Hamburger SV: Beiersdorfer geht Der Machtmensch siegt

Wieder einmal setzt sich Bernd Hoffmann in einem Konflikt durch. Nun muss der Vorstandschef des HSV den Vorwurf entkräften, er lebe in einem Märchen.

Ein Kommentar von Jörg Marwedel

Die ersten Spötter haben am Mittwoch aus dem HSV schon einmal "Hoffmanns Sport-Verein" gemacht. Tatsächlich hat der frühere Medienmanager in der Auseinandersetzung mit dem nun ehemaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer ein weiteres Beispiel für seine Durchsetzungsfähigkeit geliefert.

Die Opposition beim Hamburger SV sieht sich damit erneut bestätigt, dass der Machtmensch Hoffmann auch ein guter Politiker ist. So, wie er im Januar die kritischen Aufsichtsratskandidaten als unrealistisch abqualifizierte und keiner von ihnen gewählt wurde, so scheint er auch den Klub zu führen. Weshalb manche schon eine Spaltung des HSV befürchten.

Natürlich hat Hoffmann dem HSV wirtschaftlich gut getan, so wie Beiersdorfer den Mief vieler Jahre im sportlichen Bereich ausmistete. Hoffmann hat den HSV aus desolater Lage binnen sechs Jahren zur wirtschaftlich besten Marke nach dem FC Bayern gemacht. Deshalb wäre es ungerecht, würde man nach der von ihm erzwungenen Aufgabe des Sportchefs sagen, nun sei der HSV wieder dort, wo er vor der Ära Hoffmann/Beiersdorfer war - nämlich ein Verein mit Tradition, aber ohne die Kontinuität für neue Erfolge.

Gleichwohl wird es wohl spannend, ob der wirtschaftlich erfolgreiche HSV-Boss jene Aussage des bisherigen Trainers Martin Jol entkräften kann. Jol sagte, Hoffmann lebe in einem Märchen: "Er will alle Spieler verkaufen und trotzdem Titel holen."

Auch deshalb ist es ungerecht, wenn der Vorsitzende Beiersdorfer die Schuld gibt an jener erst so guten Saison, die trotz der Millionen-Verkäufe von Rafael van der Vaart, Vincent Kompany und Nigel de Jong erst am Schluss ein wenig aus dem Ruder lief.

Beiersdorfer hatte einst die Idee, aus dem HSV eine Millionenstadt-Variante von Werder Bremen zu machen. Sympathisch, kompetent, beständig. Am liebsten hätte er mit einem Trainer eine harmonische Beziehung gehabt wie Thomas Schaaf mit Klaus Allofs. Man hätte über Jahre eine immer bessere Mannschaft betreut und irgendwann Titel gewonnen. Nun ist der Traum vorbei. Beiersdorfer hat zwar das Team verbessert, aber keine Titel gewonnen.

Er hat nicht einen, sondern sechs Trainer verpflichten müssen. Und am Schluss war er zu müde, sich gegen einen Chef zu wehren, der genau das wollte: für viel Geld Spieler verkaufen und trotzdem Titel holen.

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