Von Jörg Marwedel

Der Hamburger SV rückt unter Europas Spitzenklubs vor und will seine Position im Duell mit dem Rivalen Werder Bremen ausbauen.

Ein Baumeister hat seine Pläne in heutigen Zeiten immer dabei. Kurz das Laptop ausgepackt, und schon kann man die neuesten Vorhaben nebst Modellbildern besichtigen. Bernd Hoffmann, 46, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, präsentiert derzeit gern die neue Fußballwelt, die schon 2010 in der Arena im Volkspark Wirklichkeit werden soll.

Im Uefa-Cup-Halbfinale gegen den alten Bekannten Bremen: Der Hamburger SV. (© Foto: dpa)

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4000 neue Stehplätze sollen auf der Nordtribüne geschaffen werden und ein weiterer Vip-Bereich. Das Stadion wird statt 57.000 mehr als 61.000 Besucher fassen. Daneben wird ein vierstöckiges Haus errichtet, in dem Fans und Kunden alles finden, was für sie wichtig ist. Und es entsteht ein 2500 Quadratmeter großer Kinderparcours nebst Fußball-Tennis-Feld und einem Messgerät für die Schussgeschwindigkeit. Finanzkrise sieht anders aus.

"Wirtschaftlich", sagt Hoffmann über den zweiten Stadion-Ausbau in wenigen Jahren, rechnen sich die dann 13.000 Stehplätze nicht. Aber es sei prächtig für die Stimmung und "damit auch gut für die Marke HSV". Selbst vor der "gelben Wand", der mächtigen Fantribüne in Dortmund, müsse man sich nicht verstecken. Das Fernduell mit dem hanseatischen Konkurrenten Werder Bremen geht auch außerhalb des Rasens weiter. Werder baut gerade das Weserstadion auf die Kapazität von 50.000 aus.

Selbstverständlich kann Hoffmann die Erfolge des in den vergangenen 22Jahren überlegenen Rivalen genau so schnell aufsagen wie die älteren HSV-Triumphe: "Drei Meisterschaften, vier Pokalsiege und ein Europacup-Gewinn" seien es gewesen, während der letzte Titel seines Vereins 1987 der DFB-Pokal war. Das wurmt die Hamburger seit Jahren. Was der HSV-Boss in den Tagen vor dem Uefa-Cup-Halbfinale der beiden Klubs lieber nicht ausspricht, ist dies: Der HSV ist - unabhängig vom Ausgang des internationalen Nordderbys - gerade dabei, die Bremer zu überholen.

Denn Werder muss als Bundesliga-Zehnter in der neuen Saison nicht nur auf jenes Geld verzichten, mit dem man sich ein Spitzenteam leisten konnte. Aus fünf Champions-League-Teilnahmen, errechnete Hoffmann, nahmen sie "mindestens 100 Millionen Euro mehr ein als ein vergleichbarer Bundesligaklub". Zudem könne der HSV beim Kartenverkauf und der Hospitality, also dem Service in Logen und "Business-Seats", im Jahr etwa 50 Millionen Euro einstreichen, die Bremer maximal 25 bis 30 Millionen. Der Bonus der größeren Stadt.

Sollte sich der HSV für die Champions League qualifizieren, würden auf Grund eines neuen Vermarktungssystems noch einmal 20 Prozent mehr herausspringen als in den vergangenen Jahren. Eines weiß auch Hoffmann: "An das große Geld kommt man nur noch, wenn man den Briefkopf verändern kann oder in der Champions League mitspielt." Stimmt nicht ganz: Werder kann zwar seinen Briefkopf noch verändern, indem man nach dem Sieg über den HSV im DFB-Pokal noch Pokalsieger werden und bei weiteren Triumphen über den HSV noch den Uefa-Cup gewinnen kann.

Nur: Im Uefa-Pokal (heißt bald Europa League) tut man mehr für das Image (mit Ausnahme des FC Bayern) als für die Finanzen. Nur etwa drei bis vier Millionen Euro blieben in den vergangenen Jahren in diesem Wettbewerb jeweils beim HSV hängen.

Schon jetzt rückt der HSV den Bremern im Ranking der Uefa immer näher.

Werder wird zwar im Sommer wohl auf Rang neun liegen, der besten Platzierung überhaupt. Der HSV aber rückt von Platz 21 mindestens auf 13 vor und löst damit ein, was Hoffmann 2005 vorgab: den Klub unter die ersten 20 in Europa zu bringen. Und selbst auf die Finanzkrise sind die Hamburger, obwohl der Stadion-Namensgeber, die HSH Nordbank, wegen unappetitlicher Minusgeschäfte 2010 wohl aussteigen muss, gut vorbereitet. Auch, weil man noch wenig von jenen 18 Millionen Euro ausgab, die man im Winter von Manchester City für Nigel de Jong einstrich.

Im Sommer, sagt Hoffmann voraus, würden etliche Klubs in allen europäischen Ligen die Gehälter reduzieren und deshalb gute Spieler abgeben. Und für solche Profis seien dann "vielleicht nicht mehr fünf Interessenten da, sondern nur noch zwei". Das lässt die Preise sinken. Und so kann der HSV, auch wenn er "keine Spieler für zweistellige Millionen-Beträge" (Hoffmann) kaufen will, manches Schnäppchen machen. Die Hamburger sind, mit Ausnahme des FC Bayern und den von großzügigen Geldgebern bedienten Hoffenheimern und Wolfsburgern, am besten aufgestellt.

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(SZ vom 30.04.2009/sonn)