeister Kiel verpasste es derweil, Handball-Geschichte zu schreiben. Zwei Triple in Folge hatte in Europa bisher nur Barcelona (1997 und 1998) gewonnen. Bester Werfer der Hamburger war der überragende kroatische Nationalspieler Domagoj Duvnjak mit elf Treffern. Bei den Kielern, die in der europäischen Königsklasse 2007, 2010 und 2012 triumphiert hatten, erzielte der Serbe Marko Vujin zehn Tore.

Beim THW endet damit eine Ära ohne den erneuten Sprung auf Europas Handball-Thron. In Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Marcus Ahlm und Momir Ilic werden vier Topspieler die Kieler im Sommer verlassen. Beide Teams führten die temporeiche Begegnung vor 20.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena in Köln von Beginn an mit offenem Visier. Zwar leisteten sich die Nordrivalen in der Anfangsphase auch immer mal wieder leichte Ballverluste und technische Fehler, doch insgesamt boten sie beste Handballkost.

Der THW bekam in der Abwehr im ersten Durchgang allerdings kaum Zugriff auf die variabel agierenden Hamburger. Nach einer zwischenzeitlichen 10:9-Führung (15.) verlor der deutsche Meister den Faden, und der HSV bestrafte die Kieler Fehler eiskalt. Als Torsten Jansen, der nach seinem üblen Kopfstoß gegen den Berliner Ivan Nincevic in der Bundesliga von Teilen des Publikums ausgepfiffen wurde, in der 27. Minute zum 19:13 traf, drohte dem THW zur Pause ein Debakel. Doch in den letzten Minuten vor der Pause kämpfte sich der Favorit zurück in die unterhaltsame Begegnung.

Nach dem Wechsel kämpfte der THW zunächst vergeblich um den Anschluss. Der HSV beantwortete Kieler Treffer fast postwendend. So traf Kreisläufer Igor Vori zum 26:22 (39.). Zu diesem Zeitpunkt hatte Omeyer sein Tor schon verlassen, der französische Weltklassetorhüter hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Als der dänische Vizeweltmeister Hans Lindberg das 28:22 per Tempogegenstoß erzielte (41.), nahm THW-Trainer Alfred Gislason eine Auszeit. Doch seine Mannschaft fand kein Mittel gegen einen nervenstarken HSV - obwohl Omeyer ins Tor zurückkehrte und der Rückstand noch einmal verkürzt wurde (31:34/55.).

Dank einer sehr guten Abwehrleistung und acht Treffern von Siarhei Rutenka zog zuvor Barcelona zum zehnten Mal ins Endspiel der Königsklasse ein. Bis zum 17:17 in der 43. Minute gestaltete Außenseiter Kielce die kampfbetonte Begegnung offen, doch dann setzte sich die individuelle Klasse der Spanier durch. "Wir sind noch nicht so weit. In der entscheidenden Phase haben wir einige Fehler gemacht", sagte Kielce-Coach Bogdan Wenta.