Von Christian Zaschke

Der Handball-Meistertrainer Noka Serdarusic sagt den Rhein Neckar Löwen aus gesundheitlichen Gründen ab. Nun steht auch der Wechsel von Nikola Karabatic auf der Kippe.

Für die Rhein-Neckar Löwen ist es der größte denkbare Rückschlag: Noka Serdarusic wird im Sommer nun doch nicht Trainer der Handballer aus Mannheim. Mit dem ehemaligen Meistertrainer aus Kiel als Zugpferd wollte der finanzstarke Klub die beste Mannschaft der Welt zusammenstellen. Der 58 Jahre alte Serdarusic musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen.

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"Mir geht es zur Stunde so dreckig, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch mal als Trainer arbeite, oder ob ich mich gezwungenermaßen zurückziehen werde", sagt Zvonimir Serdarusic. (© Foto: Getty)

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Er war zuletzt an der Bandscheibe und am Knie operiert worden. Bis zum Sommer dieses Jahres hoffte er, wieder vollständig genesen zu sein, doch zuletzt ging es ihm sogar schlechter. "Mir geht es zur Stunde so dreckig, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch mal als Trainer arbeite, oder ob ich mich gezwungenermaßen zurückziehen werde", sagte Serdarusic dem Sport-Informationsdienst.

Die Folgen für die Rhein-Neckar Löwen sind vielleicht nicht direkt dramatisch, doch sie werden spürbar sein. Zunächst ist der angestrebte Wechsel von Nikola Karabatic aus Kiel äußerst unwahrscheinlich geworden. Der Franzose hatte immer betont, bei Serdarusic spielen zu wollen, den er seinen Freund nennt. Dass ihm die Mannheimer auch deutlich mehr Geld geboten haben, spiele dabei überhaupt keine Rolle, sagte Karabatic. Wenn er nun trotz der Absage von Serdarusic wechselte, machte er sich auf eine Weise unglaubwürdig, die an Lächerlichkeit grenzte.

Serdarusic hat in weiten Teilen der Branche einen exzellenten Ruf, was das Sportliche angeht. Elf Mal ist er mit dem THW Kiel deutscher Meister geworden, zudem gewann er mit dem Klub 1997 die Champions League. Er wäre in Verhandlungen mit hochkarätigen Spielern stets ein gewichtiges Argument gewesen, weil er selbst aus sehr guten Profis noch bessere Handballer machen kann. Dieses Argument fällt jetzt weg, und die Mannheimer stehen in ihrer Zukunftsplanung wieder ganz am Anfang.

Aus Kiel ist Serdarusic im Streit geschieden. Im Juni 2008 musste er gehen, unter anderem wegen einer Auseinandersetzung mit Manager Uwe Schwenker, und er ging mit Wut. In Mannheim sah er die Chance, sich an seinem alten Klub für den Rauswurf zu revanchieren. Mit Klassespielern aus aller Welt (und aus Kiel) wollte er die Vorherrschaft des THW Kiel brechen. Es zeigte sich allerdings zuletzt, dass sich das Anwerben von guten Leuten auch mit Serdarusic als schwierig gestaltete. Karabatic war schlicht zu teuer, und Holger Glandorf ist kürzlich von Nordhorn nach Lemgo gewechselt, obwohl auch die Mannheimer an ihm interessiert waren.

Serdarusic geht es derzeit tatsächlich schlecht. "Eine Operation an der Bandscheibe und eine Knieprothese innerhalb von sechs Monaten, das macht mein Körper nicht mit", sagte er, "ich habe mir zu viel zugemutet. Ich habe wieder große Schmerzen. Sowohl im Rücken als auch im Knie ist der Heilungsprozess nicht optimal, es hat neue Komplikationen gegeben." Eventuell muss sich Serdarusic erneut operieren lassen.

Auf drei Jahre war der Vertrag in Mannheim angelegt, doch am Dienstag musste Löwen-Manager Thorsten Storm der Mannschaft mitteilen, dass Serdarusic abgesagt hatte. Am Mittwoch sagte Storm: "Das ist höhere Gewalt, das muss man akzeptieren. Das Risiko mit seiner Gesundheit war uns bewusst. Wir wünschen ihm gute Besserung."

Ein wenig überraschend ist allenfalls, dass der Verein und Serdarusic sich die Option auf eine Zusammenarbeit in der Zukunft verbauen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, zunächst mit dem derzeitigen Trainer Wolfgang Schwenke weiterzumachen, der gute Arbeit leistet, und abzuwarten, ob sich Serdarusic' Zustand bessert. Doch Serdarusic sagt: "Nach dem gesundheitlichen Einbruch rennt mir die Zeit davon. Ich kann meinen neuen Verein nicht bis Juni hinhalten. Die Rhein-Neckar Löwen müssen doch sofort eine andere Lösung finden und planen können. Nein, dann lieber der klare Schnitt: eine Vertragsauflösung."

Die Mannheimer bemühen sich jetzt um einen der beiden schwedischen Nationaltrainer, um den ehemaligen Kieler Staffan Olsson oder um Ola Lindgren. Olsson hatte sich laut Storm ohnehin darauf eingestellt, als Assistent von Serdarusic zu arbeiten und komme nun als Cheftrainer in Betracht. Lindgren trainiert neben seinem Job als Nationalcoach noch die HSG Nordhorn, die kürzlich Insolvenz anmelden musste. "Da muss ich mich umschauen, das wird jeder verstehen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings hat sich noch niemand aus Mannheim bei ihm gemeldet.

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