Von Christian Zaschke

Die Affäre um Manipulationen im Handball geht weiter: Die Staatsanwaltschaft Kiel durchsucht mittlerweile bundesweit - und auch im Ausland.

In den verschiedenen Affären im Handball ist weiterhin Bewegung. Am Freitag hat die Kieler Staatsanwaltschaft bundesweit Durchsuchungen vorgenommen. Sie sucht nach Hinweisen im Ermittlungsverfahren gegen den THW Kiel, der seit dem Jahr 2000 mindestens zehn Spiele der Champions League manipuliert haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue, der THW bestreitet alle Vorwürfe.

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Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft mittlerweile im Ausland, sie hat Rechtshilfeersuchen nach Polen und nach Kroatien gestellt. Weiterhin sind drei Staatsanwälte mit dem Verfahren beschäftigt, was für umfangreiche Ermittlungen spricht. Es sollen mittlerweile auch Kontoauszüge vorliegen, laut einem Ermittler stehe zu erwarten, dass belastbare Beweise zutage gefördert werden. Wie lange die Ermittlungen sich hinziehen, ist allerdings noch völlig offen.

Bei ihren Ermittlungen in ganz Deutschland wurden die Ermittler am Freitag auch bei Gerd Butzeck vorstellig, dem Generalmanager der Group Club Handball, einer Vereinigung der führenden europäischen Handballvereine. Ihn befragten sie zu einem Treffen auf der Finca von Andreas Rudolph, dem Präsidenten des HSV Hamburg, bei dem unter anderem Uwe Schwenker anwesend war, der Manager des THW Kiel. Zu vorgerückter Stunde soll Schwenker Bestechung gestanden haben, was Butzeck allerdings nicht bestätigen kann.

Butzeck wirft jedoch neue Fragen über die Rolle des europäischen Verbands EHF in den Weiterungen der Affären um den Handball auf. Nachdem vor einer Woche bekannt geworden war, dass die deutschen Top-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich im Jahr 2006 mit 50000 Dollar am Moskauer Flughafen erwischt worden waren, hatte die EHF erklärt, ihr lägen keinerlei Meldungen über Bestechungsversuche vor.

Im Laufe der Woche hatten jedoch sowohl dänische als auch deutsche Schiedsrichter gesagt, sie hätten in der Vergangenheit der EHF Bestechungsversuche gemeldet. Auf SZ-Anfrage bestätigte EHF-Wettbewerbsmanager Michael Glaser, dass diese beiden Fälle vorlägen. Man wolle im Verband nun prüfen, "was damals bei den Meldungen gut gemacht wurde und was nicht so gut".

Butzeck sagte der SZ am Freitag, auch er habe der EHF in seiner Zeit als Verbands-Delegierter einen Fall von versuchter Bestechung gemeldet. Nachdem die EHF zunächst angegeben hatte, von keinem Fall zu wissen, dann aber zwei Fälle einräumte, steht nun also ein dritter Fall im Raum. Um welches Spiel und um welche Schiedsrichter es gehe, wollte Butzeck einstweilen noch nicht sagen. Die Schiedsrichter hätten jedoch abgelehnt; er werde sich zu gegebener Zeit detaillierter äußern.

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