Hamburger SV "Die Gefühle schlagen Purzelbaum"

"Die Gefühle schlagen Purzelbaum", fasste er zusammen. Die Kunst ist, sich davon als Trainer nicht vereinnahmen zu lassen. Seit Gisdol am sechsten Spieltag ins Amt eintrat, betreibt er beim HSV ein Krisenmanagement unter extremen Anforderungen. Mancher sah ihn schon als gescheitert an, bis am 13. Spieltag der erste Sieg gelang.

Nach dem 0:8 in München holte sein Team in vier Spielen zehn Punkte, in den sechs Spielen danach aber nur noch vier Punkte. Eine Bilanz zum Verrücktwerden, aber Gisdol setzte sachlich seine Arbeit fort, so wie am aufregenden Samstag, als er das Drama spürte ("emotionale Momente, die man so schnell nicht vergisst"), aber mitten im Brausen und Tosen die Kontrolle behielt. Der Auftritt seiner Elf und der verdiente Punktgewinn bestätigten ihn: "Wir sind nie kopflos geworden und haben in der zweiten Hälfte immer mehr Druck aufgebaut", lobte Gisdol mit Recht.

Der HSV hat nicht gut Fußball gespielt, doch er hat nicht aufgehört, sich darum zu bemühen. Deswegen nahm das Spiel nach der Pause eine Wende. Bis dahin waren die Schalker unter der Regie von Nabil Bentaleb und Leon Goretzka spielerisch deutlich besser gewesen und durch Guido Burgstallers Kopfballtor folgerichtig in Führung gegangen. Vom 2:0 trennte den Österreicher nur ein Zentimeter auf dem Spann, als er den Abpraller nach Klaas-Jan Huntelaars Pfostentreffer aufnahm.

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Die vielen Menschen, die der Meinung sind, dass der HSV jetzt endlich mal absteigen und seine alte Dino-Uhr demontieren sollte, dürfen darüber klagen, dass eine höhere Macht dem HSV immer wieder die nötigen Glücksmomente spendet. Beim Relegationsspiel in Karlsruhe war es vor zwei Jahren der Schiedsrichter Manuel Gräfe, der einen Freistoß gab, den sonst keiner gegeben hätte. In Gelsenkirchen kam der exzentrische Entscheid eines Linienrichters zur Hilfe, doch es waren die Hamburger, die sich mit Widerstandsgeist und großem Kampf gegen die Niederlage stemmten.

Typisch Lasogga

Die Angriffsmethoden trugen zwar tragikomische Züge, und man muss den HSV schon sehr mögen, um die grobklotzigen Taten des Verteidigers Sakai würdigen zu können, doch erstens stand eben jener immer eifrige Sakai im Weg, um das 2:0 durch Coke zu verhindern, und zweitens war der Ausgleich nach dem Dauerdruck auf Schalkes Strafraum einfach fällig.

Typisch war, wie ihn der eingewechselte Lasogga erzielte. Gisdol amüsierte sich: "Den Ball hat Pierre im Stile eines Torjägers gar nicht richtig getroffen - und der war dann drin." Dem verhinderten Torjäger, den er bisher nur im Notfall einsetzte, eine spöttische Bemerkung zu widmen und sie trotzdem freundlich klingen zu lassen - auch das hat der Trainer gut hingekriegt. Doch das wahre Endspiel kommt erst noch.

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