"Er ist mein Freund und wird es bleiben"

Guardiola über Hoeneß /
Der Tag des Rücktritts im Newsblog
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Pep Guardiola: Unterstützung für Hoeneß

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola würdigt Uli Hoeneß als "große Persönlichkeit"
  • Uli Hoeneß verzichtet auf Revision, legt seine Ämter beim FC Bayern nieder und tritt seine Gefängnisstrafe an
  • Adidas-Chef Hainer leitet bis auf weiteres den Aufsichtsrat des FC Bayern
  • Staatsanwaltschaft entscheidet kommende Woche über Revision

Pep Guardiola würdigt Hoeneß' Lebensleistung: Vor dem Bundesligaspiel des FC Bayern gegen Bayer Leverkusen hat sich Trainer Pep Guardiola zu Uli Hoeneß geäußert: "Heute ist es nicht einfach für mich. Ich bin hier nur neun Monate, über diese Situation zu sprechen ist nicht einfach. Ich wünschte, ich könnte besser Deutsch, um über meine Gefühle zu sprechen. Ich habe in meiner Zeit hier gesehen und gemerkt, wie wichtig Uli Hoeneß für diesen Verein ist, der einer der besten der Welt ist. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die große Persönlichkeit von Uli Hoeneß. Ich habe mit vielen Mitarbeitern in der Säbener Straße gesprochen und gemerkt, wie viele Leute ihn lieben. Ich glaube, er verdient unseren Respekt. Ich hoffe, er kann in der Zukunft zuückkommen und uns unterstützen. Er ist mein Freund und wird es bleiben. Wir müssen als Verein mit dem weitermachen, was wir von Uli gelernt haben." Weitere Nachfragen zur Causa Hoeneß waren nicht erlaubt.

Hainer bis auf weiteres Aufsichtsratschef: Adidas-Chef Herbert Hainer wird nach dem Rücktritt von Uli Hoeneß neuer Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG. Das Gremium habe den 59-Jährigen einstimmig bis auf weiteres an seine Spitze gewählt, erklärt die Fußballabteilung des Vereins. Wer Hoeneß als Präsident folgt, ist noch nicht geklärt. Über das Präsidenten-Amt muss satzungsgemäß in den kommenden vier Wochen eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden. Kommissarisch leitet bis dahin der erste "Vize" Karl Hopfner die Geschicke des Klubs. Außerdem wurde Hopfner einstimmig bis auf weiteres in den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates gewählt.

Aufsichtsrat dankt Hoeneß: "Der gesamte Aufsichtsrat der FC Bayern München AG dankt Uli Hoeneß für seine außergewöhnlichen Leistungen zum Wohl des FC Bayern München in den zurückliegenden vier Jahrzehnten", heißt es in einer Mitteilung auf der Vereins-Website. "Uli Hoeneß hat mit seinen Führungsqualitäten, seinem hohen persönlichen Einsatz und seiner herausragenden Lebensleistung immer dem Wohle des FC Bayern München gedient", erklärt Herbert Hainer. "Er ist wesentlich mit dafür verantwortlich, dass der FC Bayern München zu einem der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten und attraktivsten Vereine der Welt geworden ist. Dafür gilt ihm unser ganzer Dank".

Hoeneß verzichtet auf Revision: Uli Hoeneß will seine dreieinhalbjährige Gefängnisstrafe antreten. Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte 62-Jährige erklärt, er werde nicht gegen das Urteil des Landgerichts München II vom Donnerstag vorgehen. Er lege "mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e. V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder", teilt er in einer persönlichen Erklärung mit. Lesen Sie hier die Erklärung im Wortlaut.

Haftantritt kann sich hinauszögern: Hoeneß wird seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung nicht umgehend antreten müssen. "Es wird sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor er in Haft gehen wird", sagt die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz. Der gegen Hoeneß bestehende Haftbefehl hat Titz zufolge keine Gültigkeit mehr, wenn das Urteil rechtskräftig wird, da es sich um einen Untersuchungshaftbefehl handelt. Hoeneß bekomme dann eine Ladung zum Strafantritt. Dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist. Falls auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichtet, wird es damit rechtskräftig. "Wir werden das Anfang nächster Woche entscheiden", sagt deren Sprecher Ken Heidenreich.

Status als Freigänger nach gewisser Zeit möglich: Hoeneß könnte nach einiger Zeit einen Status als Freigänger zu bekommen. Gerichtssprecherin Titz sagte zu den Voraussetzungen: "Eines ist klar, der Verurteilte muss in Haft erst mal unter Beweis gestellt haben, dass er sich ordnungsgemäß führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht." Der Freigängerstatus setzt dann noch voraus, dass er sozial eingebunden ist und ein geordnetes Leben führt. "Sollte er eine Anstellung, beispielsweise beim FC Bayern München, bekommen, darf er tagsüber raus, um dort zu arbeiten", erklärte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl. Abends muss Uli Hoeneß aber wieder in die Zelle zurück. "Für eine Resozialisierung ist es nicht notwendig, dass ein Häftling sich die Champions League im Stadion anschaut", betonte Bachl.

Urteil gegen Hoeneß Milde Strafe für einen maßlosen Mann

Uli Hoeneß hat sich nicht wie ein Täter benommen, sondern wie ein Opfer. Mit der Wahrheit hat er von Anfang an taktiert. Angesichts der kriminellen Energie sind dreieinhalb Jahre Haft eine fast milde Strafe. Die Richter hielten dem Angeklagten alles zugute, was man ihm zugutehalten kann.

Stimmung am Vereinsgelände: An der Säbener Straße haben sich die Kamerateams der Fernsehsender positioniert, Anhänger verlassen den Fanshop mit gefüllten Papptüten. Viele Fans, das ist zu erfahren, sind in diesen Tagen verunsichert. Sie tragen weiter ihre Trikots, ihre Schals, aber sie wissen nicht, ob der FC Bayern, den sie da repräsentieren, derselbe bleiben wird. "Die Haftstrafe ist schon gerecht, das Vergehen ist ja nicht unerheblich", sagt einer, in seiner Tüte steckt bereits eine Papp-Meisterschale, "aber noch kann ich mir nicht vorstellen, wie der Verein ohne Uli Hoeneß sein soll." Wer ihn ersetzen könne? Der Fan überlegt lange. Schließlich sagt er: "Keiner."

Beckenbauer, Merkel und Seehofer äußern Respekt: Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer hat seinem Freund Uli Hoeneß für dessen Entscheidung "großen Respekt" gezollt. "Sie zeigt seine menschliche Größe. Es tut mir für Uli persönlich sehr leid", sagte Beckenbauer bei Sky. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Respekt für die Entscheidung von Hoeneß geäußert, das Hafturteil zu akzeptieren und seine Spitzenämter beim FC Bayern niederzulegen. Das sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. "Die Entscheidung von Herrn Hoeneß nötigt mir Respekt ab", sagte zudem der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dem Handelsblatt (Montag). "Seine Erklärung zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist. Er hat sehr verantwortlich gehandelt, indem er auf die Revision verzichtet und seine Ämter niedergelegt hat."

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