Hängende Spitze Schlaflos in Solingen

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Leipzigs Kevin Kampl spielt nach der Geburt seines Sohnes und einer ruhelosen Nacht gegen Wolfsburg. Das wirft gravierende arbeitsrechtliche Fragen auf.

Von Markus Schäflein

Für Mütter, das regelt das Mutterschutzgesetz, besteht sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt ein Beschäftigungsverbot. Bei Vätern, die zu einer Geburt wesentlich weniger betragen, ist die Lage komplizierter: § 616 BGB gewährt eine bezahlte Freistellung von der Arbeit, "wenn der Arbeitnehmer für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund und ohne eigenes Verschulden an der Arbeit verhindert ist" - wer Vater wird, erhält in der Regel einen Tag Sonderurlaub (wenngleich die Sichtweise der Juristen anzuzweifeln ist, dass bei einer Vaterschaft kein eigenes Verschulden vorliegt).

Wie es mit dem Arbeitsvertrag aussieht, den das Fußballunternehmen RB Leipzig mit dem Angestellten Kevin Kampl geschlossen hat, ist nicht bekannt - ein genereller Ausschluss des § 616 BGB stellt jedenfalls "in der Regel eine unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers" dar. Spielt allerdings keine Rolle, Kampl wollte ja unbedingt arbeiten. Am Freitagabend fuhr der 27-Jährige die knapp 500 Kilometer lange Strecke nach Solingen, um Samstagmorgen seinen Sohn Jordi Noel zu begrüßen und dann zurückzurasen und nach schlafloser Nacht um 15.30 Uhr für Leipzig gegen Wolfsburg anzutreten - "weil ich unbedingt spielen und den Jungs helfen wollte". Trainer Ralph Hasenhüttl stimmte zu, denn: "Wahrscheinlich war er der einzige Spieler unserer Mannschaft, der mit einem positiven Gefühl ins Spiel ging."

Weitere Probleme für Papa Kampl stehen allerdings schon an. "Inanspruchnahme der Elternzeit ist nicht abhängig von der Zustimmung des Arbeitgebers" - aber Elterngeld (max. 1800 EUR) ist für Fußballprofis eine unattraktive Option. Und am Vatertag kann Kampl auch nicht angemessen teilnehmen, zwei Tage später spielt Leipzig in Berlin.