Haie erzwingen Entscheidungsspiel Thriller am Ostermontag

Köln treibt die Viertelfinalserie gegen Berlin auf die Spitze: Nach dem 5:1-Sieg der Haie muss ein siebtes Spiel über den Halbfinal-Einzug entscheiden. Für Köln wird es das zehnte Playoff-Spiel der Saison.

Von Ulrich Hartmann, Köln

Abseits des Eises werden aus rustikalen Eishockeyspielern schnell liebevolle Väter. Am Samstagabend war das schön zu beobachten, als die überwiegend bärtigen Profis der Kölner Haie nach dem 5:1-Sieg gegen die Berliner Eisbären auf die Gummimatten in Richtung Kabinengang traten und dort allerhand kleine Kinder in Empfang nahmen, die auf den Armen der Mütter oder in Kinderwägen zum Empfang ihrer Helden kamen.

Riesige Eishockeymänner mit winzigen Kindern auf den Armen - das war das Bild am Ende der sechsten Etappe jener spannenden Playoff-Viertelfinalserie, die nun am Ostermontag ins siebte, entscheidende Spiel geht. Dann wird sich in Berlin zeigen, welche Spieler dann mit ihrem Nachwuchs feiern - und welche Trost benötigen.

Für Köln folgt bereits das zehnte Playoff-Spiel

Die Kölner Eishockey-Profis haben in den vergangenen 18 Tagen nicht viel von ihren Familien gehabt. Sie haben neun Spiele absolviert: fünf in Köln, drei in Berlin, eines in Mannheim. Playoffs sind eine ziemliche Strapaze, man ist froh, wenn's vorbei ist, aber man will das Ende dieser Strapaze trotzdem so weit wie möglich hinauszögern.

Auch die Kölner Haie wollen das. Sie haben in diesem Frühjahr bislang die meisten Playoff-Spiele bestritten, aber sie haben noch nicht genug und wirken auch überhaupt nicht erschöpft. Im Gegenteil. Am Samstagabend haben sie die Viertelfinalserie gegen Berlin vor 14 033 überwiegend begeisterten Zuschauern mit einem 5:1 (1:0, 1:1, 3:0) ausgeglichen und ins siebte Spiel getrieben. München und Wolfsburg haben in fünf Spielen gewonnen, Nürnberg benötigte sechs, Köln und Berlin sehen sich ein siebtes Mal. Irgendwer muss am Ostermontag ja noch für Action in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sorgen.

Nur 61 Sekunden hatte es zu Beginn gedauert, ehe das erste Tor fiel: Der Schwede Fredrik Eriksson schoss aus 20 Metern einfach mal aufs Berliner Tor. So etwas ist ja beim Eishockey mehr als bei jedem anderen Sport eine Lotterie, aber Eriksson hatte Glück. Die schwarze Hartgummischeibe fand ihren Weg vorbei an Freund und Feind und vor allem an Torwart Petri Vehanen. 1:0 führten die Kölner also früh, aber so etwas hat nie sehr viel zu bedeuten.

3:22 Torschüsse im Mitteldrittel - und trotzdem in Führung

Das erste Drittel wurde trotzdem kein Feuerwerk, dazu sind die Kölner und die Berliner zu seriös auftretende Teams. Seltsam wirkt die Serie: 3:0 für Köln, 5:1 für Berlin, 4:0 für Köln, 4:1 für Berlin, 5:1 für Köln. Eng war bislang nur das zweite Spiel, das die Berliner in Köln in der Overtime 1:0 gewannen. Das siebte Spiel ist nun prädestiniert für einen Thriller.

Im zweiten Durchgang am Samstag erwischten die Kölner den besseren Start, die Berliner das bessere Mitteldrittel und die Kölner den besseren Endspurt. Nach 25 Sekunden war Ryan Jones allein aufs Berliner Tor zugelaufen, scheiterte aber an Vehanen. Dann übernahmen die Berliner die Kontrolle, kamen durch Petr Pohl in der 23. Minute zum 1:1, erspielten sich 22:3 Torschüsse - gingen aber trotzdem mit einem Rückstand vom Eis, weil Torsten Ankert zwei Minuten vor der Sirene wie aus dem Nichts das Kölner 2:1 erzielte.

Und hätte Johannes Salmonsson in der 39. Minute nicht nur den Pfosten getroffen, sondern ins Netz, dann hätten deutlich unterlegene Kölner ihren Vorsprung sogar schon früher auf 3:1 ausgebaut: "Wir hatten trotzdem Glück, dieses zweite Drittel überlebt zu haben", sagte Kölns Trainer Cory Clouston später.

Eisbären-Trainer Krupp war grantig

Danach dauerte es bloß noch bis zur 43. Minute, bis die Kölner die Vorentscheidung erzielten. Die Berliner spielten gerade längere Zeit in Unterzahl, als Alexander Sulzer auf 3:1 erhöhte. Sieben Minuten vor dem Ende erzielte Salmonsson das 4:1, Philipp Gogulla demütigte die Berliner mit dem 5.1 (55.) sogar ein bisschen. Deren Trainer, Uwe Krupp, nahm vorsichtshalber eine Auszeit: "Einige Undiszipliniertheiten, nicht nur durch Strafen, sondern auch in unserem Spielsystem" hatte Berlins Trainer mit Kölner Vergangenheit beobachtet. Krupp klang grantig.

"Ab sofort gibt es keine Ausreden mehr", sagte Kölns Kapitän Moritz Müller mit Blick aufs zehnte Kölner Playoff-Spiel in diesem Frühjahr. Im Halbfinale stünden mindestens vier weitere bevor. Die Berliner aber haben ihre eigenen Pläne. Sie wollen die Playoffs nach gerade mal sieben Spielen keinesfalls schon aufgeben. Dazu haben sie noch zu viele Kraftreserven.